Vorschau 2016: Teil 12

Effenhauser Brand    Järvelä Weiss für Wut    Carter Des einen Freund    Jäger Der Schnee

Zwei Bekannte, zwei Unbekannte – so lässt sich die zwölfte Ausgabe meiner Jahresvorschau ganz gut zusammenfassen. Außerdem gibt es diesmal zu entdecken:

  • Einen reisewütigen deutschen Ermittler
  • Eine zornige 19-Jährige auf den Spuren von Banksy
  • Einen asiatischen Australier, der mal wieder mit toten Tieren zu tun hat
  • … und einen Historiker, der tatsächlich „Schreiber“ mit Nachnamen heißt

Wer könnte da widerstehen?

Ulrich Effenhauser | Brand

Effenhauser Brand

© Transit

Das sagt der Verlag: Mexiko City, Oktober 1985. In der von Erdbeben heimgesuchten Stadt wird eine nicht identifizierbare Leiche gefunden. Alwin Heller, Sonderermittler des BKA, macht während einer Dienstreise Zwischenstopp in Mexiko und wird von einem Kollegen um Hilfe gebeten. Heller findet heraus, dass der Mann kurz vor seiner Ermordung ein geheimes Forschungsinstitut besucht hat. Der Fall wird vom mexikanischen Polizeichef wie üblich ohne weitere Untersuchung als Drogendelikt zu den Akten gelegt. Ein halbes Jahr später erkennt Heller den Toten in einem Film über den sowjetischen Atomphysiker Andrej Sacharow wieder. Offenbar war der Mann an der Herstellung der Wasserstoffbombe beteiligt. Vier Jahre später, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, erhält Heller Besuch von einer ehemaligen KGB-Agentin, die ihm den Namen des Toten verrät: Fjodor Lebedew, Ingenieur für Reaktortechnik, zuletzt Sicherheitschef im Atomkraftwerk Tschernobyl. In Lebedews Wohnung im atomar verseuchten Sperrbezirk findet Heller einen entscheidenden Hinweis: den Brief eines gewissen Johannes Brand, der in den fünfziger Jahren als verschleppter NS-Wissenschaftler mit Lebedew in Sochumi (am Schwarzen Meer) erfolgreich das sowjetische Atomprojekt vorangetrieben hat. Brand konnte die UdSSR in den sechziger Jahren verlassen, ging zunächst in die USA und schließlich nach Mexiko. 1985 nahmen die beiden wieder Kontakt miteinander auf: Brand hat Lebedew versprochen, ihm bei Sicherheitsproblemen am Reaktor von Tschernobyl behilflich zu sein. Ein angeblicher Ost-Agent setzt Heller auf eine weitere Spur: Der KGB sei damals Auftraggeber des Mordes gewesen, man wollte verhindern, dass Lebedew Kontakt zu westlichen Atomexperten aufnimmt. Zurück in Mexiko kommt Heller aber einer großangelegten Sabotageaktion auf die Spur. Zeugen verschwinden, Heller wird bedroht, er legt den Fall abermals zur Seite – bis ihn die NSA-Affäre wieder hochspült.

Das sage ich: Lieber Transit-Verlag, dieser Text ist viel zu lang. Trotzdem freue ich mich natürlich auf neuen Stoff dieses Autors, denn sein erster Roman um Alwin Heller hat mir außerordentlich gut gefallen. „Wie genau Ulrich Effenhauser an diese Geschichte anknüpfen will – davon lasse ich mich gerne überraschen“, schrieb ich damals in meiner Rezension, und jetzt, wo ich etwas mehr weiß, bin ich optimistisch. Es tut seinem Protagonisten sicherlich gut, mal den Kontinent zu verlassen. Und richtig aktuell wird es wohl auch noch.

P.S.: Das Cover ist eine Wucht.

Erscheinungsdatum: 24. August 2016

Jari Järvelä | Weiss für Wut

Järvelä Weiss für Wut

© Carl’s Books

Das sagt der Verlag: Ein 19-jähriges Mädchen, das sich »Metro« nennt, ist leidenschaftliche Street-Art-Künstlerin. Zusammen mit ihrem Freund kundschaftet sie täglich ungewöhnliche Orte aus, um sich dort heimlich mit ihren gesprayten Kunstwerken zu verewigen. Als sie eines Nachts entdeckt werden, stirbt ihr Freund bei einer Auseinandersetzung mit dem Sicherheitsdienst. Metro kann fliehen. Ihre Trauer entlädt sich in einem wütenden Racheplan: Sie will dem Mann, der ihren Freund auf dem Gewissen hat, das Leben zur Hölle machen. Mit ihren ganz eigenen Mitteln …

Das sage ich: Die Story klingt eigentlich richtig gut, doch der Verlag macht mich stutzig. Carl’s Books ist bisher eher durch harmlose Komödien à la „Der Hundertjährige…“ aufgefallen, und für einen Subkultur-Krimi, wenn es denn nicht nur auf dem Papier einer ist, gäbe es bei Random House sicherlich genügend andere Anlaufstellen. Da der Titel aus Finnland kommt wird das Ganze natürlich eine Trilogie, sonst kriegt nämlich am Ende keiner mit, dass es sich um einen dieser berühmt-berüchtigten Skandinavien-Krimis handelt. Lasst mich raten – der nächste Teil heißt bestimmt „Schwarz für …“ oder „Rot für …“.

Erscheinungsdatum: 29. August 2016

Alan Carter | Des einen Freund

Carter Des einen Freund

© Nautilus

Das sagt der Verlag: Es ist heiß in Westaustralien, und es wird noch heißer: Gordon Wellard, verdächtig des Mordes an einer vermissten 15-Jährigen, scheucht Cato Kwong durch Fremantle. Statt der angeblich vergrabenen Leiche findet Cato jedoch nur einen mit Zimmermannsnägeln gespickten Schweinekadaver. Kurz darauf wird ein Restaurantbesitzer, der kein Schutzgeld mehr zahlen wollte, mit ähnlichen Nägeln im Rücken tot aufgefunden. Der schnell ermittelte Täter kommt offenbar bei einem Buschbrand ums Leben. Doch als Cato kurz darauf entführt und mit einer Nagelpistole bedroht wird, offenbart sich, wie sehr die Polizei selbst bedroht – und verstrickt ist.Zur gleichen Zeit untersucht Catos Kollegin Lara Sumich den Mord an dem Undercover-Cop Santo Rosetti, dem nach einem Blowjob auf der Toilette eines Nachtclubs die Kehle durchgeschnitten wurde. Ihre Ermittlungen werden jedoch manipuliert, und auch Lara selbst wird überfallen …

Das sage ich: Der Vorgänger wurde ja überall gelobt, ich persönlich war aber nicht ganz so begeistert: „Dieser Krimi ist handwerklich gut gemacht, braucht aber ein bisschen zu lange um wirklich in Fahrt zu kommen. Der Protagonist überzeugt noch nicht ganz, er gefällt sich zu sehr in seinem Selbstmitleid, als dass man sich wirklich mit ihm identifizieren möchte.“ Ob die spannenden Ansätze im zweiten Teil besser genutzt werden, und ob Cato Kwong sich vielleicht doch noch zur Identifikationsfigur mausert, werde ich auf jeden Fall überprüfen.

Erscheinungsdatum: 31. August 2016

Gerhard Jäger | Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

Jäger Der Schnee

© Blessing

Das sagt der Verlag: Im Herbst 1950 kommt der junge Wiener Historiker Max Schreiber in ein Tiroler Bergdorf, um einem alten Geheimnis auf den Grund zu gehen. Konfrontiert mit der archaischen Bergwelt und der misstrauischen Dorfgemeinschaft, fühlt er sich mehr und mehr isoliert. In seiner Einsamkeit verliert er sich in der Liebe zu einer jungen Frau, um die jedoch auch ein anderer wirbt. Als ein Bauer unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt, ein Stall lichterloh brennt und der Winter mit ungeheurer Wucht und tödlichen Lawinen über das Dorf hereinbricht, spitzt sich die Situation dramatisch zu. Schreiber gerät unter Mordverdacht und verschwindet spurlos – nur seine Aufzeichnungen bleiben zurück.Mehr als ein halbes Jahrhundert später will ein alter Mann endlich die Wahrheit wissen. Von seinen eigenen Schatten verfolgt, begibt er sich auf Spurensuche in die Vergangenheit.

Das sage ich: „Archaische Bergwelt“, „misstrauische Dorfgemeinschaft“ – diese Klappentext-„Klassiker“ kommen wohl nie aus der Mode. Da Gerhard Jäger aber mit Sicherheit nichts für das Marketing seines Verlages kann und der Titel des Buchs runtergeht wie Öl, wollen wir mal nicht so sein. Die Vita des Autors liest sich zudem äußerst ungewöhnlich. Besonders interessant fand ich die Tatsache, dass er bereits vor zwanzig Jahren den Vorarlberger Literaturpreis gewann, doch es bis heute nicht für nötig hielt, den Roman, für den er  ausgezeichnet wurde, zu veröffentlichen. Dieser hier kommt aber definitiv im Herbst und wird dann stilecht im Winter gelesen. Die Kaminfeuer-DVD liegt schon bereit.

Erscheinungsdatum: 19. September 2016

Advertisements

Diesen Artikel kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s