Vorschau 2017: Teil 2

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Ein alter Bekannter, ein Preisträger, ein Debüt und der Start einer Krimireihe – so sieht die Auswahl meiner zweiten Vorschau für diese Jahr aus. Es geht vom zerrütten Port-au-Prince ins brandgefährliche Kingston, von einem Dubliner Waisenhaus in den Knast von Chicago und wieder hinaus. Dabei geben sich ein ständig betrunkener Inspektor, Bob Marley, ein Dreamteam aus Hippie und Schauspielerin sowie – im weitesten Sinne – eine Putzkraft, die auf Kugeln als Putzmittel schwört und bei dem Wort „Mob“ nicht zuerst ans Wischen denkt, die Ehre. Das kann ja heiter werden.

Gary Victor | Suff und Sühne

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© Litradukt

Das sagt der Verlag: Inspektor Dieuswalwe Azémar hat keine Wahl: Will er nicht aus dem Polizeidienst entlassen werden, muss er sich der Entziehungskur unterziehen, die sein neuer Vorgesetzter ihm verordnet hat. Der Entzug wird zu einem Gang durch die Hölle. Ausgerechnet in diesem geschwächten Zustand wird Azémar in ein Komplott hineingezogen, das sein Leben und das seiner Tochter bedroht. Die Spur führt zur MINUSTAH, der UN-Mission in Haiti. Was steckt hinter dem angeblichen Selbstmord eines Generals? Warum wurde der Sohne einer mächtigen Unternehmerfamilie entführt. Was hat der Bandenchef mit dem seltsamen Namen Raskolnikow damit zu tun? Die Ermittlungen für Dieuswalwe Azémar zu einem Wettlauf mit der Zeit und einer schmerzhaften Reise in die eigene Vergangenheit. Als er begreift, wie alles zusammenhängt, ist er ein weiteres Mal auf seine Beretta und seine Reflexe angewiesen …

Das sage ich: Gary Victors Bücher sind nicht nur hervorragend geschrieben, sondern auch bitter notwendig. Haiti hängt seit Jahren im toten Winkel der öffentlichen Wahrnehmung fest, obwohl das Land immer wieder von Katastrophen unterschiedlichster Art heimgesucht wird. Erst vor wenigen Monaten wurde die Insel von Hurrikan Matthew heimgesucht. Außerdem schafft man es dort seit gut einem Jahr nicht, ein rechtmäßig gewähltes Oberhaupt an die Spitze des Staates zu setzen. Warum? Lest Gary Victor. Der großartige Titel sollte eigentlich schon Motivation genug sein. Ab März befindet sich der Autor sogar auf Lesereise durch Deutschland – weitere Informationen sowie die Termine findet ihr auf der Homepage des Verlags.

Erscheinungsdatum: 10. März

Marlon James | Eine kurze Geschichte von sieben Morden

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© Heyne Hardcore

Das sagt der Verlag: Jamaika, 1976: Sieben bewaffnete Männer dringen in das Haus des Reggae-Musikers Bob Marley ein und eröffnen das Feuer. Marleys Manager wirft sich schützend über ihn und erleidet dabei lebensgefährliche Verletzungen. Marleys Frau Rita wird ebenfalls schwer verwundet, er selbst bleibt mit leichteren Verletzungen an Armen und Brust zurück. Wer waren die Täter? Was waren ihre Motive? Ausgehend von dem Attentat und den Spekulationen, die sich darum ranken, entwirft Marlon James ein vielseitiges Stimmungsbild Jamaikas in den 70er und 80er Jahren voll Gewalt, politischer Willkür, Drogen und Intrigen, ausgestaltet bis ins kleinste Detail.

Das sage ich: Das verspricht eines der interessantesten Bücher des Jahres zu werden. Marlon James ist nicht nur der erste Jamaikaner, der den Man Booker Prize erhielt, seine Erfolgsgeschichte liest sich auch wie ein kleines Märchen. Ursprünglich Werbetexter für heimische Künstler wie Sean Paul, wurde James von einer amerikanischen Universitätsprofessorin entdeckt und wird mittlerweile als eine der größten literarischen Sensationen des englischsprachigen Raumes gehandelt. Aktuell schreibt er sozusagen im amerikanischen Exil, da er als bekennender Homosexueller in seinem Heimatland nicht sicher war. Ähnlich wie Gary Victor erzählt er in seinen Büchern von einer Realität, die in den Medien so gut wie nicht stattfindet.

Erscheinungsdatum: 13. März

Jess Kidd | Der Freund der Toten

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© Dumont

Das sagt der Verlag: Der charmante Gelegenheitsdieb und Hippie Mahony glaubte immer, seine Mutter habe ihn aus Desinteresse 1950 in einem Waisenhaus in Dublin abgegeben. Sechsundzwanzig Jahre später erhält er einen Brief, der ein ganz anderes, ein brutales Licht auf die Geschichte seiner Mutter wirft. Mahony reist daraufhin in seinen Geburtsort, um herauszufinden, was damals wirklich geschah. Sein geradezu unheimlich vertrautes Gesicht beunruhigt die Bewohner von Anfang an. Mahony schürt Aufregung bei den Frauen, Neugierde bei den Männern und Misstrauen bei den Frommen. Bei der Aufklärung des mysteriösen Verschwindens seiner Mutter hilft ihm die alte Mrs Cauley, eine ehemalige Schauspielerin. Furchtlos, wie sie ist, macht die Alte nichts lieber, als in den Heimlichkeiten und Wunden anderer herumzustochern. Sie ist fest davon überzeugt, dass Mahonys Mutter ermordet wurde. Das ungleiche Paar heckt einen raffinierten Plan aus, um die Dorfbewohner zum Reden zu bringen. Auch wenn einige alles daran setzen, dass Mahony die Wahrheit nicht herausfindet, trifft er in dem Ort auf die eine oder andere exzentrische Person, die ihm hilft. Dass es sich dabei manchmal auch um einen Toten handelt, scheint Mahony nicht weiter zu stören …

Das sage ich: In Großbritannien überschlagen sich die Kritiker. Das Debüt der Londoner Autorin, die Teile ihrer Kindheit in Irland verbracht hat, provoziert Vergleiche von Dylan Thomas bis Flann O’Brien und lässt sich nicht so recht irgendeinem Genre oder Stil zuordnen. Detektivgeschichte? Geistergeschichte? Magischer Realismus? Egal. Hauptsache das Buch kann was. Während wir in Deutschland noch bis Mai darauf warten müssen, schreibt die Autorin bereits an ihrem nächsten Roman.

Erscheinungsdatum: 19. Mai

Steve Hamilton | Das zweite Leben des Nick Mason

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© Droemer

Das sagt der Verlag: Nick Mason war immer ein sauberer Gangster – soweit das in seinem Gewerbe möglich ist. Bis einer seiner Kumpels einen verdeckten Ermittler erschoss. Nick hielt sich an den Ehrenkodex, verriet seinen Komplizen nicht und ging in den Bau. Totschlag, Mindeststrafe: 25 Jahre. Im Gefängnis wird Darius Cole, der Pate von Chicago, auf ihn aufmerksam und macht ihm ein verlockendes Angebot: Nick soll Coles Mann für besondere Aufgaben werden, sein Ausputzer – und dafür wird er ihn raushauen. Und so ist Nick nach fünf Jahren wieder draußen. Eigentlich könnte er jetzt sein Leben in Freiheit genießen. Wenn da nicht dieses Handy wäre, das man ihm bei der Rückkehr nach Chicago überreicht hat. Wann wird es das erste Mal klingeln?

Das sage ich: Aufmerksame LeserInnen wissen: Dieses Buch wurde hier bereits vorgestellt, im Rahmen meiner Jahresvorschau von 2015 (!). Damals war es noch für den Februar 2016 angekündigt, und jetzt, mehr als ein Jahr später, soll es dann auch tatsächlich mal erschienen. An meiner Einschätzung von damals hat sich nicht viel geändert, wenn überhaupt ist meine Vorfreude noch gewachsen. Bekannt ist mittlerweile auch, das „Das zweite Leben des Nick Mason“ nicht der letzte Auftritt des titelgebenden Cleaners sein wird. Der Mann geht in Serie. Hoffen wir nur, dass wir auf die Nachfolgebände nicht auch wieder so lange warten müssen.

Erscheinungsdatum: 1. März

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3 Gedanken zu “Vorschau 2017: Teil 2

  1. Dieses Frühjahr hält viele vielversprechende Novitäten bereit – am meisten freue ich mich auf Marlon James und Jess Kidd, aber auch Steve Hamilton sollte ich noch einmal probieren, wenn ich die Inhaltsangabe hier so lese …

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