Zoë Beck in Cannstatt: Zehn Fakten

Beck in Cannstatt

Als letztes Jahr Franz Dobler für die „Stuttgarter Kriminächte“ zu einer Lesung vorbeikam, habe ich die Location folgendermaßen beschrieben:

„Die Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt versprüht diesen gewissen Tennissocken-Charme: Regale in der Farbe von billigem Zahnersatz, Licht, bei dem man froh ist, dass nirgendwo Spiegel hängen und ein Teppichboden, dessen Borsten man selbst durch die dickste Schuhsohle zu spüren glaubt. Die warme Weinschorle für einen Euro rundet den Gesamteindruck ab und macht ihn geschmacklich erfahrbar.“

Daran hat sich auch 2018 nichts geändert.

Es gibt jetzt allerdings eine Reihe spacige roter Lichter, von denen ich nicht sagen kann, welchem Zweck sie dienen. Sind sie Teil der Alarmanlage? Oder sollen sie das oben beschriebene Ambiente etwas aufwerten? Zugegeben: Als Zoë Beck zu lesen begann, fügten sie sich einigermaßen gut in das Zukunftsszenario ein, dass die Autorin in ihrem Roman „Die Lieferantin“ entwirft.

Auch diesmal sind mir – schon alleine der Kongruenz wegen – zehn Dinge im Gedächtnis geblieben:

  1. Der Regionalkrimi war schon mal schlimmer.
  2. Zoë Becks Bücher spielen deshalb so häufig in Schottland, weil ihr damaliger Verlag bei einem deutschen Schauplatz von ihr einen Regionalkrimi à la „Hauptsache die Straßennamen sind richtig geschrieben“ erwartet hätte – der idealerweise am Bodensee spielt. Also schlug sie Nordengland vor. Es wurde dann Schottland, weil der Verlag noch keine Schottland-Krimis im Repertoire hatte.
  3. Der Schutzgeldeintreiber im Fußboden aus „Die Lieferantin“ ist von einem realen Fall inspiriert.
  4. Zoë Beck scheint eine angenehme Mitfahrerin zu sein, hört man. Obwohl sie eigentlich lieber selbst fährt.
  5. Gemessen an dem, was die Autorin aus ihrem aktuellen Roman in Bad Cannstatt zum Besten gab, könnte „Die Lieferantin“ ihr bis dato witzigstes Buch sein. Man braucht natürlich einen gewissen Hang zum schwarzen Humor, aber haben den Krimi-Leser nicht sowieso?
  6. Zoë Beck sollte ihre Bücher selbst einlesen. Wer sie schon mal Vorlesen gehört hat, weiß was ich meine.
  7. Das Darknet ist gar nicht so spannend, wie immer getan wird. Es ist vor allem langsam und sieht auch entsprechend aus. Dafür gibt es beim Drogenkauf von Dealern selbst fotografierte Ware zu sehen und manchmal sogar eine Anleitung zum korrekten Konsum obendrauf. Zitat: „Ein bisschen wie DaWanda. Als würde man Sachen aus Strickwolle kaufen.“
  8. Die großen Verlage“ möchten sich dem Bündnis „Verlage gegen Rechts“ nicht anschließen. Zoë Beck muss gar nicht sagen warum, das Publikum kommt von selbst auf Ideen. Zitat von meinem Hintermann: „Die wollet halt koi Geld verliere.
  9. In der Stadtteilbibliothek gibt es immer noch viel zu warmen Weißwein für’s nicht rotweinaffine Publikum.
  10. Zoë Beck schreibt schnell. Und langweilt sich auch schnell. Dafür antwortet sie gerne und ausführlich auf Fragen. Auch dann, wenn man diese aus irgendwelchen Gründen nicht vor dem versammelten Publikum stellen möchte.

Zum Abschluss nur so viel: Lesungen dieser Autorin sollte man besuchen, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Man erfährt erstaunliche Dinge, es gibt viel zu lachen, vor allem aber wird so gut vorgelesen, dass man sich völlig in den Roman-Auszügen verlieren kann. Nur müde sollte man nicht sein – angenehme Vorlesestimmen laden bekanntermaßen zum Einschlafen ein. Da kann das Vorgelesene, wie im Fall von Zoë Beck, noch so spannend sein.

 

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4 Gedanken zu “Zoë Beck in Cannstatt: Zehn Fakten

  1. Ach, sehr schade. Da kommt Zoe Beck denn mal in den Süden und ich bin krank und kann nicht hin.
    Sehr schön, dass Du die Chance genutzt hast und Danke für den Beitrag. So fühl ich mich wenigstens ein wenig so, als wäre ich dabei gewesen.

    Gefällt 1 Person

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