Vorschau 2015: Teil 3

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Wenn es einen Trend in den letzten Jahren gab, dann den, Klassiker neu zu entdecken. Vor allem der amerikanische Krimi erfreute sich bei den Verlagen großer Beliebtheit: Der Alexander Verlag hat Ross Thomas, Kunstmann hat George V. Higgins, Diogenes hat Ross Macdonald, und da man diese Liste noch lange weiterführen könnte, höre ich hier auf. Ich möchte ja auch nicht die kommenden Titel vorwegnehmen. So viel sei aber verraten: Es kommt wieder ein Ross Thomas („Der Messingdeal“, erster Band einer neuen Reihe), ein Ross Macdonald, („Dornröschen“), aber kein Higgins. Dafür gibt es andere Größen der amerikanischen Literatur zu entdecken:

Charles Willeford | Miami Blues

wileford miami blues

© Alexander Verlag

Das sagt der Verlag: Frederick J. Frenger jun., gerade aus dem Knast entlassen, fliegt in Miami ein. Dort befördert er einen Hare Krishna ins Jenseits und lernt dessen Schwester Susan kennen, mit der er eine platonische Ehe der besonderen Art führt. Hoke Moseley vom Miami Police Department ist diese Beziehung und vor allem Freddy selbst nicht ganz geheuer. Es kommt zu einem Showdown zwischen dem unbekümmerten Psychopathen und dem hartnäckigen Cop.

Das sage ich: Also verstehen muss man das nicht. Der Alexander Verlag legt die vier Hokey Moseley Romane wieder auf, die er bereits vor ein paar Jahren schon einmal herausgegeben hat. „Durchgesehene Neuausgabe“ nennt sich das dann. Aber was beschwere ich mich, ich werde die Chance nutzen, und mir die halbjährlich erscheinenden Bände zulegen. Willeford ist nämlich  ein fantastischer Autor, der beispielsweise einen Quentin Tarantino maßgeblich beeinflusst hat. Wer sich vorab einen Eindruck von dem Cop mit dem schlecht sitzenden Gebiss verschaffen möchte, der sollte sich die gelungene Verfilmung aus dem Jahr 1990 ansehen – mit Fred Ward, Alec Baldwin und Jennifer Jason Leigh.

Erscheinungsdatum: März

Jim Thompson | Südlich vom Himmel

Thompson Südlich vom Himmel

© Heyne

Das sagt der Verlag: Südlich vom Himmel: Für die einen ist das die Hölle, für andere die harten Ölbohrarbeiten unter der Sonne von Texas. So eine Geschichte erzählt der junge Tommy Burwell, der bei einer Ölgesellschaft anheuert. Für Tommy beginnt eine harsche Zeit, denn sein alter Kumpel Four Trey Whitey setzt ihn für Sprengarbeiten ein. In diesem von hemmungsloser Gewalt geprägten Milieu muss Tommy sich seinen Platz erkämpfen. Er lebt ein Leben in Blut, Schweiß und Tränen. Als die Brüder seiner Freundin Carol planen, die Lohnkasse zu rauben, wird es eng für Tommy …

Das sage ich: So überraschend ist das ja nicht, dass ein neuer Jim Thompson erscheint (diesmal übersetzt von Peter Torberg). Wobei, bisher kamen die ja eher im Jahresrhythmus. Trotzdem, mir liegt diese Neuausgabe sehr am Herzen, da ich Thompson für einen der größten Krimischriftsteller überhaupt halte. Wo andere Autoren einen gut unterhalten, dringt der „Dime Store Dostojewski“ viel weiter in die menschliche Psyche vor und foltert seine Leser teilweise regelrecht. Man erholt sich nicht so leicht davon, aber das ist es wert. Schnappt euch doch einfach mal „Die Verdammten“, das vor ein paar Tagen erschienen ist. In meiner Debut-Radiosendung am 25. Januar wird es übrigens ein Porträt zu diesem unterschätzten Autor geben. Nicht verpassen!

Erscheinungsdatum: 15. Juni

James Ellroy | Perfidia

ellroy perfidia

© Ullstein

Das sagt der Verlag:  Es ist der Vorabend des Angriffs der Japaner auf Pearl Harbor. Amerika steht kurz vor dem Kriegseintritt. In Los Angeles wird eine japanische Familie tot aufgefunden. Handelt es sich um Mord oder rituellen Selbstmord? Die Ermittlungen bringen vier Menschen zusammen: Einen brillanten Forensiker, japanisch-amerikanischer Abstammung, eine junge Frau, von einer unbändigen Abenteuerlust getrieben, einen Polizisten, den es wirklich gab: William H. „Whiskey Bill“ Parker, später Chef des LAPD, und einen, der ein Produkt von Ellroys unnachahmlicher Phantasie ist: Dudley Smith, die perfide Verkörperung des Bösen.

Das sage ich: 960 Seiten. Ich werde mir Urlaub dafür nehmen müssen. Denn James Ellroy ist einer der spannendsten amerikanischen Autoren, ein unnachahmlicher Chronist und Beobachter, der es meisterhaft versteht, die Fäden der amerikanischen Geschichte zu einem Porträt der Gegenwart zu verweben. „Perfidia“ ist der Auftakt des zweiten L.A. Quartetts und wird in den USA bereits hymnisch besprochen. Eine epochale Geschichte, die sich, wie eigentlich alles, was Ellroy schreibt, nur schwer in das Genre-Korsett pressen lässt. Logisch, sie passt ja schon kaum zwischen zwei Buchdeckel.

Erscheinungstermin: 27. Februar

James Lee Burke | Sturm über New Orleans

burke sturm new orleans

© Pendragon

Das sagt der Verlag: Hurrikan Katrina trifft New Orleans mit voller Wucht und katapultiert die stolze Stadt des Südens zurück ins Mittelalter. Die Stadt ist überflutet, Leichen schwimmen umher und die Menschen versuchen ihr Hab und Gut zu retten. Die Einwohner werden evakuiert, die Häuser sind verlassen, der Strom ist weg und keine Spur mehr von Recht und Ordnung. Ein tiefer Graben des Misstrauens trennt die weiße und die schwarze Bevölkerung und die Hilfe der Behörden lässt auf sich warten. Ein tödlicher Nähr­boden für das Verbrechen. Auch Detective Dave Robicheaux ist fassungslos. Inmitten dieses apokalyptischen Szenarios soll er zwei Vergewaltiger, einen drogenabhängigen Priester und den Initiator einer Bürgerwehr finden, der viel gefährlicher ist als die Verbrecher, die damit beschäftigt sind, die Stadt zu plündern.

Das sage ich: Nachdem ich jetzt fast fertig bin mit dem großartigen „Regengötter“, komme ich wohl kaum um diesen Roman herum. Der Pendragon Verlag nutzt die Gunst der Stunde, und wird wohl einige Exemplare dieses Krimis im Zuge des momentanen Hypes absetzen können. „Sturm über New Orleans“ verspricht wieder unvergessliche Figuren in einer düsteren Landschaft und jede Menge Spannung. Burke, der bekannt ist für seine New Orleans Krimis um Dave Robicheaux, wird mich ziemlich sicher nicht enttäuschen.

Erscheinungsdatum: März

Man könnte jetzt natürlich sagen: Das ist ja langweilig, das sind ja Autoren, bei denen man vorher schon weiß, dass die Bücher gut sind. Das mag schon sein, aber ich kann aus Erfahrung sagen, dass selbst die sogenannten „Klassiker“ es nicht so einfach haben, Publikum zu finden. Und ein Buch, dass man nicht kennt, ist ein Buch, dass neu für einen ist, da mag es noch so alt sein. Außerdem gibt es ja noch Teil 4, 5 und 6 meiner Vorschau auf das Jahr 2015. Dort gibt es wieder viele neue Autoren zu entdecken – versprochen.

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2 Gedanken zu “Vorschau 2015: Teil 3

  1. Pingback: Vorschau 2015 | Teil 6 | Der Schneemann

  2. Pingback: Vorschau 2016: Teil 7 | Der Schneemann

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