Vorschau 2016: Teil 15

Torreck Fest de Finsternis    Borrmann Trümmerkind    Juretzka Bis zum Hals    Pilz Der anatolische Panther

Das Finale der Fußball-Europameisterschaft findet heute ja bekanntlich ohne das deutsche Team statt, aber das ist kein Grund, gleich den Kopf in den Sand zu stecken. Es gibt noch so viele Disziplinen, in denen unser Land sich beweisen kann. Was das Schreiben von Kriminalromanen angeht haben wir beispielsweise einen vielversprechenden Kader aus Veteranen und neuen Talenten vorzuweisen:

Ulf Torreck | Fest der Finsternis

Torreck Fest de Finsternis

© Heyne

Das sagt der Verlag: Paris im September 1805. Der intrigante Polizeiminister Joseph Fouché regiert die Stadt mit eiserner Hand. Doch die Bewohner der Weltmetropole sind ergriffen von Angst. In finsteren Gassen werden die Leichen blutjunger Mädchen gefunden, die Brutalität der Morde ist beispiellos. Der für seinen Jagdinstinkt berühmte Polizist Louis Marais arbeitet wie besessen an dem Fall. Marais weiß, dass es ein Monster braucht, um ein Monster zu jagen. Er greift auf die Hilfe eines alten Bekannten zurück, der hinter den Mauern des Irrenhauses von Charenton sein Leben fristet. Doch damit führt Marais den Alptraum erst zu seiner wahren Größe …

Das sage ich: Der Leipziger Autor Ulf Torreck dürfte den meisten Leserinnen und Lesern unter seinem Pseudonym David Gray bekannt sein. Sein letztjähriges Debüt bei Pendragon hat mir außerordentlich gut gefallen, weshalb ich sehr gespannter auf diese nach „Jack the Ripper“ klingende Reise ins Frankreich des 19. Jahrhunderts bin. Auf der Facebookseite zum Roman werden außerdem noch Vergleiche zu Thomas Harris, Patrick Süskind und dem Marquis de Sade gezogen, was, sofern sie denn zutreffen, eine äußerst explosive Mischung wäre.

Erscheinungsdatum: 13. Februar 2017

Mechtild Borrmann | Trümmerkind

Borrmann Trümmerkind

© Droemer

Das sagt der Verlag: Der kleinen Hanno Dietz schlägt sich mit seiner Mutter im Hamburg der Nachkriegsjahre durch. Steine klopfen, Altmetall suchen, Schwarzhandel – das ist sein Alltag. Eines Tages entdeckt er in den Trümmern eine Tote – und etwas abseits einen etwa dreijährigen Jungen, der erstaunlich gut gekleidet ist. Das Kind spricht kein Wort, Verwandte sind nicht auffindbar. Und so wächst der Junge bei den Dietzens auf. Jahre später kommt das einstige Trümmerkind durch Zufall einem Verbrechen auf die Spur, das auf fatale Weise mit seiner Familie verknüpft ist …

Das sage ich:Spannung und historisches Zeitgeschehen miteinander zu verknüpfen, versteht Borrmann wie keine andere deutsche Autorin„, heißt es im Verlagstext weiterhin, und dem kann man eigentlich nur zustimmen (wobei „historisches Zeitgeschehen“ natürlich eine fragwürdige Wortkombination darstellt). Für die wichtigen Krimipreise des Landes scheint Borrmann jedenfalls schon so gut wie gebucht, und darüber hinaus, falls sie die Qualität ihrer bisherigen Veröffentlichungen halten kann, auch für einen Platz in meinem Bücherregal.

Erscheinungsdatum: 2. November 2016

Jörg Juretzka | Bis zum Hals

Juretzka Bis zum Hals

© Unionsverlag

Das sagt der Verlag: Sixpack Bier, Schachtel Kippen, eine Dose Katzenfutter, damit Kryszinksi daheim überhaupt reingelassen wird. Er ist glücklich im Sinkflug auf zuhause, ausnahmsweise mal nur mit Taurin und Koffein im Blut, als ihm ein Mann vor den Kühler seines Toyotas geworfen wird. Der ist sofort »auf eine Art und Weise tot, die keinen Raum für Hoffnung oder Zweifel lässt.« Privatdetektiv Kryszinksi beginnt, sich auf eigene Faust umzuhören und erfährt zwischen Wodka-Abstürzen und Magenkrämpfen die Identität des überfahrenen Mannes. Und so beginnt ein Reigen mit russischen Investoren, Sprachlehreren, Geheimdienstlern und gepfählten Bikern. Und plötzlich steht die Witwe des Toten vor Kryszinskis Tür. Anoushka ist so schön, dass jeder Mann für sie töten würde – oder sterben …

Das sage ich: Jörg Juretzka ist (völlig zu Unrecht) der ewige Underdog des deutschen Kriminalromans. Deshalb möchte ich an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass seine großartige Reihe um den Mülheimer Überlebenskünstler Kryszinksi seit eingier Zeit langsam, aber stetig vom Unionsverlag neu aufgelegt wird. Wer den Autor näher kennenlernen möchte, dem kann ich nur dieses Interview von Sonja Hartl ans Herz legen, die auf ihrem Blog auch einige seiner Romane besprochen hat.

Erscheinungsdatum: 18. Juli 2016

André Pilz | Der anatolische Panther

Pilz Der anatolische Panther

© Haymon

Das sagt der Verlag: Kleiner Gangster, großes Herz: Seit der junge Türke Tarik seine Fußballkarriere aufgegeben hat, schlägt er sich in München mit kleinen Einbrüchen und Drogendeals durch. Er verbringt viel Zeit auf der Straße, mit seinen Freunden Doogie, Sugo-Joe und Yiannis, allesamt einigermaßen gescheiterte Existenzen. Als sie bei einem Einbruch erwischt werden, hat die Polizei Tarik am Haken – und schlägt einen Deal vor: Tarik soll sich ins Umfeld eines Hasspredigers einschleichen, der sich „Derwisch“ nennt und im Verdacht steht, einen Terroranschlag zu planen. Das geht schief, und plötzlich ist neben der Polizei auch noch der Derwisch hinter ihm her – und Tarik muss nicht nur sich selbst retten, sondern auch seinen geliebten Großvater, der von den Islamisten bedroht wird …

Das sage ich: André Pilz hat mit „No llores, mi querida – Weine nicht, mein Schatz“ bereits bewiesen, dass er ein erstklassiger Beobachter dessen ist, was sich auf deutschen Straßen abspielt. Wenn er sich diese Fähigkeit bewahrt hat, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen – an der nötigen Aufmerksamkeit für das Buch wird es bei diesem Thema jedenfalls nicht scheitern. Wer nicht bis zum Herbst warten möchte, der liest einfach solange Zoë Beck.

Erscheinungsdatum: 13. September 2016

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2 Gedanken zu “Vorschau 2016: Teil 15

  1. Das Finale der Fußball-Europameisterschaft findet heute ja bekanntlich ohne das deutsche Team statt, aber das ist kein Grund, gleich den Kopf in den Sand zu stecken.

    – Immerhin hatten wir das beste Handballteam, welches je an einem Fußballturnier teilgenommen hat. Das ist doch aus was.

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Schneemann goes #fbm16: Freitag & Samstag | Der Schneemann

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