Vorschau 2015: Teil 10

Newton Götter Bankstown    Jackman Winter Family    Nakamura Dieb    Glenny König der Favelas

Täglich treffen neue Titel ein. Auffällig ist, dass immer mehr Verlage fast ausschließlich auf altgediente Autorinnen und Autoren setzen, deren Bücher Erfolg garantieren. Schön für uns Krimileser, die wir auf das nächste Buch unserer Lieblinge harren, aber auch irgendwie langweilig. Grund genug, sich mal die Namen genauer anzuschauen, von denen ich bis dato noch nie etwas gehört habe. Gar nicht so einfach, da vier zusammenzubekommen.

P. M. Newton | Die Götter von Bankstown

Newton Götter Bankstown

© Metrolit

Das sagt der Verlag: Sydney, 1992. Bis vor Kurzem war die New South Wales Police vor allem eines: käuflich. Doch nachdem ihr berüchtigter Chef Roger Rogerson ins Visier der Anti- Korruptionsbehörde gerät, sind die alten Methoden plötzlich tabu. Und Nhu »Ned« Kelly, eine junge Kommissarin, versucht sich in den neuen Strukturen ihren Platz zu erkämpfen. Als Frau vietnamesischer Herkunft ist Ned immer noch eine Außenseiterin in der Truppe. Doch Sydney verändert sich, es wächst und wird moderner, und das bleibt auch bei der Polizei nicht ohne Folgen. Als zwei Leichen im Fundament eines alten Gebäudes gefunden werden, saugt die Vergangenheit der Stadt Ned auf: Alte Rivalitäten, alte Geheimnisse und alte Fehler kommen zum Vorschein. Beim Versuch die Identität der Leichen festzustellen – und die Identität dessen, der sie dort hinterlassen hat – stößt Ned auf Geheimnisse, die nicht nur den verfaulten Kern des Polizeiapparates zu entblößen drohen, sondern auch die dunklen Rätsel ihrer eigenen Familie.

Das sage ich: Mein Vertrauen in die Krimireihe Walde+Graf bei Metrolit stützt sich auf zwei große Säulen. Auf das Gespür des Paares Salitter/Blank und auf deren Entdeckung von Nic Pizzolatto, lange vor dem großen True Detective Hype. Ob der Nachfolgeband der Reihe („Florida Forever“ von Harry Crews) auch so viel taugt, werde ich demnächst herausfinden. Hier überzeugt mich vor allem, dass die Autorin selbst über zehn Jahre bei der South Wales Police gearbeitet hat, was schon mal für eine authentische Darstellung spricht. Außerdem mag ich Geschichten über korrupte Polizisten einfach.

Erscheinungsdatum: 12. Oktober

Clifford Jackman | Winter Family

Jackman Winter Family

© Heyne

Das sagt der Verlag: Georgia 1884: Amerika blutet im Bürgerkrieg. Sergeant Quentin Ross schart eine Gruppe hemmungsloser Gewalttäter um sich. Unter ihnen ist einer, der selbst Ross Angst macht: Der unscheinbare Farmerjunge Augustas Winter entpuppt sich als monolithischer Todesengel und wird zum neuen Anführer der Bande, die fortan unter dem Namen Winter Family eine blutige Spur durch Amerika zieht. Zunächst als Söldnergarde angeheuert, wird die Winter Family nach dem Bürgerkrieg von gewissenlosen Politikern für deren eigene Zwecke eingesetzt. Doch niemand kann die Winter Family kontrollieren …

Das sage ich: Die Renaissance des Western schreitet unaufhaltsam voran. „Winter Family“ ist das Debüt eines Mittdreißigers, der es selbst als „apokalyptischen Western beschreibt. Laut Verlag ist Jackman großer Fan von Cormac McCarthy und Stephen King, was ja nicht die schlechteste Kombination ist. Ungewöhnlicher Plot, ungewöhnliches Setting, ich werde reinlesen. Bleibt zu hoffen, dass es sich nicht nur um eine stumpfe Gewaltorgie handelt. Und ja, es kommt natürlich erst im Winter.

Erscheinungsdatum: 11. Januar 2016

Fuminori Nakamura | Der Dieb

Nakamura Dieb

© Diogenes

Das sagt der Verlag: Er betreibt sein Metier in den belebten Straßen Tokios und den überfüllten Wagen der U-Bahn. Er stiehlt mit kunstvollen, fließenden Bewegungen. Er nimmt nur von den Reichen, Geld bedeutet ihm nichts. Er hat eine dunkle Vergangenheit, und diese holt ihn wieder ein. Die Beziehung zu einem kleinen Jungen, der ihn sich als Vaterfigur ausgesucht hat, macht ihn dabei verletzlich. Ein grandioser Thriller und eine dunkle, abgründige Geschichte über Schicksal und Einsamkeit, schnörkellos und atemberaubend erzählt.

Das sage ich: Klingt ein bisschen wie „Léon – der Profi“ von Luc Besson und katapultiert sich damit ganz nach oben auf meiner Wunschliste. Nakamura ist einer der bekanntesten japanischen Autoren, seine Bücher gewinnen regelmäßig Preise (auch im Ausland) und allein die Tatsache, dass ein japanischer Krimi bei Diogenes erscheint lässt schon aufhorchen. Die haben immerhin Hochkaräter wie Dennis Lehane unter ihren Fittichen. Ich bin gespannt.

Erscheinungsdatum: 23. September

Misha Glenny | Der König der Favelas

Glenny König der Favelas

© Tropen/Klett-Cotta

Das sagst der Verlag: Weitläufig und unkontrollierbar sind die Wege der Korruption, weitläufig und unkontrollierbar auch die Favelas von Rio. Genau hier entfaltet sich die tragische Lebensgeschichte eines der berüchtigtsten Drogenbosse des Landes. Im Grunde widerwillig, aber doch auch zielstrebig steigt Nem durch Organisationstalent und Loyalität in der Hierarchie auf, bis er schließlich selbst das Ruder übernimmt und sich an die Spitze einer der größten Verbrecherorganisationen Brasiliens setzt, der Amigos dos Amigos.

Das sage ich: True Crime! Der Journalist Misha Glenny erzählt hier die Geschichte des brasilianischen Drogenbosses Antonio Francisco Bonfim Lopes, der momentan für seine Taten im Gefängnis sitzt. Sein Buch ist das Ergebnis einer langwierigen Recherchearbeit und erzählt (leider erst lange nach der Fußball WM) von den sozialen Missständen Brasiliens. Ich bin gespannt, in welcher Form Glenny diese Geschichte erzählt, werde das Buch aber auf jeden Fall im Auge behalten.

Erscheinungsdatum: 23. Januar 2016

Da haben wir gerade mal Mai und ich rede schon über Bücher, die im Januar erscheinen. Wer sich schon so früh im Jahr Gedanken über derlei Dinge macht, der kann auch gleich Weihnachten planen. Ein hübsches Geschenk wären mit Sicherheit die Ripley-Romane von Patricia Highsmith im Schuber, die pünktlich im November erscheinen. Oder, falls meine Verwandtschaft hier mitliest, die Isaac-Sidel-Romane von Jerome Charyn, die irgendwann bei Penser Pulp im Schuber erscheinen sollen. Wenn ihr Thomas Wörtche über den Weg laufen solltet, fragt ihn doch mal danach.

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