Vorschau 2016: Teil 17

Johnson Die lachenden Ungeheuer    Nunn Zeit der Finsternis    Schulz Onno Viets Hirsch    Trouillot Yanvalou für Charlie

2016 laufe ich immer nur hinterher. Jetzt ist es schon so weit gekommen, dass ich bei meiner Jahresvorschau das Nachsehen habe, denn eines der vier Bücher, die ich euch heute vorstellen möchte, ist bereits vor ein paar Tagen erschienen. Aber was soll man machen? Wenn der siebzehnte (!) Teil immer noch nur so vor Hochkarätern strotzt, dann hat man es eben mit einem ungewöhnlichen Krimijahr zu tun. 

Denis Johnson | Die lachenden Ungeheuer

Johnson Die lachenden Ungeheuer

© Rowohlt

Das sagt der Verlag: Roland Nair gibt sich als Däne aus, ist aber mit einem amerikanischen Pass unterwegs. Als er in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, aus dem Flugzeug steigt, schlägt ihm die Hitze Afrikas entgegen. Zehn Jahre war er nicht mehr da, aber jetzt ist er gekommen, um seinen Freund Michael Adriko wiederzusehen, einen Abenteurer, mit dem zusammen er während des Bürgerkriegs eine Menge Geld verdiente. Obwohl Nair die Region für hoffnungslos hält, will er das Glück ein zweites Mal herausfordern. Zu seiner Überraschung kommt der Freund zu ihrem Treffen nicht allein. Er hat eine junge Frau mitgebracht, Davidia St. Claire, eine schwarze Collegestudentin aus Colorado. Die beiden wollen heiraten, und zwar im Kreis von Adrikos Sippe, und Nair soll sie in sein Dorf irgendwo im Grenzland zwischen Uganda und dem Kongo begleiten. Obwohl er den Verdacht hat, dass all das nur ein Vorwand ist, macht er sich mit den beiden auf den Weg. Aber jeder ist jedem ein Rätsel, Interpol, der Mossad und der MI6 sind hinter ihnen her, und die Reise durch ein geheimnisvolles, beklemmendes Afrika führt geradewegs ins Herz der Finsternis.

Das sage ich: Denis Johnson ist einer der größten amerikanischen Schriftsteller unserer Zeit, auch wenn die Regale der Buchhandlungen hierzulande das kaum vermuten lassen. In letzter Zeit scheint er sich vermehrt an Pynchon-Paranoia-Prosa zu versuchen, und so klingt auch sein neuer Roman wie ein Alptraum von einem Politthriller. Wenn dann im Klappentext auch noch auf Joseph Conrad Bezug genommen wird, dann bin ich – Verzeihung, Mr. Johnson – angefixt.

Erscheinungsdatum: 20. Januar 2017

Malla Nunn | Zeit der Finsternis

Nunn Zeit der Finsternis

© Argument

Das sagt der Verlag: Im zutiefst korrupten Apartheidstaat Südafrika geht das Jahr 1953 zu Ende. Fünf Tage vor Weihnachten wird im Johannesburger Villenviertel ein weißes Ehepaar überfallen und bewusstlos geprügelt. Dann verschwinden die Täter mit dem neuen Automobil der Familie Brewer. Die fünfzehnjährige Tochter Cassie hatte sich versteckt und blieb unversehrt. Der Vater erliegt noch in derselben Nacht seinen Verletzungen. Detective Sergeant Emmanuel Cooper hat sich nach Johannesburg versetzen lassen, um hier mit seiner heimlichen Familie ein Doppelleben zu führen, von dem keiner seiner Kollegen etwas ahnen darf, schon gar nicht sein argwöhnischer Vorgesetzter Lieutenant Walter Mason. Andernfalls droht Cooper Berufsverbot und Gefängnis, ganz zu schweigen von den Repressalien, die seine farbige Frau und ihre kleine Tochter zu erwarten hätten: Die Rassentrennungsgesetze sind gnadenlos. Er muss also extrem behutsam lavieren. Die traumatisierte Cassie Brewer sagt aus, für die Bluttat seien zwei Zulu-Jungs verantwortlich, die auf die Förderschule in Sophiatown gehen und von ihrem Vater zum Dinner eingeladen wurden. Zu Coopers Entsetzen ist einer davon Aaron Shabalala, der jüngste Sohn seines besten Freundes und Ermittlungskollegen Detective Constable Samuel Shabalala. Undenkbar! Als das vermisste Auto­mobil fast unversehrt im Slum von Sophiatown gefunden wird, im Kofferraum zusätzliches Belastungsmaterial gegen Aaron Shabalala, schwant Cooper, dass jemand den Jungen als Sündenbock benutzt. Dann zieht Lieutenant Mason ihn von der Ermittlung ab, schickt ihn vorzeitig in Urlaub. Cooper kann jetzt nur noch inoffiziell weitermachen, ein gewagtes Spiel, zumal offenbar jemand Mächtiges die Fäden in der Hand hält. Aber das ist er Shabalala schuldig – und seinem eigenen Gewissen.

Das sage ich: Malla Nunn konnte leider bisher nicht so sehr vom Südafrika-Hype profitieren, zumindest fällt ihr Name in diesem Zusammenhang meiner Meinung nach viel zu selten – vor allem wenn man bedenkt, dass sie den wahrscheinlich konstantesten Output von allen hat. Da der Klappentext schon so unendlich lange ist, fasse ich mich mal kurz: Mit Detective Emmanuel Cooper kann man nichts falsch machen. Ehrenwort.

Erscheinungsdatum: 26. September 2016

Frank Schulz | Onno Viets und der weiße Hirsch

Schulz Onno Viets Hirsch

© Galiani

Das sagt der Verlag: Geplagt von einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung, ist der Privatdetektiv von eigenen Gnaden von Hamburg raus aufs Land geflohen. Denn seit dem dramatischen Fall um den »Irren vom Kiez« ist er nicht mehr er selbst: Nicht nur, dass er an der Pingpongplatte versagt, er leidet vor allem unter ausgewachsenen Panikattacken, die seine Tage zur höllischen Qual werden lassen. Dörflichkeit und kuscheliger Schoß der Schwiegerfamilie sollen für Linderung sorgen. Doch natürlich stolpert Onno auch in Finkloch unfreiwillig in finstere Machenschaften, bei denen nicht nur gekreuzigte Pharaonenkatzen und Schusswaffen eine gewichtige Rolle spielen, sondern auch die »Katzenzenzi«, exilbayerische Esoterikerin, die es vom Astro-TV ins norddeutsche Dorf verschlagen hat, wo sie sich mit Vollmondseminaren eine goldene Nase verdient. Bald schon überschlagen sich die Ereignisse, es gibt sogar einen Toten …

Das sage ich: Frank Schulz ist der einzige Mann in meinem Leben, der mir das Herz gebrochen hat – und zwar mit seinem letzten Onno-Roman. Ich muss einfach wissen, warum. Alleine deshalb werde ich dieses Buch lesen, auch wenn ich dafür in Kauf nehmen muss, diesen grausamen Wortverdreher finanziell zu unterstützen… Ach, Onno! Was ist dir nur widerfahren?

Erscheinungsdatum: 8. September 2016

Lyonel Trouillot | Yanvalou für Charlie

Trouillot Yanvalou für Charlie

© Liebeskind

Das sagt der Verlag: Mathurin Saint-Fort ist ein junger, ehrgeiziger Anwalt, der es aus einfachen Verhältnissen in höhere Gesellschaftskreise gebracht hat. Er weiß, je weiter oben man ist, desto besser kann man auf die anderen herabschauen. Aber dann steht eines Tages der vierzehnjährige Charlie vor seiner Haustür und gibt vor, aus demselben Dorf zu stammen wie Mathurin. Charlie ist nach einem verunglückten Raubüberfall auf der Flucht und bittet den Anwalt um Hilfe. Gegen seinen Willen und von einem auf den anderen Tag wird Mathurin in einen Teufelskreis aus Armut und Gewalt gezogen, und schon bald muss er einsehen, dass alles, worauf er seine Existenz gründet, eine fatale Illusion ist.

Das sage ich: Bisher waren die Bücher von Gary Victor die einzigen Krimis aus Haiti, die ich kannte. Umso gespannter bin ich auf diesen Roman, der verspricht, dieses Land aus einer gänzlich anderen, vielleicht weniger stilisierten Perspektive zu betrachten. Aber was bringt die Spekulation: „Yanvalou für Charlie“ steht schon sehnsüchtig wartend im Regal und ist bereit, Antworten zu geben.

Erscheinungsdatum: 22. August 2016

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3 Gedanken zu “Vorschau 2016: Teil 17

  1. Malla Nunn werde ich lesen. TAL DES SCHWEIGENS war großartig. Und es war eine Abwechselung zu anderen südarfrikanischen Autoren wie Mike Nicol, der inzwischen ermüdend wirkt, von dem ich den Eindruck habe, dass er immer wieder sich ähnelnde Geschichten erzählt. Mit Malla Nunn ist eine frische Brise aus SA gekommen.

    Gefällt 2 Personen

    • Da geht es mir bei Malla Nunn genauso wie Philipp. Den einzigen Mike Nicol Thriller, den ich bisher gelesen habe, der war austauschbar und hätte auch irgendwo anders spielen können.
      Und Gary Victor bekommt Konkurrenz…. so, so. Ich fänds ja auch gut, wenn Gary Victor weiter übersetzt würde…. 😀

      Gefällt 1 Person

  2. Bei Malla Nunn habe ich mir geschworen, dass ich mit Band 1 beginne. Und so ist es leider dazu gekommen, dass ich noch gar nichts von ihr gelesen habe. Aber ich gelobe Besserung.
    Am interessantesten in dieser Auswahl finde ich ja das Buch von Denis Johnsen. Joseph Conrad, Herz der Finsternis, Mossad, MI6 – das klingt verdammt gut.

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