Vorschau 2015: Teil 7

kersh toten schauen zu    longo fall bramard    ngugi black star nairobi     gray kanaken blues

Alle guten Dinge haben irgendwann ein Ende. Jahre zum Beispiel. Und Jahresvorschauen auch. Es fällt mir bei der Flut an interessanten Neuerscheinungen sehr schwer, mit Teil 7 schon aufzuhören, aber langsam sollte ich mich wieder anderen Dingen zuwenden. Wie dem Lesen zum Beispiel. Mein neuer Bücherschrank bietet auf jeden Fall reichlich Platz, vielleicht auch für die folgenden Bücher:

Gerald Kersh | Die Toten schauen zu

kersh toten schauen zu

© Pulp Master

Das sagt der Verlag: Als in der von deutschen Truppen besetzten Tschechei der SS-Obergruppenführer und General der Polizei von Bertsch von einem vorbeifahrenden Motorradfahrer niedergeschossen wird, setzt das Dritte Reich 800.000 Reichsmark Belohnung für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen. Als in der Nähe des kleinen Dorfes Dudicka ein verlassenes Motorrad am Uferrand geborgen wird, entsendet die Gestapo den berüchtigten SS-Offizier Heinz Horner, um eine Untersuchung einzuleiten und die Dorfbewohner Horners Repressalien auszusetzen.

Das sage ich: Pulp Master habe ich seit „Dirty Old Town“ quasi abonniert, denn wer sonst hat derart schnörkellose Pulp-Literatur in derart ansprechendem Design? Ich würde behaupten: Keiner. Und dann auch noch mit Nazis! Da muss ich gleich an „Inglorious Basterds“ denken. „Die Toten schauen zu“ gilt wohl heute als Historien-Pulp, erschien aber tatsächlich schon 1943. Sonst mache ich eigentlich einen Bogen um historische Kriminalromane, in diesem Fall mache ich aber ganz sicher eine Ausnahme.

Erscheinungstermin: 6. Februar

Davide Longo | Der Fall Bramard

longo fall bramard

© Rowohlt

Das sagt der Verlag: Corso Bramard lebt in einem Dorf am schönsten Wanderweg der Alpen, der GTA, „Grande Traversata delle Alpi“. Doch unaufgeklärte Verbrechen lasten auf den Bewohnern. Bramard, ein schweigsamer charismatischer Kauz, war als Kommissar einem Frauenmörder auf der Spur. Kurz vor der Aufdeckung jedoch wurde seine eigene Frau zum Opfer, seine Tochter verschwand. Zwanzig Jahre später meldet sich der Mörder mit einem anonymen Brief und einem Zitat aus dem Song „Story of Isaac“ von Leonard Cohen bei ihm wieder. Bramard, der inzwischen Lehrer geworden ist und eine zarte Liebesbeziehung zu der in der Dorfbar arbeitenden Rumänin Elena unterhält, nimmt die Herausforderung an. Er begibt sich auf die Suche nach dem Mann, der sein Leben beinahe zerstörte, setzt die einzelnen Erinnerungen der Talbewohner an die letzten zwei Jahrzehnte akribisch zusammen, bis es zu einer in jeder Hinsicht überraschenden Begegnung kommt.

Das sage ich: „Der Fall Bramard“ knüpft an Longos Debüt „Der Steingänger“ an, das ich persönlich nicht gelesen habe. Trotzdem macht mich dieser Krimi neugierig. Das mag an Leonard Cohen liegen, an dem Versprechen eines literarisch dichten Werkes oder einfach nur an der Erleichterung, dass es hier nicht nur um die schöne Landschaft gehen wird. Außerdem interessieren mich Geschichten über Ex-Cops einfach meistens. Ganz besonders dann, wenn es persönlich wird.

Erscheinungstermin: 24. April

Mukoma wa Ngugi | Black Star Nairobi

ngugi black star nairobi

© Transit

Das sagt der Verlag: Im Dezember 2007 – in Kenia findet gerade ein von Gewalttaten begleiteter Wahlkampf statt, in den USA erklärt (der Halbkenianer) Barack Obama seine Präsidentschaftskandidatur – untersuchen Ishmael und O, zwei Detectives, den Mord an einem großen, schwarzen Mann im berüchtigten Ngong-Wald, außerhalb Nairobis. Als sie nach Nairobi zurückkommen, explodiert in einem berühmten, von politisch einflussreichen Kenianern und reichen Ausländern frequentierten Hotel eine Bombe. Weil viele Amerikaner unter den Opfern sind, ermittelt auch die CIA, die al Qaida oder somalische Islamisten hinter dem Terroranschlag vermutet. Die beiden Detectives stoßen auf eine Verbindung zwischen ihrem Mordfall und dem Anschlag und entdecken bei einer heftigen, aufregenden Jagd durch Kenia, durch Mexiko, die USA und Kanada einen politisch brisanten Hintergrund: eine international operierende Geheimorganisation von hohen politischen Beamten und Managern, die das Ziel verfolgt, die sich immer weiter zuspitzende afrikanische Misere (Gewalt, Korruption, Armut und Stammesfehden) durch gezielte Morde an führenden afrikanischen Politikern zu bekämpfen. In Kenia soll das erste Exempel statuiert werden. Die beiden Detektive müssen sich entscheiden, ob sie Terror im Namen des Guten decken oder bekämpfen sollen…

Das sage ich: „Nairobi Heat“ ist mir 2014 durch die Lappen gegangen, hier werde ich wohl zuschlagen. Ein spannendes, fast zynisches Szenario breitet sich hier vor dem Leser aus, und ich kann es kaum erwarten, mich dem zu stellen. Während sich viele Leser in die beschaulichen Gefilde italienischer und französischer Urlaubsregionen flüchten, um Mordfällen nachzugehen, die eigentlich nur Beiwerk sind, geht es hier um einen Kontinent, den man sonst lieber aus der Ferne mit kleinen Ablass-Spenden bedenkt. Und vielleicht ist das ja am Ende gar nicht so fiktiv, wie man meinen könnte?

Erscheinungstermin: 25. Februar

David Gray | Kanakenblues

gray kanaken blues

© Pendragon

Das sagt der Verlag: Der Hamburger Kommissar Boyle ist der Sohn eines Afroameri­kaners und sein bester Freund ist ein stadtbekannter Ganove. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen Kommissar bei der Kripo. Zumal er sich auf einen illegalen Deal mit dem »Jugo-Paten« Premuda eingelassen hat, der ihn mit Beweismaterial versorgte, um korrupte Polizeibeamte in den Knast zu schicken. Boyle sitzt gewaltig in der Klemme und zu allem Überfluss nimmt das Morden in dieser Nacht kein Ende. Scheinbar wahllos werden junge Männer umgebracht. Bald fahndet die Polizei nach Younas Aris, einem bislang unauffälligen Familienvater, und es beginnt eine gnadenlose Hexenjagd auf den »Kanakenmörder«.

Das sage ich: „Pulp! Noir!“, denke ich da gleich. Und auch noch aus Deutschland! Hamburg als kultureller Schmelztiegel bietet sich bestens an, um etwas soziale Realität in die hiesige Krimilandschaft einzuimpfen. Denn das, und da lasse ich mich nur zu gerne eines Besseren belehren, wird leider in letzter Zeit sträflich vernachlässigt. Deutschland besteht nämlich nicht nur aus bärbeißigen Bergbewohnern. Ob ich da vielleicht zu hohe Erwartungen hege wird sich zeigen, ich kenne den Autor bisher jedenfalls überhaupt nicht und bin gespannt, was der so kann. Pendragon kann man im Normalfall schon vertrauen.

Erscheinungstermin: März

So, was vergessen? Liebeskind bringt einen neuen Pete Dexter, Suhrkamp legt großzügig Don Winslow auf (vielleicht als Wiedergutmachung?) und vielleicht kommt tatsächlich die Fortsetzung zu „Tage der Toten“. Ansonsten werden auch in diesem Jahr hoffentlich wieder viele Überraschungen dabei sein. Denn seien wir mal ehrlich: Oft sind die besten Bücher die, mit denen man gar nicht gerechnet hat. Siehe meine Jahres-Bestenliste 2014. Die auch bald kommt. Ehrlich.

Advertisements

Diesen Artikel kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s