Sicher durch das Krimi-Labyrinth

Schwarze Krimis, die in jede Tasche passen. Explosive Stoffe, die das bestehende Weltbild in Frage stellen. Immer wieder aufs Neue, immer am Puls der Zeit, seit über fünfundzwanzig Jahren. Die Rede ist natürlich von der Reihe „Ariadne Krimis“, die die Soziologin Frigga Haug im Jahr 1988 ins Leben rief. Sie erscheint bis heute im Argument Verlag, den sie zusammen mit ihrem zukünftigen Ehemann, dem Philosophen Wolfgang Fritz Haug, Ende der 50er gegründet hatte. Einem Verlag, der eigentlich für seine linken Wissenschafts- und wissenschaftskritischen Bücher bekannt ist. Doch es handelt sich ja auch nicht um irgendeine dahergelaufene Krimireihe. Nein, das würde nicht ins Verlagsprofil passen. Es handelt sich vielmehr um die logische Weiterentwicklung eines der wichtigsten Verlagssegmente, den Büchern zur feministischen Theorie. Bei Ariadne schreiben ausschließlich Frauen.

Im Argument Verlag erscheint seit Verlagsgründung regelmäßig die namensgebende Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften „Das Argument“. Mit einer deutlichen Auflagensteigerung zur Zeit der Studentenbewegung kamen dann die ersten Bücher und diverse wissenschaftliche Reihen dazu. Bis heute sind sie ein fester Bestandteil der linken Theorie und der Gegenbewegung geblieben und aus der deutschen Literaturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Ein Verlag, der unserer Gesellschaft auf die Finger schaut und festgefahrenen Denkmustern neue Wege offenbart. Das wird auch in der Krimireihe konsequent weitergeführt, die momentan von Else Laudan herausgegeben wird.

Else Laudan beschreibt die Ariadne Krimis in Interviews gerne als Gegenentwurf zur oftmals blassen hiesigen Kriminalliteratur. Sie und ihr Team suchen nach besonderen Charakteren, ungewöhnlichen Geschichten und Autorinnen, die sich trauen, mit dem Genre zu experimentieren. Ohne Ariadne hätten wir nie die großartigen Bücher einer Liza Cody zu Gesicht bekommen, geschweige denn die der französischen Königin des Noir, Dominique Manotti. Ein besonderes Augenmerk wird aber auf die deutschen Autorinnen gelegt, man sucht Talente, die man mit der Zeit aufbauen kann, mit denen man wächst und gemeinsam Erfolge feiern kann. Autorinnen wie Christine Lehmann, die mit ihrer Lisa Nerz eine der unkonventionellsten Frauenfiguren der Krimigeschichte erschaffen hat. Oder Autorinnen wie Merle Kröger, die zurzeit in aller Munde ist, weil sie es meisterhaft versteht, Realität und Fiktion in politischen Romanen zu vereinen.

Die Reihe Ariadne Krimis steht für Widerstand. Spießbürgerliche Rollenvorstellungen haben darin keinen Platz. Die Autorinnen zeichnen sich dadurch aus, dass sie Krimis mit einem unterschiedlich stark ausgeprägten politischen Unterton schreiben, Krimis, die meistens näher an der Realität der modernen Gesellschaft sind, als die der Konkurrenz. Hier gibt es selten Vollzeitermittler und geheimnisvolle schöne Frauen, rätselhafte Serienkiller und hyperintelligente Profiler, stattdessen wimmelt es von Journalistinnen, die sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, Profi-Catcherinnen, die auf Schrottplätzen hausen und schwulen Kommissaren. Es gibt keine Berührungsängste. Und ganz nebenbei beweisen die Ariadne Krimis, dass gute Literatur und Genre noch nie im Widerspruch zueinander standen, dass der Krimi mehr kann, als nur zu unterhalten. Vielleicht sogar die Welt zu einem etwas besseren Ort machen, Buchstabe für Buchstabe.

Dieser Beitrag wurde in der Sendung vom 21.06.2015 gesendet. Mehr Informationen zum Verlag findet ihr hier.

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3 Gedanken zu “Sicher durch das Krimi-Labyrinth

  1. Pingback: Sendung vom 21.06.2015 | Der Schneemann

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