Die Bielefeld Connection

Es gibt immer noch Leute da draußen, die ernsthaft glauben, dass Bielefeld nicht existiert. Gut, dass das nicht stimmt. In Bielefeld ist nämlich der Pendragon-Verlag beheimatet, der Anfang der Achtziger als One-Man-Show des Verlegers Günter Butkus seinen Anfang nahm. Der gelernte Erzieher und damalige Literaturwissenschaftsstudent wagte den Sprung ins kalte Wasser, ausgestattet mit wenig Vorwissen, aber vielen Kontakten in die Verlagswelt und, was noch wichtiger ist, jeder Menge Spaß am Buch. Angefangen hat alles mit Lyrik. Heute kennt und liebt man Pendragon vor allem für das Krimiprogramm.

Leser in Nordrheinwestfalen schätzen ganz besonders das Engagement für lokale Autorinnen und Autoren, die oft niemand mehr auf dem Schirm hatte. Autoren wie Max von Grün, dem sich der Verlag gleich in Form einer Werkausgabe widmete. Die zahlreichen Krimischriftsteller der Region werden in Form von Anthologien wie „Mord-Westfalen“ oder „Teutotod“ vorgestellt. Aber auch überregional sind Namen wie Mechtild Borrmann, Frank Göhre, Rainer Gross oder Detlef Bernd Blettenberg schon lange Teil der deutschen Krimilandschaft und haben nicht nur Preise, sondern auch ein größeres Publikum für den Verlag gewinnen können. Was Günther Butkus und sein Team nicht daran hindert, immer wieder nach neuen Talenten Ausschau zu halten. Wie zum Beispiel David Gray, der mit „Kanakenblues“ dieses Jahr sei Debüt bei Pendragon feiert.

Der Pendragon Verlag veröffentlicht nicht nur Bücher deutschsprachiger Autoren, sondern hat auch einige US-Schriftsteller im Programm. Besonders bekannt sind die Reihen „Spenser“ und „Jesse Stone“ von Robert B. Parker, die beide in unterschiedlicher Form verfilmt wurden. „Spenser“ von 1985 bis 1988 als Fernsehserie des Senders ABC, „Jesse Stone“ ab 2009 als eine Reihe von Fernsehfilmen des Senders CBS, mit Kultschnauzer Tom Selleck in der Hauptrolle. Der bereits neunte Film wird momentan noch produziert. Außerdem ist Pendragon der wahrscheinlich einzige Verlag, der die siebenbändige „Shaft“-Reihe von Ernest Tidyman – und damit einen Schatz amerikanischer Popkultur – vollständig herausgegeben hat. Nicht zu vergessen den mittlerweile 91-jährigen Thriller-Großmeister David Osborn und den aktuell in der deutschen Krimigemeinde wieder sehr populären James Lee Burke.

Pendragon ist Krimikultur pur. Immer wieder werden hier längst vergessene Autoren ans Licht gezerrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Immer wieder Talente gefördert, die mit spannenden Büchern auftrumpfen und das Genre nach vorne bringen. Hier wird alles getan, um den nächsten guten Krimi unter die Leute zu bringen. Und nach mehr als 30 Jahren weiß Günther Butkus auch, wie das funktioniert. Jeder, der sich ernsthaft mit dieser wunderschönen Spartenliteratur beschäftigt, bleibt früher oder später bei dem kleinen Bielefelder Verlag hängen. Pendragon ist eine Institution im deutschen Krimi, anders lautende Behauptungen sind nichts weiter als Verschwörungstheorien.

Dieser Beitrag wurde in der Sendung vom 21.06.2015 gesendet. Mehr Informationen zum Verlag findet ihr hier.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Die Bielefeld Connection

  1. Pingback: Sendung vom 21.06.2015 | Der Schneemann

Diesen Artikel kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s