Vorschau 2016: Teil 17

Johnson Die lachenden Ungeheuer    Nunn Zeit der Finsternis    Schulz Onno Viets Hirsch    Trouillot Yanvalou für Charlie

2016 laufe ich immer nur hinterher. Jetzt ist es schon so weit gekommen, dass ich bei meiner Jahresvorschau das Nachsehen habe, denn eines der vier Bücher, die ich euch heute vorstellen möchte, ist bereits vor ein paar Tagen erschienen. Aber was soll man machen? Wenn der siebzehnte (!) Teil immer noch nur so vor Hochkarätern strotzt, dann hat man es eben mit einem ungewöhnlichen Krimijahr zu tun.  Weiterlesen

Zwischen Scheitern und Triumph

Pollock Die himmlische Tafel

© Liebeskind

Mit seiner Kurzgeschichtensammlung Knockemstiff und dem darauffolgenden Debütroman Das Handwerk des Teufels hat sich Donald Ray Pollock in Sphären geschrieben, von denen man vorher dachte, sie lägen mindestens ein halbes Schriftstellerleben von der Veröffentlichung des Erstlings entfernt. Seite an Seite mit dem etwa gleichaltrigen Daniel Woodrell sitzt er seitdem zu den Füßen des Genre-Gottvaters Cormac McCarthy,  komplettiert die Dreifaltigkeit der düsteren Südstaaten-Literatur und erntet die Früchte seines Schaffens: Kritikerlob und Erwartungsdruck. Sein neuer Roman Die himmlische Tafel liest sich in diesem Kontext als Befreiungsschlag eines Autors, der weder bereit ist, sich dem Druck zu beugen, noch es sich jetzt schon in der für ihn vorgesehenen Schublade bequem zu machen.  Weiterlesen

Schneemann macht Sommerpause

Sommerpause

© Scott Schiller

Eine Auszeit muss her. Nachdem das Jahr wieder viel zu schnell vorbeizieht und ich kaum noch zum Lesen komme, dachte ich mir, ich lasse mal für ein paar Wochen die Tastatur in Ruhe und widme mich meinem Bücherstapel. Deshalb steige ich morgen Vormittag mit einem Koffer voller Krimis ins Flugzeug. Während meiner Abwesenheit werde ich weder Kommentare lesen noch Mails beantworten können. Falls ihr also dringende Anliegen habt, lasst sie mir am besten per Flaschenpost zukommen, wobei ihr Gewässer und Strömung so wählen bzw. berechnen müsst, dass die Nachricht an der Küste von Griechenland wieder, ähm, auftaucht. Am 15. August geht es dann wie gewohnt weiter – pünktlich zum Erscheinen des neuen CrimeMag, in dem ich mich dann über einen Teil meiner Urlaubslektüre auslassen werde.

Der Kriminalroman im Zeitalter der Remix-Kultur

Fox Hades

© Suhrkamp

Die junge Australierin Candice Fox wurde für ihr Debüt „Hades“ nicht nur in ihrer Heimat preisgekrönt, sie hat auch hierzulande etwas gewinnen können, das man nicht unterschätzen sollte: Prominente Fürsprecher. Angefangen bei Thomas Wörtche, der das Buch bei Suhrkamp herausgegeben hat, über Sonja Hartl, Alf Mayer und Ulrich Noller liest sich die Mitgliederliste ihres Fanclubs wie ein who is who des deutschen Krimijournalismus. Und die dazugehörigen Lobeshymnen erst! Man hatte zwischenzeitlich das Gefühl, mit „Hades“ stünde uns eine kleine Genre-Revolution ins Haus. Umso ratloser war ich nach 341 Seiten, denn das Kartenhaus meiner Erwartungen war nach und nach in sich zusammengefallen und die Autorin zog bis zum Schluss kein Ass aus dem Ärmel, um es wieder zu stabilisieren. Ob sie es sich für die zwei Folgebände aufgehoben hat? Oder ist ihr gar der ganz große Bluff gelungen? Während ich noch grübelte, was ich übersehen hatte, hätte ich beinahe etwas übersehen: Wie viel Spaß ich mit diesem Buch hatte. Vollends verwirrt schlug ich es auf der ersten Seite wieder auf und verabschiedete mich von jedem Gedanken an Schlaf. Weiterlesen

Vorschau 2016: Teil 16

Moshfegh McGlue    De Cataldo Bonini Nacht von Rom    Beinhart No One Rides for Free    ä

Emons? Ars Vivendi? Während Liebeskind und Folio für diese Format quasi fest gebucht sind, werden die anderen zwei Verlage deren Bücher ich heute vorstelle vielleicht für Stirnrunzeln sorgen. Zwar sind beide bereits in der Krimiszene etabliert, nur hat es bisher nie eine Schnittmenge zwischen ihren Veröffentlichungen und meinem persönlichen Geschmack gegeben. Das könnte sich bald ändern. Weiterlesen

Gründung einer kriminellen Vereinigung

Liebe Leserinnen und Leser,

während ich online mit vielen von euch in Kontakt stehe und mich regelmäßig über Kriminalliteratur austauschen kann, fehlen mir im Leben fernab des Bildschirms dazu leider die nötigen Strukturen. Also schaffe ich sie mir gezwungenermaßen selbst: Ich möchte in Tübingen einen monatlich stattfindenden Krimi-Stammtisch etablieren. Drei (oder sogar vier?) Leute haben bereits ihr Interesse bekundet und ich hoffe, dass es durch diesen Beitrag noch ein paar mehr werden.

Krimi-Stammtisch

© Robert Carner

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Vorschau 2016: Teil 15

Torreck Fest de Finsternis    Borrmann Trümmerkind    Juretzka Bis zum Hals    Pilz Der anatolische Panther

Das Finale der Fußball-Europameisterschaft findet heute ja bekanntlich ohne das deutsche Team statt, aber das ist kein Grund, gleich den Kopf in den Sand zu stecken. Es gibt noch so viele Disziplinen, in denen unser Land sich beweisen kann. Was das Schreiben von Kriminalromanen angeht haben wir beispielsweise einen vielversprechenden Kader aus Veteranen und neuen Talenten vorzuweisen: Weiterlesen

Stand Your Ground

Max Annas Die Mauer

© Rowohlt

Max Annas ist wieder da und erobert die Kritikerherzen im Sturm. „Mit einer schnörkellosen, atemlosen Schreibe liefert der in Köln geborene Schriftsteller, der mittlerweile in Südafrika lebt, ein unglaublich spannendes Kammerstück ab“, schrieb ich vor etwa eineinhalb Jahren über sein Debüt „Die Farm“. Zu seinem zweiten Streich würde dieser Satz ebenfalls gut passen – mal abgesehen davon, dass der Autor neuerdings (?) in Berlin lebt, unter der Flagge von Rowohlt segelt und sich auch der Schauplatz seines Romans im Vergleich zum letzten Mal deutlich vergrößert hat. Darüber hinaus konzentriert sich Max Annas jedoch auf die Stärken des Vorgängers, perfektioniert sie, und wagt sich in kleinen, bedachten Schritten sogar auf neues Terrain. Sprich: Er entwickelt seine Vision konsequent weiter. „Die Mauer“ nennt sich diese Ausweitung der Kampfzone, und der Name ist natürlich wieder Programm. Weiterlesen

Vorschau 2016: Teil 14

Pollock Die himmlische Tafel    McClure Steam Pig    Melo Trügerisches Licht    Jane Harper The Dry

Auf was man alles stößt, wenn man Neuheiten recherchiert… Anfang Oktober erscheint Nic Pizzolattos „Galveston“ in einer Reihe namens „Krimi-Noir“, die von Peter Graf im Verlag der Süddeutsche Zeitung herausgegeben wird. Da stellt sich doch die Frage, welche Titel folgen werden. Leider findet man diesbezüglich nichts, oder besser gesagt: leider finde ich diesbezüglich nichts. Falls ihr mehr wisst – ich bin dankbar für jeden Hinweis. Weiterlesen