Vorschau 2015: Teil 6

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Man soll ja fremde Menschen nicht einfach so an seinen Laptop lassen. Denn dann kann es schon mal passieren, dass plötzlich alle Tabs geschlossen werden. So nach dem Motto: Der letzte macht das Internet zu. Aber keine Angst, in mühevoller Verlaufs-Recherche konnte ich den sechsten Teil der Jahresvorschau 2015 retten. Und wenn ich in meiner neuen Wohnung dann endlich Internet habe, kommt auch öfter mal wieder ein Beitrag. Versprochen.

Gianrico Carofiglio | Am Abgrund aller Dinge

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© Goldmann

Das sagt der Verlag: In der Umgebung von Bari wird ein Mann namens Salvatore bei einem Bankraub erschossen. Als Enrico Vallesi davon in der Zeitung liest, kommen lange verdrängte Erinnerungen an seine Kindheit hoch. Er war ein verschlossener Jugendlicher, der mit sechzehn Jahren beschloss, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren. Salvatore, ein älterer Mitschüler, bot ihm damals an, mit ihm zu trainieren. In einer Wohnung fand die geheime Ausbildung zum Schläger statt, die äußerst brutal verlief. Enrico führte eine Art Doppelleben: zu Hause der angepasste Schüler, bei Salvatore der hartgesottene Kämpfer. Während seiner Spurensuche in der Vergangenheit merkt Enrico, dass die Stunde der Wahrheit gekommen ist und er endlich Frieden finden muss.

Das sage ich: Ein interessanter Plot. Hier scheint es weniger um ein Verbrechen an sich, als vielmehr um die Folgen eines Verbrechens für einen Unbeteiligten zu gehen, der irgendwie mit dem Kriminellen in Verbindung steht. Caorfiglio machte sich in Italien vor allem als Staatsanwalt einen Namen, der der Mafia gehörig auf die Pelle rückte, und das so erfolgreich, dass er sogar das italienische Parlament beraten durfte. Ich erhoffe mir also einen Krimi von einem Fachmann, der das Milieu, das er beschreibt, nicht nur vom Hörensagen kennt. Außerdem sehe ich Parallelen zu Karim Miské. Ich bin gespannt.

Erscheinungstermin: 20. April

Britta Bolt | Das Büro der einsamen Toten

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© Hoffmann und Campe

Das sagt der Verlag: Er ist kein Polizist, kein Privatdetektiv – und trotzdem dreht sich in seinem Leben alles um den Tod. Im „Büro der einsamen Toten“ bei der Stadt Amsterdam kümmert sich Pieter Posthumus um die einsamen Toten – Menschen ohne Angehörige, Menschen, die keiner vermisst – und richtet ihnen ein würdiges Begräbnis aus, mit Musik und Gedichten. Bei seinen Recherchen stößt er auf so manche Ungereimtheit. In der Prinsengracht ist die Leiche eines jungen Mannes gefunden worden. Die Umstände seines Todes sind mysteriös. Posthumus nimmt auf eigene Faust die Ermittlungen auf und gerät in ein Netz von Intrigen …

Das sage ich: Da lehne ich mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass das nach einem ungewöhnlichen Ermittler klingt. Sara Gran hat ja gezeigt, dass man damit durchaus auch Erfolg haben kann, mal schauen, was der Mann mit dem etwas albernen Namen so kann. Britta Bolt sind übrigens ein Autorenduo: Ein südafrikanischer Autor und Reisejournalist, der bereits mehrere Biographien geschrieben hat, und eine in Freiburg geborene Anwältin, die durch ihre Haltung zur Anti-Terror-Gesetzgebung berühmt wurde und heute an der Universität lehrt. Beide wohnen momentan im Amsterdam. Das klingt insgesamt also alles andere als langweilig.

Erscheinungstermin: 11. März

Richard Stark | The Hunter

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© Zsolnay

Das sagt der Verlag: Parker – ohne Vorname, ohne Biographie – ist ein Einzelgänger, professionell bis zur Perfektion – als Verbrecher. Doch vor zehn Monaten wurde er bei einem Waffendeal von seiner eigenen Frau verraten, die mit Mal Resnick, einem Großmaul aus dem Verbrechersyndikat, gemeinsame Sache machte. Jetzt ist Parker zurück in der Stadt, ein einsamer Jäger, der nach allen Regeln der Kunst Rache nimmt.

Das sage ich: Ich hatte den Hang zur Wiederveröffentlichung von Klassikern ja bereits angesprochen. Nun mischt also auch der Zsolnay Verlag mit. Richard Stark ist übrigens nur ein Pseudonym von Donald E. Westlake, dem Autor unzähliger Kriminalromane. Die Parker-Reihe gehört zu den Meilensteinen des Hardboiled-Genres, und man kann nur hoffen, dass dieser Band erst der Startschuss für eine komplette Neuauflage ist. Aber das hängt wahrscheinlich wie immer vom Verkaufserfolg hab. Wer weder die Originalausgabe lesen noch warten möchte, und auch keine alte Ausgabe von „The Hunter“ im Schrank hat, der kann sich solange mit der Verfilmung aus den 70ern begnügen. Aber ist ja gar nicht mehr so lange hin.

Erscheinungstermin: 2. Februar

Sam Millar | True Crime

millar true crime

© Atrium

Das sagt der Verlag: Sam Millar hat einen außergewöhnlichen, preisgekrönten Thriller geschrieben, in dem nichts erfunden ist. Schonungslos offen erzählt Millar von einer Jugend auf den Straßen von Belfast, die früh ins Gefängnis führt; vom jahrelangen Kampf um die eigene Würde – und von einem Verbrechen, mit dem er Geschichte schrieb. Diese Geschichte beginnt im Norden Belfasts: Dort wird 1955 Sam Millar geboren, der Vater Protestant, die Mutter Katholikin. Der Riss, der ganz Irland teilt, geht mitten durch Sams Familie. Sam geht früh von der Schule ab und arbeitet in einem Schlachthof. Als Teenager schließt er sich der IRA an, bis er eines Nachts von der Polizei aus seinem Bett gerissen wird. Es folgen Jahre im härtesten Knast Europas. Nach seiner Entlassung geht Sam Millar nach New York, wo er einen Comicladen eröffnet, sich in Spielkasinos herumtreibt und schließlich einen verwegenen Plan ersinnt: den Überfall auf das Gelddepot der Firma Brink’s, mit dem Sam Millar Kriminalgeschichte schreibt.

Das sage ich: „Das eigentlich Interessante steht hier und ist genau zwölf Zeilen lang“, lässt Klaus Pohl in dem Roman „Die Kinder der preußischen Wüste“ einen New Yorker Literaturagenten zu der an Thomas Brasch angelehnten Hauptfigur sagen. Gemeint ist mit den zwölf Zeilen die Kurzbiographie des Autors. Ähnliches dachte ich im November, als ich mich, als Vorbereitung auf meine Irland-Sendung im Februar, erstmals mit Sam Millar beschäftigte. Entsprechend erfreut bin ich, dass ich nun mehr über diesen außergewöhnlichen Autor erfahren darf. Nicht mehr nur indirekt durch seiner Kriminalromane.

Erscheinungstermin: 20. Januar

So, jetzt ist es doch beinahe geschafft. 2015 schreitet ja auch schon unaufhaltsam vorwärts. Krimis habe ich mir dieses Jahr aber noch keine gekauft, vielleicht wird Sam Millar ja der erste. Dafür bin ich schon ganz begeistert von meinem Thomas Raab-Leseexemplar. Da kommt ein Highlight auf euch zu. Mehr dazu in der Sendung vom 25. Januar. Und ihr so? Schon was entdeckt im neuen Jahr?

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4 Gedanken zu “Vorschau 2015: Teil 6

  1. Pingback: Midlife-Crisis am Mittelmeer | Der Schneemann

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