Vorschau 2015: Teil 2

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Nachdem ich mich in Teil 1 der Vorschau noch eher den größeren Verlagen gewidmet habe, möchte ich heute mal einen Blick auf das Programm der kleinen Verlage werfen. Einerseits, weil immer mehr von ihnen ein eigenes Krimi-Sortiment haben, andererseits weil viele meiner Highlights von 2014 bei den „Literaturzwergen“ erschienen sind. Und natürlich, und das ist nicht zu vernachlässigen, um euch das Gefühl zu geben, diese Rubrik folgt irgendeiner Art von inneren Logik. Was natürlich Quatsch ist, ich hau einfach nur raus was  kommt.

 Alan Carter | Prime Cut

carter prime cut

© Nautilus

Das sagt der Verlag: Hopetoun, Westaustralien: In der Nickelabbau-Boomtown wird ein kopfloser menschlicher Torso ans Ufer geschwemmt. Gelegenheit für den in Ungnade gefallenen ehemaligen Vorzeigebullen Cato Kwong, sich zu beweisen. Der Polizist chinesischer Abstammung will weg von dem Posten, auf den er zwangsversetzt wurde. Nachdem der zum Torso gehörende Kopf gefunden wurde, weiß die Polizei zwar, dass der Tote ein Chinese ist, und ein Minenarbeiter gesteht den Mord an seinem Kollegen, doch das Geständnis scheint der Polizei erkauft. Steckt ein polizeibekannter Drogendealer hinter den Verbrechen? Gleichzeitig sucht der britische Ex-Detective Stuart Miller nach einem Mann, der vor 30 Jahren in England seine eigene Familie umgebracht hat und nun in Australien aufgetaucht zu sein scheint. Als es auch unter den Polizisten Tote gibt, muss Cato feststellen, dass er zwar den kriminellen Bodensatz der Stadt aufgewirbelt hat, aber der Lösung nicht näher gekommen ist.

Das sage ich: Ich habe zugegebenermaßen noch nie von diesem Autor, oder gar dieser Reihe gehört. Aber ich habe mich dieses Jahr riesig gefreut, dass der Nautilus Verlag jetzt auch in Krimis macht. Und der Auftakt, „Absolute Zero Cool“ von Declan Burke, war schon mal ein Volltreffer. Der hier klingt zwar konventioneller, aber das sagt ja erst einmal gar nichts aus. Die haben schon ein Näschen für besondere Bücher. Im Original gibt es übrigens schon drei Fälle mit Cato Kwong.

Erscheinungstermin: 25. Februar

William McIlvanney | Die Suche nach Tony Veitch

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© Kunstmann

Das sagt der Verlag: Laidlaws zweiter Fall! Eck Adamson, ein vagabundierender Trunkenbold, ruft Jack Laidlaw an sein Sterbebett. In seinen letzten kryptischen Worten entdeckt Laidlaw einen Hinweis auf den Mord an einem Gangster und das Verschwinden eines Studenten. Mit der ihm eigenen Dickköpfigkeit kämpft sich Laidlaw durch das Geflecht an Korruption und Gewalt, das Glasgow von ganz oben bis ganz unten durchzieht.

Das sage ich: Auch hier muss ich mit einem Geständnis beginnen: Der erste Fall, „Laidlaw“, hat noch nicht den Weg in mein Regal gefunden. Gut dass es jetzt einen Grund mehr gibt, ihn zu lesen. Aber, bei all den hymnischen Besprechungen und den überschwänglichen Äußerungen von Autorenkollegen, kann man denke ich getrost eine Empfehlung aussprechen. Als großer Vinyl-Liebhaber muss ich das Buch ja alleine wegen dem Cover schon kaufen. Wer sich mit dem Autor beschäftigen möchte, dem lege ich dessen Website ans Herz – Ein buntes Sammelsurium an Essays, Gedanken, Kommentaren und mehr.

Erscheinungstermin: 11. Februar

Harry Crews | Florida Forever

crews florida fever

© Metrolit

Das sagt der Verlag: „Florida Forever“ ist ein ätzender und, angesichts des rapiden Überalterungsprozesses der westlichen Gesellschaften, sehr weitsichtiger Roman über die wachsenden Gegensätze zwischen Alt und Jung. Angesiedelt in einem Pensionärs-Trailerpark in Florida schildert er die Versuche des kriegsversehrten Veteranen Stump, die Horde von Rentnern in Schach zu halten, die, angelockt vom ewigen Sonnenschein, nach Florida gekommen sind und nun darauf pochen, bei Laune gehalten zu werden. Der durch sinnentleerte Spielnachmittage nur mühsam gewahrte soziale Frieden wird durch die Ankunft einer jungen Entertainerin gestört, deren erotische Ausstrahlung bei den Rentnern längst vergessen geglaubte Begierden weckt, die ihnen zeigen, dass sie allen Ruhigstellungsversuchen zum Trotz noch am Leben sind.

Das sage ich: Wieder ein mir unbekannter Autor, aber ich vertraue Gunter Blank mittlerweile blind. Er ist der Herausgeber und Initiator der Noir-Reihe bei Walde + Graf/Metrolit, die mit „Galveston“ in diesem Jahr ihren Anfang nahm. Zusammen mit seiner Freundin übersetzt er alle Titel selbst, außerdem ist er der Übersetzer der Jim Thompson Neuauflage bei Heyne. Guter Mann also. Der Plot klingt sehr spannend, und Harry Crews weiß, wovon er da erzählt: Der Autor wuchs selbst in ärmlichen Verhältnissen auf. Umso besser. Also für uns Leser.

Erscheinungstermin: 9. März

Ricardo Piglia | Munk

piglia munk

© Wagenbach

Das sagt der Verlag: Während des bitterkalten nordamerikanischen Winters leitet Emilio Renzi an der elitären Taylor University ein Seminar über W. H. Hudson. Gefangen im skurrilen Elfenbeinturm der Universität, wo die Kollegen Intrigen schüren und der einbeinige Dekan Don D Amato einen Hai im Keller hält, lässt sich Renzi auf eine Affäre mit der brillanten Professorin Ida Brown ein. Doch dann ist Ida auf einmal tot und das FBI beginnt zu ermitteln. Ist Ida Brown Opfer eines Serienkillers geworden? Hatte sie Kontakt zu einer terroristischen Zelle? Und wieso ist es bei der Jagd auf Massenmörder hilfreich, James Joyce gelesen zu haben? Renzi findet nach dem Tod seiner Geliebten keine Ruhe und geht den überforderten Agenten zur Hand: Bald schon eröffnen sich vor ihm die paranoiden Abgründe der US- amerikanischen Gesellschaft.

Das sage ich: Das klingt mehr als schräg und dürfte daher genau mein Ding sein. Piglia wird schon länger bei Wagenbach verlegt, in Argentinien wird er bereits als moderner Klassiker gehandelt, aber mir war bisher nicht klar, dass er auch Krimis geschrieben hat. Falls man dieses Buch so einfach einordnen kann. Und egal, ob ihr in nächster Zeit einen Serienkiller fassen müsst, oder nicht: Es ist wirklich nie verkehrt, James Joyce gelesen zu haben. Auch wenn der keine Krimis geschrieben hat. Oder doch?

Erscheinungstermin: 3. März

So, damit wäre der zweite Teil meiner Vorschau schon zu Ende. Was haben wir gelernt? Richtig: Kleine Verlage liefern oft die umfassenderen Inhaltsangaben.  Ich freue mich jedenfalls immer mehr auf 2015, mein Geldbeutel weint sich derweil in meiner Jackentasche leise in den Schlaf, während mein Bankkonto mir einen Erpresserbrief schreibt. Mit ausgeschnittenen Buchstaben von Kontoauszügen. Forderung: Ich soll doch bitte Leseexemplare anfordern und weniger selbst kaufen. Aber… die kleinen Verlage! War sonst noch was? Ja, richtig: Die Zwerge haben eindeutig die schöneren Cover. Oder was meint ihr?

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