Vorschau 2015: Teil 12

 Ani Der namenlose Tag    Sternbergh Feindesland    Waite Keine Zeit für Gnade    Strunk Der goldene Handschuh

Gute deutschsprachige Krimis sind ja so eine Sache. In den Jahresvorschauen finden sich meistens nur eine handvoll, die meinem Geschmack entsprechen. Trotzdem entdecken auch kritische Leser wie ich ab und zu Vielversprechendes. Zwei der vier Krimis, die ich euch heute vorstellen möchte, kommen aus Deutschland. Mehr konnte ich bei meiner Vorschauen-Odyssee bisher nicht entdecken, aber ich habe ja hier eine kundige Community, die mir bestimmt noch den ein oder anderen Roman empfehlen kann.

Friedrich Ani | Der namenlose Tag

Ani Der namenlose Tag

© Suhrkamp

Das sagt der Verlag: Kriminalhauptkommissar Jakob Franck ist seit zwei Monaten im Ruhestand und glaubt nun, ein Leben jenseits der Toten beginnen zu können. Vor zwanzig Jahren hatte er sieben Stunden, ohne ein Wort zu sagen, der Mutter einer toten Siebzehnjährigen beigestanden.Jetzt wird der Kommissar von dieser Konstellation eingeholt: Ludwig Winther tritt mit ihm in Kontakt; er ist der Vater des jungen Mädchens und Ehemann jener Frau, der Franck so viel Aufmerksamkeit widmete. Zwanzig Jahre sind vergangen, und der Vater glaubt noch immer nicht an den – laut polizeilichem Untersuchungsergebnis eindeutig feststehenden – Selbstmord der Tochter durch Erhängen: Seiner Meinung nach kann es sich nur um Mord handeln.

Das sage ich: Das Friedrich Ani einer der ganz großen deutschen Krimiautoren ist, steht denke ich außer Frage. Seine Reihe um Kommissar Tabor Süden gehört zu dem Besten, was hierzulande erhältlich ist. Jetzt startet er mit „Der namenlose Tag“ eine gänzlich neue Reihe. Die Leseprobe hat mich bereits sehr überzeugt und angesichts seiner bisherigen Bücher sehe ich nicht, was da noch schief gehen könnte.

Erscheinungsdatum: 8. August

Adam Sternbergh | Feindesland

Sternbergh Feindesland

© Heyne

Das sagt der Verlag: Das Ende ist nah. Terroristen haben New York zweimal in die Luft gesprengt. Das World Trade Center und den Times Square. Beides hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Eine Weile lang ist es ruhig gewesen. Kein Wunder, wenn alle nur träumen. Aber jetzt scheinen die Terroristen tatsächlich einen Weg gefunden zu haben, in die Träume einzudringen … Spademan stellt sich ihnen entgegen.

Das sage ich: Der grimmige Mann mit dem Spaten hatte letztes Jahr im Vorgängerband „Spademan“ bereits seinen ersten Auftritt. Mir hat das Buch damals gut gefallen, der viel gelobte, knappe Stil kam mir allerdings etwas zu simpel und karg vor. Es war, als würde man ein Drehbuch lesen. Wie Nathan Larson schreibt Adam Sternbergh dystopische Pulp-Literatur, die in einer zerstörten urbanen Umgebung spielt, bleibt aber dabei bisher noch deutlich hinter den großartigen Dewey-Decimal-Büchern seines Kollegen zurück, die ich hier nochmal nachdrücklich empfehlen möchte. Vielleicht ändert sich das ja mit Band Nummer Zwei.

Erscheinungsdatum: 31. August

Urban Waite | Keine Zeit für Gnade

Waite Keine Zeit für Gnade

© Knaur

Das sagt der Verlag: Nach zwölf Jahren Haft wegen Drogenschmuggels wird Ex-Sheriff Patrick Drake entlassen. Sein Sohn Bobby, selbst mittlerweile Sheriff, holt ihn aus dem Washington State Penitentiary ab. Doch ihr Verhältnis war noch nie das beste, und die langen Jahre im Gefängnis scheinen seinen Vater nicht einsichtiger gemacht zu haben. Offenbar hat Patrick irgendwo 200.000 Dollar aus seinen Drogendeals vergraben. Doch er ist nicht der Einzige, der das Geld wiederhaben will …

Das sage ich: Nach dem hochgelobten „Wüste der Toten“ kommt direkt der nächste Roman von Urban Waite. Ein relativ junger amerikanischer Autor, von dem ich zugegebenermaßen noch nichts gelesen habe. Wenn man den Kritiken glauben schenkt, ist das ein Fehler. Die Story klingt so interessant wie absurd und ich bin schon gespannt, wie diese zwei Sheriffs miteinander klarkommen werden. Denn wie ein weiser Mann einst sagte: Es kann nur einen geben.

Erscheinungsdatum: 1. Februar 2016

Heinz Strunk | Der Goldene Handschuh

Strunk Der goldene Handschuh

© Rowohlt

Das sagt der Verlag: Dieser phantastisch düstere, grell komische und unendlich traurige Roman ist der erste des Autors, der ohne autobiographische Züge auskommt. Ein Strunkbuch ist es trotzdem ganz und gar. Sein schrecklicher Held heißt Fritz Honka – für in den siebziger Jahren aufgewachsene Deutsche der schwarze Mann ihrer Kindheit, ein Frauenmörder aus der untersten Unterschicht, der 1976 in einem spektakulären Prozess schaurige Berühmtheit erlangte. Honka, ein Würstchen, wie es im Buche steht, geistig und körperlich gezeichnet durch eine grausame Jugend voller Missbrauch und Gewalt, nahm seine Opfer aus der Hamburger Absturzkneipe „Zum Goldenen Handschuh“ mit.

Das sage ich: Ob Heinz Strunk jetzt ein Krimiautor, oder sein Roman überhaupt diesem Genre zugehörig ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Es klingt jedenfalls nach einem ganz besonderen Buch, dass ich mir sicher nicht entgehen lassen werde. Und wenn ein Frauenmörder noch keinen Krimi macht, was dann?  Man muss nicht immer alles so eng sehen. Solange er am Genre nicht ähnlich grandios scheitert wie zuletzt Frau Lewitscharoff ist alles im Butter.

Erscheinungsdatum: 22. Januar 2016

So langsam habe ich hier alles besprochen, was mich in der kommenden Saison interessiert. Nicht falsch verstehen, es gibt noch etliche erwähnenswerte Bücher, aber eben von Autoren, von denen ohnehin gerade jedes halbe Jahr ein Buch veröffentlicht wird. Außerdem gibt es noch sehr schöne Neuauflagen zu entdecken, die „Border-Trilogie“ von Cormac McCarthy beispielsweise, die ich in einer Themensendung zu „Country Noir“ vorstellen möchte. Oder „Königin des Südens“ von Arturo Pérez-Reverte. Kein Grund zur Panik also, der Stoff wird uns nicht ausgehen.

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3 Gedanken zu “Vorschau 2015: Teil 12

      • Mir war das Thema schon klar, als ich das Cover sah. Woran es liegt, dass dir Fritz Honka noch unbekannt ist, weiß ich natürlich nicht. Ich habe ein Faible für Verbrecher. Die Gesichter merke ich mir!

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