Vorschau 2016: Teil 13

Honda Blutroter Mond    Cody Miss Terry    Ivanov Täuschung    Keller Ende aller Geheimnisse

Eine geschätzte Bloggerkollegin, die sich leider bis auf Weiteres aus dem WordPress-Kosmos verabschiedet hat, stellte vor ein paar Wochen die Frage, wo denn eigentlich die starken, weiblichen Ermittlerinnen in der zeitgenössischen Kriminalliteratur abgeblieben seien. Meine Antwort: Hier. Vielleicht. Um das abschließend beurteilen zu können, werden wir die Bücher nämlich schon lesen müssen – wobei ich bei den zwei Autorinnen ja weniger Bedenken habe, dass das hinhaut…

Tetsuya Honda | Blutroter Mond

Honda Blutroter Mond

© Fischer

Das sagt der Verlag: Sie hat das, was die anderen nicht haben: Mut, Durchsetzungskraft und vor allem Intuition. Deshalb hat sie nicht nur Freunde im Team. Weil sie aber die beste Ermittlerin in Tokio ist, wird ihr Team auf diesen Fall angesetzt: Ein Toter, in dessen Körper unzählige Glassplitter stecken. Der Mann muss in einer wahren Orgie aus Blut ums Leben gekommen sein. Weitere Leichen folgen. Alle auf ähnliche Weise getötet. Da stoßen Reiko und ihr Team auf eine ominöse Website im Internet, über die in dunklen Foren nur geflüstert wird. Dort soll die Welt in einem leuchtenden Rot erstrahlen – blutrot.

Das sage ich: Man kann gar nicht oft genug die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Selten ist mir so ein grottiger Klappentext untergekommen, und wenn, dann sicher nicht bei einem großen Publikumsverlag wie Fischer. „Eine ominöse Website im Internet“ – ja wo denn sonst? Nichtsdestotrotz sollte man auf dieses Buch ein Auge werfen, immerhin ist die Reihe um Ermittlerin Reiko Himekawa millionenschwer und nicht nur auf dem Buchmarkt ein großer Erfolg.

Erscheinungsdatum: 24. November 2016

Liza Cody | Miss Terry

Cody Miss Terry

© Argument

Das sagt der Verlag: Die Londoner Grundschullehrerin Nita Tehri hat sich von ihren Ersparnissen eine kleine Eigentumswohnung zugelegt, wo sie ein leises Leben führt. Sie sucht keinen Streit, ist freundlich zu Nachbarn und Kolleginnen, unterrichtet. Buchstabiert geduldig ihren Namen, wenn man sie Miss Terry nennt. Eines Morgens wird genau gegenüber von Nitas Haus ein Müllcontainer abgestellt, leicht angerostet und verbeult, gedacht für den Bauschutt einer Sanierung. Er bleibt dreieinhalb Minuten leer, von da an landet alles Mögliche darin: Fastfoodverpackungen, Rigipsplatten, Altbautüren, Weihnachtsbäume, Abfallsäcke, Öfen … Manches verschwindet über Nacht wieder, manches bleibt. Sobald er voll ist, wird der Container ausgetauscht, und der wundersame Reigen des Mülls beginnt von vorn.Dann steht nach Feierabend ein Polizist vor Nitas Tür. Stellt ihr Fragen, die zunehmend unverschämter werden. Ob ihr jemand aufgefallen ist, der in aller Heimlichkeit Dinge im Container entsorgt hat? Warum sie so oft aus dem Fenster späht? Ob es zutrifft, dass sie bis vor Kurzem deutlich dicker war? Sie reißt sich zusammen. So, wie sie sich beherrscht, wenn sie immer wieder gefragt wird, ob sie sich wegen ihres Migrationshintergrunds vor der Polizei fürchtet. Denn sie hat ja nichts getan, außer sich von ihrer traditionalistischen Familie loszusagen, um das Leben einer Engländerin zu führen. Am nächsten Tag zeigt sich, dass der Schuldirektor über sie befragt wurde. Und dass ein Großteil ihrer Nachbarn ihr jetzt aus dem Weg geht. Dann kommt es raus: Man hat im Container eine Babyleiche gefunden und verdächtigt – na, wen wohl? – die allein­stehende junge Frau mit der braunen Haut.  Nita merkt, dass sie nicht wehrhaft genug ist für die Abwärtsspirale, die nun einsetzt. Sie wird bespitzelt, angefeindet, zur DNA-Analyse vorgeladen, hintergangen, vom Unterricht suspendiert. Ihr Haus wird beschmiert und angesteckt. Schließlich muss sie sich fragen: Wem nützt es, sie so zum Opfer zu machen? Wer hat hier wirklich Dreck am Stecken?

Das sage ich: Jetzt habt ihr in aller Ausführlichkeit lesen dürfen, worum es im neuen Roman von Liza Cody gehen wird. Nach „Lady Bag“ sind die Erwartungen natürlich gigantisch, aber wer sich solche herrlich bescheuerten Wortspiele wie „Miss Terry“ ausdenken kann, der schreibt für gewöhnlich auch gute Bücher. Oder?

Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2016

Petra Ivanov | Täuschung

Ivanov Täuschung

© Unionsverlag

Das sagt der Verlag: Was ist das Geheimnis um Jasmin Meyers Vater? Er hat sie verlassen, als sie noch ein Kind war, hat sich nach Thailand abgesetzt, war dort in dubiose Geschäfte verwickelt und gilt seit nunmehr zehn Jahren als verschollen. Die Mutter verstummt, wenn die Rede auf ihn kommt, und wirft so immer drängendere Fragen auf anstatt sie zu beantworten. Jasmin beschließt, nach Thailand zu reisen und sich auf die Suche zu machen. Die Reise stellt sie und ihren Freund Pal Palushi vor ungeahnte Herausforderungen. Sie sucht im ganzen Land, unter Einheimischen und Schweizer Auswanderern, in Ämtern und Bars nach Puzzlestücken der Vergangenheit. Mächtige Clans wollen sie ausschalten. Zuletzt stößt sie auf Dinge, die sie und ihre Familie im Innersten erschüttern.

Das sage ich: Petra Ivanov ist eine der erfolgreichsten Krimiautorinnen der Schweiz und „Täuschung“ der bereits dritte Fall für die private Ermittlerin Jasmin Meyer und ihren Partner. Ivanov glänzt, wie beispielsweise Dominique Manotti oder Charlotte Otter, durch ausführlich recherchierte, gesellschaftskritische Themen, die sie gekonnt zu Krimiplots umgestaltet – wobei man aber immer das Gefühl hat, sie bewege sich schon seit Jahren im beschriebenen Milieu.

Erscheinungsdatum:  18. Juli 2016

Stefan Keller | Das Ende aller Geheimnisse

Keller Ende aller Geheimnisse

Rowohlt

Das sagt der Verlag: Heidi Kamemba ist neu bei der Kripo Düsseldorf, und sie fällt auf: Sie ist die erste schwarze Kriminalkommissarin in Deutschland. Ginge es nach ihr, wäre ihre Hautfarbe kein Thema, doch leider sehen die meisten das anders. An ihrem ersten Arbeitstag wird in einem Waldstück nahe der Landstraße eine verkohlte Leiche gefunden. Kamembas Ermittlungen führen unbequeme Wahrheiten zutage. Und während der Mörder noch gesucht wird, geben Kamembas Kollegen ihr Rätsel auf. Der Vorgänger hat sich mit seiner Dienstwaffe erschossen, die Stimmung im Ermittler-Team ist angespannt. Auf eigene Faust versucht Heidi herauszufinden, was es mit seinem Tod auf sich hat.

Das sage ich: Da wählt der sonst für seine Köln-Krimis bekannte Autor doch glatt den Erzrivalen Düsseldorf, um eine neue Krimireihe abseits des Gmeiner-Verlags zu starten. Erwartungen sind erst mal keine vorhanden, denn weder habe ich etwas von ihm gelesen, noch bietet der Klappentext irgendetwas Spannendes. Mal schauen, wie Heidi Kamemba sich so schlägt.

Erscheinungsdatum: 20. Januar 2017

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