Vorschau 2016: Teil 16

Moshfegh McGlue    De Cataldo Bonini Nacht von Rom    Beinhart No One Rides for Free    ä

Emons? Ars Vivendi? Während Liebeskind und Folio für diese Format quasi fest gebucht sind, werden die anderen zwei Verlage deren Bücher ich heute vorstelle vielleicht für Stirnrunzeln sorgen. Zwar sind beide bereits in der Krimiszene etabliert, nur hat es bisher nie eine Schnittmenge zwischen ihren Veröffentlichungen und meinem persönlichen Geschmack gegeben. Das könnte sich bald ändern.

Ottessa Moshfegh | McGlue

Moshfegh McGlue

© Liebeskind

Das sagt der Verlag: Salem, Massachusetts. Im Jahr des Herrn 1851. Der Seemann McGlue ist schwerer Trinker und sitzt im Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, vor Sansibar seinen besten Freund Johnson ermordet zu haben. Nur kann er sich an nichts erinnern. Was daran liegt, dass sein Schädel gespalten ist, seitdem er vor Monaten aus einem fahrenden Zug gesprungen ist, um nicht als blinder Passagier entdeckt zu werden. McGlue will sich auch an nichts erinnern, er will nur trinken. In der Nähe von New Haven hatte Johnson ihn einst auf der Straße aufgelesen und so vor dem Erfrieren gerettet. Er war es, der nach seinem Sturz für ihn sorgte, der ihn zur Handelsmarine brachte und mit ihm um die Welt segelte. Warum also sollte McGlue ihn umgebracht haben?

Das sage ich: Ein Kollege von mir, der das Buch schon gelesen hat, nannte es eine beeindruckende „Säufer-Beichte“, womit Ottessa Moshfgegh (wie zuletzt  schon Heinz Strunk) wahrscheinlich eher im erweiterten Dunstkreis des Genres einzuordnen wäre. Nichtsdestotrotz will ich diesen Roman (wie zuletzt schon den von Heinz Strunk) hier erwähnen – und das nicht nur, weil meine eigene Definition von „Krimi“ so vage und offen ist. Vielmehr bin ich der Meinung, dass der Blick über den Tellerrand das Genre vor der Stagnation bewahrt. Deshalb: Lest Ottessa Moshfegh. Und natürlich Heinz Strunk.

Erscheinungsdatum:22. August 2016

De Cataldo & Bonini | Die Nacht von Rom

De Cataldo Bonini Nacht von Rom

© Folio

Das sagt der Verlag: Rom brennt, stinkt vom Müll auf den Straßen. Immigrantenheime gehen in Flammen auf, die Stadt versinkt unregierbar im Chaos. Anstifter im Hintergrund ist Sebastiano, ein smarter junger Mann, zum Bösen erzogen von Samurai, der vom Gefängnis aus die Fäden zieht. Papst Franziskus hat das Heilige Jahr der Barmherzigkeit verkündet. Eine unheilige Allianz von korrupten Politikern, vatikanischen Würdenträgern und Unternehmern setzt alles daran, öffentliche Aufträge an sich zu reißen und den Geldstrom in die eigene Tasche fließen zu lassen. Ein junger Bischof und ein unbestechlicher Politiker stellen sich mutig dem organisierten Verbrechen entgegen.

Das sage ich: Klingt, als würden die beiden Autoren dort weitermachen, wo sie mit ihrer letzten Kollaboration aufgehört haben. Das macht nicht nur aus der Sicht des Lesepublikums durchaus Sinn: TV-Gigant Netflix ist nämlich gerade dabei, den bereits verfilmten Bestseller „Suburra“ zu einer zehnteiligen Serie ausgestalten zu lassen, und falls diese ein Erfolg wird, bestünde sowieso bald Bedarf nach neuem Drehbuch-Material. Verantwortlich für die Umsetzung ist übrigens (wenn auch nur zur Hälfte) das gleiche italienische Studio, das schon „Romanzo Criminale“ und „Gomorrha“ ins Fernsehformat übertragen hat. Ein gutes Zeichen, wenn ihr mich fragt.

Erscheinungsdatum: 30. August 2016

Larry Beinhart | No One Rides For Free

Beinhart No One Rides for Free

© Emons

Das sagt der Verlag: Privatdetektiv Tony Cassella soll die Aussage eines Anwalts aufnehmen, der über die miesen Machenschaften seines eigenen Berufsstands auspacken will. Doch dazu kommt es nicht, denn der Mann liegt tot auf einem Parkplatz. Tony muss die Lügen der Vergangenheit aufdecken und die ehrenwerten Männer, die jeden Preis zu zahlen bereit sind, um die Vergangenheit ruhen zu lassen, aus dem von ihnen bevorzugten Halbdunkel ans Licht der Öffentlichkeit zerren.

Das sage ich: Das Krimi-Programm vom Emons-Verlag sah bisher immer so aus. Jetzt startet dort mit der Neuübersetzung von „No One Rides for Free“, für das der US-amerikanische Autor Werner Larry Beinhart 1986 den Edgar erhielt, die Reihe „Vintage Crime“. Ich kenne von dem Mann nur einen Ratgeber für angehende Krimiautoren, seine Reihe um Tony Cassella ist mir dagegen bisher weder direkt, noch in Form von Querverweisen über den Weg gelaufen. Aber bei dem Namen würde mich alles andere als klassische hardboiled-Kost sehr überraschen. Was den Verlag angeht bin ich dagegen gespannt, ob sich die neue Krimireihe vom Rest des Programms abheben kann.

Erscheinungsdatum: 26. Januar 2017

Tom Bouman | Auf der Jagd

ä

© ars vivendi

Das sagt der Verlag: „In der Nacht, bevor wir die Leiche fanden, konnte ich nicht schlafen.“ So beginnt die Geschichte des US-Dorfpolizisten Henry Farrell, Ex-Somalia-Kämpfer und Witwer, der sich auf einen gemütlichen Job in den gottverlassenen Wäldern im Nordwesten von Pennsylvania eingerichtet hat – und dort eine ganze Weile nicht zum Schlafen kommen wird. Die Einheimischen, dickschädelige, traditionsbewusste Nachkommen irischer Einwanderer, ernähren sich mehr schlecht als recht von dem, was das Land hergibt, ignorieren die Staatsmacht und pflegen ihre Waffen. Doch die Gemeinschaft wird nicht nur von mexikanischen Drogenkartellen und verborgenen Crystal-Meth-Küchen bedroht: Ein Fracking-Unternehmen setzt alles daran, die örtlichen Schiefergasvorkommen auszubeuten und lockt mit viel Geld für Grundstücke. Als einer der Einsiedler eine Leiche auf seinem Land findet, beginnt für Henry Farrell die Jagd nach dem Killer …

Das sage ich: Noch ein Verlag, der sonst eher für Regio-Krimis bekannt ist, und noch ein Buch, das mit dem Edgar ausgezeichnet wurde. Tom Boumans Debüt hat in den USA viele Fans, darunter auch Joe R. Lansdale, den ich mittlerweile zu meinen Lieblingsautoren zähle, weshalb ich das Team von Ars Vivendi nur zu diesem Coup beglückwünschen kann – vor allem, weil der Klappentext fantastisch klingt. Und wenn die großen Verlage immer seltener die wichtigen Krimi-Preisträger übersetzen, müssen eben die kleinen ran.

Erscheinungsdatum: 15. Januar 2017

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Ein Gedanke zu “Vorschau 2016: Teil 16

  1. Schöne Auswahl. Bei Emons bin ich auf diese Reihe auch mal gespannt. Sonst ist dies einer der Verlage, deren Vorschauen mich eher kalt lassen.
    Von ars vivendi habe ich tatsächlich schon einen Krimi gelesen, die haben immer mal wieder etwas Interessantes dabei.

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