Vorschau 2015: Teil 14

einzlkind Billy     Stroud Der Aufbruch     Colize Back Up     Ortuno Die Verbrannten

Jetzt ist tatsächlich schon wieder ein Monat vergangen seit Teil 13 meiner Jahresvorschau. Dabei gibt es immer noch einige Bücher, die ich noch nicht erwähnt habe, bei denen ich aber beim Durchblättern der Verlagsvorschauen hängen geblieben bin. Trotzdem, irgendwann muss Schluss sein. Diese Rubrik wird heute mit einem letzten Post geschlossen. Bei der Fülle an qualitativem Material kommt man mit dem Lesen ohnehin nicht hinterher.

einzlkind | Billy

einzlkind Billy

© Insel

Das sagt der Verlag: Billy wächst behütet in Duffmore, einer Kleinstadt in Schottland, auf. In der Familie seines Onkels und seiner Tante. Seine Hippieeltern haben sich kurz nach seiner Geburt mit einer Überdosis von der Welt verabschiedet. Von ihnen hat er die Liebe zur Musik geerbt. Zu den Beatles, den Ramones, den Joy Division. Vom Onkel die Lust am Philosophieren. Sein Lieblingsphilosoph ist Nietzsche. Mit 22 Jahren tritt er in die Firma der Familie ein, eine Firma, die Auftragsmorde erledigt. Und für Gerechtigkeit sorgt, denn ermordet werden nur Mörder. Als Billy das erste Mal den Schalldämpfer auf seine Walther steckt, denkt er an Nietzsche, den „großen Immoralisten, den Verbrecher, den Antichrist“. Danach fällt ihm sein Job leichter. Billy ist 34, als er nach Las Vegas fährt, um Whip zu treffen, ein Mitglied der Firma. Gemeinsam wollen sie eine Woche die Stadt der Gambler erkunden und die nächsten Aufträge besprechen. Zwölf Morde hat Billy bis jetzt verübt, jedes Mal lässt er sich von den Opfern vorab deren Lebensgeschichte erzählen. Ein einziges Mal hat er aus Versehen den Falschen getötet. Das hat Konsequenzen. In Las Vegas kommt es zum Showdown.

Das sage ich: einzlkind ist einer der interessantesten deutschen Autoren zurzeit – und das liegt nicht daran, dass er unter Pseudonym veröffentlicht und nichts über seine Person preisgibt. Nein, im Gegensatz zu den Jungautoren, die aus den Literaturinstituten strömen um der Welt ihren Bauchnabel zu präsentieren, gelingen ihm Unterhaltungsromane mit Biss, Anspruch und, was eine Seltenheit ist, mit Humor. Mal schauen, ob er sich auch im Krimigenre zurechtfindet. Er wäre ja nicht der erste Autor, der daran scheitert. Aber ich habe ein gutes Gefühl.

Erscheinungsdatum: 6. September 2015

Carsten Stroud | Der Aufbruch

Stroud Der Aufbruch

© Dumont

Das sagt der Verlag: In Niceville, einer Kleinstadt im Süden der USA, geraten die Dinge vollends außer Kontrolle: An einem Wochenende finden zwei sadistische Mehrfachmorde statt. Die Täter berichten von einer mysteriösen Stimme, die sie angestachelt habe. Sind sie besessen? Kommissar Nick Kavanaugh ist erst mal damit beschäftigt, seine Familie zusammenzuhalten, die vom Adoptivsohn Rainey tyrannisiert wird. Derweil taumelt ein Halbtoter durch die Stadt und eine Frau versucht, Seelen zu ernten. Der Schlüssel zu allem scheint in der mit pechschwarzem Wasser gefüllten Senke am Rande der Stadt zu liegen. Als Nick dem heimtückischen leiblichen Vater Raineys begegnet, kommt er der Lösung auf die Spur.

Das sage ich: Wer Carsten Strouds Niceville-Trilogie noch nicht kennt, der sollte das schleunigst nachholen. Mit „Der Aufbruch“ erscheint nun der dritte und abschließende Band. Ein Highlight, keine Frage, aber jetzt mal unter uns: Ich bin ja auch ein bisschen Sammler. Wie schwer kann es bitte sein, eine Reihe/Trilogie in einigermaßen homogener Aufmachung herauszubringen? Das war mir schon bei Mike Nicols Rache-Trilogie ein Rätsel, ist es bei Adrian McKintys Sean-Duffy-Reihe geblieben und ist mir auch heute noch unklar. Finanziell motivierte Formatwechsel wie bei Nicol kann ich ja noch zähneknirschend akzeptieren, aber ein anderes Design? Ärgerlich.

Erscheinungsdatum: November 2015

Paul Colize – Back Up

Colize Back Up

© Nautilus

Das sagt der Verlag: Berlin, 1967: Alle vier Mitglieder der englischen Rockband »Pearl Harbor« werden innerhalb weniger Tage tot aufgefunden. Die Polizei findet keine Hinweise auf einen Zusammenhang und legt die Todesfälle als natürliche Tode zu den Akten. Ein irischer Journalist kann das nicht glauben und ermittelt im Rockmusik- und Drogenmilieu der Swinging Sixties in London und Berlin. Brüssel, 2010: Ein Obdachloser wird von einem Auto erfasst und erwacht im Krankenhaus – mit dem Locked-In-Syndrom. Er kann nur durch Blinzeln kommunizieren, verschweigt seine Identität und scheint vor irgendetwas Angst zu haben. Um das Rätsel seines Lebens zu lösen, erinnert er sich: an seine Jugend in den 50ern, seine ersten Platten und seine Begeisterung für das Schlagzeug. In London, Paris und Berlin führt er ein Beatnik-Leben als Schlagzeuger, voller Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll. In Berlin nimmt er einen Gelegenheitsjob an: ein Back-up für den krank gewordenen Drummer der Band »Pearl Harbor« für eine einzige geheime Plattenaufnahme. Eine folgenschwere Entscheidung …

Das sage ich: Würde ich nicht über Bücher oder Filme schreiben, dann ganz sicher über Musik. Mein Plattenschrank und meine Bücherregale genießen in etwa den gleichen Stellenwert. Dementsprechend freue ich mich immer, wenn musikaffine Krimis erscheinen. Und mal ehrlich: Wer erinnert sich nicht gern an seine ersten Platten? Bleibt nur zu hoffen, dass die „Retro“-Perspektive hier nicht zum Selbstzweck verkommt, denn spannend klingt die Geschichte allemal.

Erscheinungsdatum: 26. August 2015

Antonio Ortuño | Die Verbrannten

Ortuno Die Verbrannten

© Kunstmann

Das sagt der Verlag: Santa Rita, ein unbedeutendes Kaff im Süden Mexikos. In einer Notunterkunft für zentralamerikanische Flüchtlinge auf dem Weg in die USA wird ein Feuer gelegt, dem zahlreiche Männer, Frauen und Kinder zum Opfer fallen. Irma, genannt La Negra, wird zur Untersuchung des Vorfalls zum lokalen Büro der Nationalkommission für Migration geschickt. Dort sind ihre Nachforschungen wenig willkommen und in einem Klima der Angst ist keiner der Überlebenden bereit, zu den Ereignissen in der Nacht des Anschlags auszusagen bis auf die zwanzigjährige Yein, die zu Irmas einziger Zeugin wird. Doch in einem Land, wo Zentralamerikaner allenfalls als Menschen zweiter Klasse betrachtet werden und wo Behörden, Polizei und kriminelle Banden gemeinsam ein zynisches Geschäft betreiben, das noch den letzten Peso aus den Flüchtlingen herausquetscht, kann es tödliche Folgen haben, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Das sage ich: Ich beschäftige mich gerade sehr viel mit Mexiko und bin daher sehr gespannt auf diesen Roman. In Mexiko genießt der Autor bereits seit seinem Debüt große Aufmerksamkeit und gehört zu den größten Literaturhoffnungen des Landes. Ein Roman über eine Flüchtlingsthematik, die in den Nachrichten nur selten diskutiert wird: Die menschenverachtende Grenzpolitik der US-Amerikaner und das Verschwinden unzählbarer Menschen auf dem Weg ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Erscheinungsdatum: 9. September 2015

Was noch? Der bereits erwähnte Adrian McKinty beendet (vorerst?) seine Sean Duffy Reihe mit „Gun Street Girl„, Dennis Lehane geht mit seinem Prohibitions-Epos in die nächste Runde, bei Heyne verlegt man weiter fleißig Jim Thompson, btb kommt mit  Neuausgaben der „schwedischen Agatha Christie“ Maria Lang um die Ecke, irgendeiner schreibt die maßlos überschätzte Millenium-Trilogie von Stieg Larsson weiter und Jo Nesbø lässt seinen Harry Hole zugunsten einer ebensolchen ruhen. Wen vergessen? Achja, Denise Mina, Stuart MacBride, Lindsay Faye … langweilig wird uns bestimmt nicht.

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