CrimeMag 2/2017

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Literatur – und ganz besonders jene, die Verbrechen in den Mittelpunkt rückt – sagt immer auch etwas über die Umgebung aus, in der sie entsteht. Ausgehend davon habe ich für das neue CrimeMag über Trump, amerikanische Mythen und den Wert von Erzählungen geschrieben. Illustriert habe ich das Ganze am Beispiel dreier Romane aus dem Polar Verlag: „Ein einziger Schuss“ von Matthew F. Jones, „Nach mir die Nacht“ von Benjamin Whitmer und meinem Highlight des Jahres 2017, Jon BassoffsZerrüttung„. Mein Fazit: Wer (Krimis) liest, ist klar im Vorteil.

„Nicht umsonst findet sich 1984 gerade auf den Bestsellerlisten wieder, nicht umsonst hat Crime Mag immer wieder amerikanische Autoren wie Thomas Adcock und Joe R. Lansdale zu Wort kommen lassen. Lesen Sie. Nehmen Sie eines der vorgestellten Bücher zur Hand. Greifen Sie zu Ross Thomas, oder zu Fear and Loathing on the Campaign Trail von Hunter S. Thompson, wenn Sie wissen möchten, wie das politische System dort drüben tickt. Entdecken Sie, wie Alf Mayer es bereits im Oktober 2013 vorschlug, Alexis de Tocqueville wieder, der wie kein Zweiter über die Verbindung von Politik und der Beschaffenheit des Landes geschrieben hat. Oder Ambrose Bierce, den vielleicht bissigsten Kommentator der amerikanischen Literaturgeschichte, der Wahlen einst als „instrument and symbol of a freeman’s power to make a fool of himself and a wreck of his country“ bezeichnete. Es sind Erzählungen, die unsere Welt erfahrbar machen, und es sind Erzählungen, die sie zusammenhalten. Lassen Sie nicht zu, dass alles auseinanderfällt. Lesen Sie.“

Hier gibt es den Rest.

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9 Gedanken zu “CrimeMag 2/2017

  1. „Country Noir“ scheint, natürlich auch durch White-Trash-Wählerschaft Trumps, derzeit sehr gefragt zu sein. Peter von „Crimenoir“ hat sich ja auch vor kurzem mit dem Thema beschäftigt. Und ich habe mit „Provinzen der Nacht“ gerade ebenfalls ne Lektüre zur Hand, die durchaus Querschnitte zu besagtem Sub-Genre hat.- Hut ab, vor Deinem Artikel. Kann da immer nur ehrfürchtig staunen, wenn einige Blog-Kollegen so leichtfüßig ihre Kolumnen raushauen. Ich breche mir schon bei einer normalen Rezension über drei, vier Stunden einen ab.

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  2. Hervorragender Artikel. Unter anderem dank dir habe ich jetzt mit Bassoff angefangen.
    Was ich jetzt noch mal herausfinden will: Ist Country Noir nur ein (US-)amerikanisches Genre? Kann doch eigentlich nicht sein. Wo sind denn die europäischen Country Noirs?

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    • Hm, gute Frage. Der „Country Noir“ lebt schon irgendwie von den Parallelgesellschaften des Mittleren Westens und der Abgeschiedenheit der Kleinstädte, die das dicht besiedelte Europa in diesem Ausmaß ja eigentlich nicht aufweist. Was nicht heißt, dass es keine Titel gibt, die von den Kriterien her mit den amerikanischen Vertretern vergleichbar wären. Ein „Das finstere Tal“ von Thomas Willmann würde zwar nie als „Country Noir“ vermarktet, weist aber meines Erachtens schon ein paar Gemeinsamkeiten auf. Ein einsam gelegenes Hochtal. Menschen, die abgeschnitten von der Außenwelt leben. Unberührte, schroffe Wildnis. Skepsis gegenüber allem Fremden.

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      • Diesen „frontier“-Begriff, den haben wir in Europa natürlich so nicht, aber perspektivlose, abgelegene Gegenden a la Ozarks, die gibt’s doch auch. „Das finstere Tal“ habe ich mir in dem Zusammenhang tatsächlich notiert. Habe mir jetzt den russischen Roman „Asche und Staub“ besorgt, der klingt erstmal nicht schlecht, aber ob es tatsächlich ein Country Noir ist, werde ich noch sehen.

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    • Das ist schwierig zu beantworten, da spielen mehrere Gründe eine Rolle:

      Zum einen hat Woodrell das „Genre“ ja quasi aus Versehen ausgerufen, es ist daher fragwürdig, inwiefern man überhaupt von einem Genre sprechen kann. Vielleicht haben wir es auch nur mit einem Label zu tun, da sind in diesem Fall die Grenzen sicher fließend. Wenn es also überhaupt möglich ist, zwischen Country-Noir und Nicht-Country-Noir zu unterscheiden, dann sollte man vielleicht zuallererst auf die Werke von Woodrell schauen – und der steht nunmal in einer Tradition anderer Autorinnen und Autoren. Das was er schreibt, lässt sich in der amerikanischen Literaturgeschichte schön einordnen, das ist historisch gewachsen. Andernorts gibt es andere Traditionen und dementsprechend andere Bücher.

      Zudem ist der Zusammenhang zwischen Landschaft und Verhältnissen, das „Wilde“, nicht überall gegeben. In Deutschland haben wir bspw. sicherlich wirtschaftlich schwache Gegenden, und wir haben mit dem Wald auch ein mythisch aufgeladenes natürliches Element, aber ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Dingen lässt sich schwerlich konstruieren. Was wir dagegen schon finden, ist Literatur, die sich, ähnlich wie die Bücher von Thompson oder King, mit dem Horror der Kleinstädte auseinandersetzt. Ani hat das zuletzt getan, Jan Brandt hat es getan, Ralf Rothmann und einige mehr. Das „Country“-Element fehlt aber.

      In anderen Ländern mag das durchaus anders sein, das kann ich nicht gut genug beurteilen, aber ich finde es fraglich, ob sich die Literatur, die dort entsteht, in ein wie auch immer geartetes Country Noir Genre einordnen ließe. Wie ich auf Facebook als Einleitung zu diesem Beitrag schrieb: Literatur verrät etwas über ihre Umgebung, und die Umgebung, in welcher der Country Noir entsteht, ist eine andere als die, in der europäische Krimis entstehen – trotz Überschneidungen. In jedem Fall hätten wir es also mit einer Form von „Übersetzung“ zu tun, für die sich sicherlich ein treffenderer Name finden würde.

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      • Du hast auf jeden Fall natürlich recht mit der amerikanischen Erzähltradition. Mein Einwurf war vielleicht etwas zu simpel formuliert.
        Dennoch, wenn ich ein paar Grundelemente herauspicke, die ich mit einem Country Noir verbinde, wie abgehängte, ländliche Räume, symbolhafte Landschaft, unterprivilegierte Menschen, Gewalt, Kriminalität, Fatalismus, dann behaupte ich mal, dass das auch in Europa funktioniert. Gibt’s vermutlich auch schon, ich habe sowas nur noch nicht gelesen. Aber das Label ist wahrscheinlich ein anderes.

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