Vorschau 2016: Teil 5

Bruke Mississippi Jam    Smith Henderson Montana    Celste Ng Was ich euch    John Darnielle Wolf in White Van

Ihr glaubt gar nicht, durch wie viele Bücher man sich kämpfen muss, um die paar potentiellen Perlen zu entdecken, die ich hier ab und zu vorstelle. Es ist deprimierend, dreißig Mal einen nahezu identischen Klappentext zu lesen und dazu das gleiche, lieblose Cover serviert zu bekommen. Umso schöner also, wenn man am Ende des Tages bemerkt, welche guten Krimis noch darauf warten, gelesen zu werden. Die momentane Wachstumsrate meines Stapels ungelesener Bücher lässt jedenfalls vermuten, dass demnächst Börsianer vor meiner Tür stehen werden um mit Geldscheinen zu wedeln. Wetten?

James Lee Burke | Mississippi Jam

Bruke Mississippi Jam

© Pendragon

Das sagt der Verlag: Vor der Küste Louisianas liegt ein U-Boot der Nazis. Dave Robicheaux erhält den Auftrag, dessen genaue Lage auf dem Meeresgrund zu lokalisieren, damit es gehoben werden kann. Hippo Bimstine will am Ufer des Mississippi aus dem U-Boot ein Casino als Touristenattraktion machen. Dave verspürt wenig Lust auf den Job, aber er braucht das Geld, um seinem Freund Batist zu helfen, der wegen Mordverdachts verhaftet wurde. Schnell erkennt Robicheaux, dass er es nicht nur mit seinem Auftraggeber, der sich als zwielichtiger Geschäftsmann entpuppt, sondern auch mit einem gefährlichen Psychopathen zu tun hat, der das U-Boot für seine Zwecke nutzen will. Dieser schreckt vor nichts zurück. Auch nicht davor, Dave und seine Familie zu vernichten. Ihr Leben gerät völlig aus den Fugen …

Das sage ich: Auf den guten Dave habe ich so richtig Lust. Nach dem starken, wenn auch manchmal etwas durchwachsenen „Sturm über New Orleans“ bin ich gespannt, ob das „früher war alles besser„-Versprechen der Robicheaux-Fans auch tatsächlich zutrifft. Denn was der Pendragon-Verlag dem deutschen Publikum hier zugänglich macht, ist der siebte Band der mittlerweile 20 Bände umfassenden Reihe, darf also getrost noch zu den Anfängen gezählt werden. Und wenn man dem Rauschen im Blätterwald Glauben schenken mag, dauert es auch nicht mehr lange, bis wir uns auf den Anfang – und damit hinein in den „Neonregen“ stürzen können.

Erscheinungsdatum: 22. Februar 2016

Smith Henderson | Montana

Smith Henderson Montana

© Luchterhand

Das sagt der Verlag: In den abgeschiedenen Tälern und nahezu undurchdringlichen Bergwäldern im Nordwesten von Montana ist der Sozialarbeiter Pete Snow unterwegs, um Kindern zu helfen. Da gibt es drogensüchtige Mütter, gewalttätige Väter, Waffen- und Bibelnarren, aber vor allem die ganz normale Armut. Als eines Tages Benjamin, ein halb wilder, vernachlässigter Junge, in seiner Stadt auftaucht, lernt er dessen Vater Jeremiah Pearl kennen, einen Anarchisten und Weltverschwörer, der im Wald lebt und sich gegen die Endzeit wappnet …

Das sage ich: Ich lese gerade „Bull Mountain“ von Brian Panowich, schaue nebenher „Outsiders“ und sammle akribisch Filme mit einer ähnlichen Thematik – Country Noir ist mein Ding. Mit jeder Menge Vorschusslorbeeren schlägt „Montana“ auf dem deutschen Markt auf. Nur dass es bei Luchterhand, einem Verlag, der sich bisher nicht unbedingt durch Genre-Literatur profiliert hat, geschieht, macht mich stutzig. Aber sei’s drum. Gelesen wird das Buch sowieso.

Erscheinungsdatum: 25. April 2016

Celeste Ng | Was ich euch nicht erzählte

Celste Ng Was ich euch

© dtv

Das sagt der Verlag: Der erste Satz, ein Schlag, eine Katastrophe. Am Morgen des 3. Mai 1977 erscheint sie nicht zum Frühstück. Am folgenden Tag findet die Polizei Lydias Leiche. Mord oder Selbstmord? Die Lieblingstochter von James und Marilyn Leewar ein ruhiges, strebsames und intelligentes Mädchen. Für den älteren Bruder Nathan steht fest, dass der gutaussehende Jack an Lydias Tod Schuld hat. Marilyn, die ehrgeizige Mutter, geht manisch auf Spurensuche. James, Sohn chinesischer Einwanderer, bricht vor Trauer um die Tochter das Herz. Allein die stille Hannah ahnt etwas von den Problemen der großen Schwester. Was bedeutet es, sein Leben in die Hand zu nehmen? Welche Kraft hat all das Ungesagte, das Menschen oft in einem privaten Abgrund gefangen hält? Nur der Leser erfährt am Ende, was sich in jener Nacht wirklich ereignet hat.

Das sage ich: In 15 Sprachen übersetzt, „Amazon Book of the Year 2014“ – die amerikanische Schriftstellerin mit chinesischen Wurzeln kann sich über den Erfolg ihres Debüts nicht beklagen. Die Presse hatte sie von Anfang an auf ihrer Seite. Schaut man sich im Netz dagegen nach Leseerfahrungen um, so trifft man, wie eigentlich meistens, auf gespaltene Meinungen. Lebensverändernde Lektüre oder doch nur langweilige Erzählung mit ein paar gelungenen Sätzen? Da hilft wohl nur Lesen.

Erscheinungsdatum: 27. Mai 2016

John Darnielle | Wolf in White Van

John Darnielle Wolf in White Van

© Eichborn

Das sagt der Verlag: Sean Phillips ist durch einen schweren Unfall entstellt. Er verlässt seine Wohnung nur selten, vertieft sich in trashige Romane und Fantasyfilme, und er erfindet ein Rollenspiel. In Trace Italian finden sich die Spieler in einem postapokalyptischen Amerika wieder, in dem sie um ihr Leben kämpfen müssen. Sean gibt die Handlung vor, jede Aktion der Spieler beantwortet er mit immer neuen Wendungen und Entwicklungen. Als zwei Spieler die Anweisungen Seans nicht in Trace Italian, sondern in der realen Welt ausführen, hat dies tödliche Konsequenzen. Und Sean muss sich die Frage stellen, welche Verantwortung er dafür trägt.

Das sage ich: And now for something completely different. Mein Trash-Herz schlägt höher, auch wenn der Klappentext alleine wahrscheinlich noch nicht gereicht hätte, um mich zu überzeugen. Vielmehr war es der Name John Darnielle, der mir merkwürdig vertraut vorkam. Und siehe da: Der Gute gehört zu der von mir sehr geschätzten Band „The Mountain Goats“, und fiel dort schon durch ungewöhnlich gutes Texten auf. Kann ja nicht mehr viel schief gehen, oder? Das Bild vom Wolf im Auto-Schafspelz ist jedenfalls schon mal äußerst gelungen.

Erscheinungsdatum: 13. Mai 2016

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4 Gedanken zu “Vorschau 2016: Teil 5

  1. Sehr gute Tips. Insbesondere Montana klingt vielversprechend. Werde das Buch im Original als Fourth of July Creek lesen. Country Noir ist auch mein Ding. Und ja, man muß sich durch viel Spreu durcharbeiten, bis man auf einen wirklich tollen Krimi stößt, der sich nicht so liest wie gefühlt 87 ähnliche vor ihm.

    Gefällt 2 Personen

  2. Den Rauschen im Blätterwald kann man glauben. Hab eben nochmal mit Günther geschrieben. „Neonregen“ wird definitiv im Herbst diesen Jahres erscheinen. Dafür wird es wohl nichts mit Frühjahr 2017 beim zweiten Stroby. Die Übersetzung wird leider noch etwas dauern. Wenn sie so gut wird wie bei „Kalter Schuss ins Herz“ sag ich nur: „Gut Ding will Weile haben“.

    Auf die „Bull Mountain“-Besprechung freue ich mich. Beim nächsten größeren Bucheinkauf war bzw. ist dieser Titel fest eingeplant.

    Zum Thema Country Noir: William Gay wäre da meine Empfehlung, wenngleich da auch ein großer Schuss „Southern Gothic“ mit reinspielt.

    Gefällt 2 Personen

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