Deutscher Krimi Preis 2016

Ich hatte gar nicht auf dem Schirm, dass die Preisträger des 32. Deutschen Krimpreises heute bekanntgegeben werden. Umso erfreulicher, dass die Auswahl äußerst gelungen ist. Im nationalen Bereich trumpfen Krimis zu aktuellen politischen Themen auf, im internationalen die großen Namen. Lediglich mit Sara Gran auf dem Treppchen kann ich mich noch nicht so recht anfreunden, da mir aus dem Stegreif ein Dutzend bessere Kriminalromane einfallen, die dieses Jahr erschienen sind. Aber das ist einerseits Geschmackssache und andererseits Jammern auf hohem Niveau.

Kategorie National

1. Platz: „Der namenlose Tag“ von Friedrich Ani

»Der namenlose Tag« erzählt eine Geschichte, in der das Schweigen zur großen Schuld wird, zur seelischen Last, die eines Tages ganz unerwartet nicht mehr zu tragen, zu ertragen ist. Ein Kriminalroman großen Formats.

Volker Albers, Hamburger Abendblatt

Meine Meinung zum Buch

2. Platz: „Havarie“ von Merle Kröger

»Havarie« von Merle Kröger ist ein vielschichtiger Roman. Über die Begegnung der Schiffe hat die Autorin ebenfalls einen Film gedreht, der unter dem gleichen Titel 2016 erscheinen wird. Die Filmidee hat Spuren im Buch hinterlassen: knappe Kapitel, klare Schnitte, kurze Passagen wie aus einem Drehbuch – die reine Erzählform wird aufgebrochen.  (…) So überschreitet der Roman die Grenze zur Dokumentation, bleibt doch rein fiktiv – ein facettenreicher, kluger, mutiger und komplexer Roman.

Kirsten Reimers

Meine Meinung zum Buch

3. Platz: „Schwarzblende“ von Zoë Beck

Zoë Beck hat mit »Schwarzblende« ein empfehlenswertes Buch geschrieben: intelligent, ohne gebildet zu erscheinen. Aktuell, aber nicht moralisch, und bemerkenswert undeutsch. Das beginnt schon damit, dass die Deutsche Zoë Beck Krimis schreibt, die in England und nicht in deutschen Provinzen spielen. Dort versteckt sich Zoë Beck nicht wohlfeil in wohligen Landhäusern, sondern wagt sich hinaus in die quirlig chaotische Großstadt London. Ein großstädtischer Krimi aus heimatlichen Landen, allein das schon ein Wunder.

Andreas Ammer, Deutschlandfunk

Meine Meinung zum Buch

Kategorie International

1. Platz: „Die Unantastbaren“ von Richard Price

Ein meisterhaft inszenierter, dramatisierter und geschriebenen Polizeiroman. Im Zentrum hunderter Anekdoten und (Lebens-)Geschichten, die in dieser Bullenoper anklingen, steckt Billy Graves, Chef eines kleinen Teams von der Nachtschicht bei der Mordkommission. Dieser Roman hat  eine ungeheure Dynamik, grandios, wie Tempo und Dynamik synchron zum Rhythmus der nächtlichen Metropole anziehen, nachlassen, wieder anziehen. Herausragend: Die Dialoge, denen man anmerkt, dass Richard Price nicht nur literarisch schreibt, sondern auch für Film und Fernsehen.

Ulrich Noller, WDR

Meine Meinung zum Buch

2. Platz: „Das barmherzige Fallbeil“ von Fred Vargas

Fred Vargas ist eine so singuläre Krimiautorin, wie ihr Jean-Baptiste Adamsberg ein seltsamer Ermittler ist. Er wirkt manchmal geradezu verpeilt, sonderbar auf jeden Fall, auch wenn er gerade keine Fliege aus einem Glas Portwein rettet und auf seinem Finger trocknen lässt. Sie, gelernte Archäologin mit Schwerpunkt Archäozoologie, weiß das penibelst Recherchierte mit dem geradezu Märchenhaften zu verbinden. Sie knüpft die größten Unwahrscheinlichkeiten, die wildesten Geschichten zusammen. Sie formuliert das so charmant, ja zauberhaft, dass man ihr als Leser gleichsam aus der Hand frisst.

Sylvia Staude

Meine Meinung zum Buch

3. Platz: „Dope“ von Sara Gran

Den anscheinend naiven Plot der Spillane und Co. persifliert Sara Gran sarkastisch, in dem sie ihn letztendlich ins Bitterböse dreht. Das ist alles clever, sehr bösartig, witzig und gleichzeitig sehr tragisch-gut gemacht. Virtuos und mit einer salzsäureklaren Haltung zur Welt und zu der Literatur, mit der eine solche Welt konstituiert wird. Groß!

Thomas Wörtche

Meine Meinung zum Buch

Alle weiteren Informationen zum Preis, zur Zusammensetzung der Jury oder zu vergangenen Preisträgern findet ihr im Krimilexikon.

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3 Gedanken zu “Deutscher Krimi Preis 2016

  1. Die Auswahl ist wenig überraschend, aber wohl zumeist verdient (habe bislang nur eines der Bücher gelesen). Einzig Sara Gran fand ich wie du auch überraschend. Da hätte es genügend Alternativen gegeben (z.B. McKinty, Ortuno, Burke, Ellroy).

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