Der Unsichtbare

ulf miehe1940 wird  Ulf Miehe in Wusterhausen/Brandenburg geboren. Er verbringt seine Kindheit und Jugend in Berlin und zieht später nach Bielefeld, um dort eine Ausbildung zum Buchhändler zu machen. Nachdem er seine Lehre beendet hat, wird Miehe Lektor beim frisch gegründeten Sigbert Mohn Verlag, einem Imprint von Bertelsmann für schöngeistige Literatur.

Im Jahr 1962 macht Ulf Miehe erstmals als Schriftsteller auf sich aufmerksam. Zusammen mit seiner damaligen Freundin Gertrud Höhler veröffentlicht er einen Gedichtband im Eigenverlag. 1966 legt er mit „In diesem lauten Lande“ eine Sammlung seiner eigenen Gedichte nach. Zu dieser Zeit arbeitet Miehe schon nicht mehr im Verlag und schlägt sich als freier Autor, Regieassistent, Synchronsprecher und Übersetzer durch. Unter dem Pseudonym Robert Artner verfasst er zusammen mit Clark Dalton drei Science Fiction Romane innerhalb von zwei Jahren. 1968 erscheint sein Erzählband „Die Zeit in W und anderswo“. Der große Erfolg bleibt aber aus.

1969 zieht Ulf Miehe nach München um, wo er sich als Drehbuchautor für verschiedene Produktionen im Bereich Kino und Fernsehen versucht. Neben dem Film gilt seine Leidenschaft vor allem dem Kriminalroman, und so ist es nur konsequent, dass ihm 1973 mit seinem Krimidebüt „Ich hab noch einen Toten in Berlin“ der Durchbruch als Schriftsteller gelingt. Das Buch wird von der Presse gefeiert und noch im gleichen Jahr mit dem Literaturförderungspreis des Landes Bayern ausgezeichnet. Miehes Roman wird in zehn Sprachen übersetzt und ein Jahr nach Erscheinen unter dem Titel „Output“ verfilmt.

Ulf Miehe beschäftigt sich daraufhin wieder stärker mit dem Medium Film, wobei ihm das Schreiben von Drehbüchern nicht mehr genügt. 1975 debütiert er als Regisseur mit „John Glücksstadt“, einer Verfilmung von Theodor Storms Erzählung „Ein Doppelgänger“. Er erhält dafür den Bundesfilmpreis für Nachwuchsregie und auch an den Kinokassen ist sein ambitioniertes Werk ein Erfolg. „John Glücksstadt“ stellt den Höhepunkt seines Filmschaffens dar. Miehe konnte an diesen Erfolg nie wieder anknüpfen, auch wenn er weiterhin an Filmen arbeitete und für bekannte Fernsehserien wie „Der Fahnder“ und „Tatort“ Drehbücher verfasste.

1976 erschien Ulf Miehes zweiter Krimi, „Puma“, im Piper Verlag. Die Geschichte über einen Gangster aus dem Elsass wurde noch erfolgreicher als sein Erstling und auch hier gab es direkt Pläne für eine Verfilmung. Die Entführung von Hanns Martin Schleyer machte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Die Verantwortlichen hatten Angst, ein Film über eine Entführung und die Erpressung eines Großindustriellen würde zu viele Parallelen zu dem tragischen Ereignis aufweisen. Das Projekt wurde eingestellt und nicht weiter verfolgt.

1984 erschien mit „Lilli Berlin“ der letzte Roman von Ulf Miehe. Die Geschichte spielt sich innerhalb weniger Tage in der durch die Mauer geteilten Stadt ab und ist ein Paradebeispiel für Miehes schnörkellose Erzählkunst. Den Fall der Mauer sollte er nicht mehr miterleben, denn am 13. Juli 1989 stirbt Ulf Miehe mit gerade mal 49 Jahren an den Folgen einer Gehirnblutung. Er lebte bis zu seinem Tod mit seiner Frau Angelika in München. In unregelmäßigen Abständen erschienen seine Werke bis heute immer wieder neu, denn eines ist sicher: Krimiautoren von seinem Format sind so selten, dass wir gut daran tun, die Erinnerung an sie zu bewahren.

Ulf Miehe wäre heute 75 Jahre alt geworden. „Der Unsichtbare“ bezieht sich auf den Film, an dem er noch bis zu seinem Tod gearbeitet hatte. Aktuell sind seine Romane „Puma“ (Dumont) und „Lilli Berlin“ (Rotbuch) im Handel erhältlich. Dieses Porträt ist Teil der Sendung vom 17. Mai. 

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3 Gedanken zu “Der Unsichtbare

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