Kurzer Brief zum langen Abschied

Nicht gleich erschrecken.

Wie ihr sicherlich alle gemerkt habt, ist es hier etwas ruhig geworden. Das liegt daran, dass ich momentan an meiner Bachelorarbeit sitze, die sich als widerspenstiger erwies, als ich zu Beginn angenommen hatte. Deshalb werden auch in den nächsten Wochen erst einmal keine neuen Beiträge auf diesem Blog erscheinen.

Sobald ich meinen Kopf aus den Bergen von Fachliteratur herausgezogen habe – was etwas Mitte Juni der Fall sein dürfte – beschäftige ich mich dann wieder mit dem Kriminalroman. Es gibt einiges nachzuholen. So viel sei schon mal verraten: Mit einer schnöden Rezension werde ich mich nicht zurückmelden. Stattdessen ist etwas Besonderes geplant, und ich freue mich jetzt schon darauf, es mit euch zu teilen.

Auf ein baldiges Wiederlesen,

Euer Schneemann

 

„I wish I was in Carrickfergus“

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© Suhrkamp

Wenn man von Belfast aus auf dem M5 Richtung Norden fährt, und die Irische See zur Rechten irgendwann von einer Tankstelle, einer Autowerkstatt und einem Brautmodengeschäft abgelöst wird, dann hat man nur noch einige hundert Meter vor sich, bis es in Sichtweite kommt: Carrickfergus Castle. Grauer Stein, runde Türme, über achthundert Jahre irische Geschichte vor der schäumenden Gischt des Belfast Lough. Hätte ich im März letzten Jahres schon gewusst, dass der Mann, wegen dem ich in die Stadt gekommen war, bald ein Buch schreiben würde, das teilweise innerhalb dieser Mauern spielt, hätte ich vielleicht die fünf Pfund für den Eintritt locker gemacht. Hätte das massive Fallgitter begutachtet. Hätte mir das Mörderloch etwas genauer angesehen. Hätte nach dem Kerker gefragt. Und ganz sicher hätte ich überlegt, ob es einen Möglichkeit gibt bei geschlossenem Tor aus dieser Festung zu entkommen. Wie heißt es so schön: Hätte, hätte, Beweismittelkette. Weiterlesen

„Der Mensch ist ein schönes, böses Tier“

Fest der Finsternis von Ulf Torreck

© Heyne

Paris im Jahre 1805: Die Französische Revolution ist vorüber, der Blutdurst der Guillotinen scheint gestillt, die Ordnung wiederhergestellt. Da tauchen in den stinkenden Gassen der Weltmetropole nach und nach die Leichen junger Frauen auf. Inspektor Marais, der hunderte Kilometer weiter westlich, in der pestgeplagten Bretagne den Verlust seiner Frau und seines Sohnes beklagt, wird vom Polizeipräfekten persönlich in die Hauptstadt bestellt,  um sich der mysteriösen Mordfälle anzunehmen. Doch es gibt Dinge, die auch einen erfahrenen Mann wie Marais überfordern. Unterstützung sucht er sich ausgerechnet in der Nervenheilanstalt von Charenton, wo der vielleicht berühmteste, mit Sicherheit aber berüchtigste Schriftsteller Frankreichs festgehalten wird: Der Marquis de Sade. Gemeinsam nehmen die beiden ungleichen Partner die Ermittlungen auf, und es dauert nicht lange, bis sie sich einem Netz aus ungeheuerlichen Geschichten um okkulte Riten und einen geheimen Satanistenorden verfangen haben, das vom Hinterzimmer eines Bordells bis in die höchsten Kreise der Macht reicht. Weiterlesen

Vorschau 2017: Teil 2

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Ein alter Bekannter, ein Preisträger, ein Debüt und der Start einer Krimireihe – so sieht die Auswahl meiner zweiten Vorschau für diese Jahr aus. Es geht vom zerrütten Port-au-Prince ins brandgefährliche Kingston, von einem Dubliner Waisenhaus in den Knast von Chicago und wieder hinaus. Dabei geben sich ein ständig betrunkener Inspektor, Bob Marley, ein Dreamteam aus Hippie und Schauspielerin sowie – im weitesten Sinne – eine Putzkraft, die auf Kugeln als Putzmittel schwört und bei dem Wort „Mob“ nicht zuerst ans Wischen denkt, die Ehre. Das kann ja heiter werden. Weiterlesen

„Ha! Ha! Said the Clown“

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© Suhrkamp

Dass hinter der gestriegelten Fassade amerikanischer Kleinstädte und Dörfer das Böse lauert, wissen wir alle. Stephen King hat es uns erzählt. Jim Thompson. Carsten Stroud. David Lynch hat auf dieser Erkenntnis aufbauend gar das Medium Fernsehserie revolutioniert. Und in Deutschland? Friede, Freude, Eierkuchen. Hier haben wir Regionalkrimis, die den Status Quo glasieren, damit die Fassade umso schöner glänzt. In diesen Büchern sind die Menschen nicht böse, nur ein bisschen eigen, und das auf so eine harmlos-liebenswürdige Art, dass man sie am liebsten mit der NS-Vergangenheit ihrer (Groß-)Eltern konfrontieren möchte, nur um eine authentische Gefühlsregung zu provozieren. So realitätsfern diese Art von Literatur auf den ersten Blick auch wirken mag, so realitätsnah erscheint sie auf den zweiten. Dort wo jeder jeden kennt und man sich ständig über den Weg läuft, ist man irgendwann zu der stillen Übereinkunft gekommen, Kuschel- statt Konfrontationskurs zu fahren. Was hinter verschlossenen Türen und an abgelegenen Plätzen passiert, geht niemanden etwas an. Friedrich Ani zerrt es in „Nackter Mann, der brennt“ ans Tageslicht. Weiterlesen

Vorschau 2017: Teil 1

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Den ersten Monat des neuen Jahres habe ich irgendwie verpasst. Zu viel zu tun. Über die vielen guten Bücher, die im Januar erschienen sind, habt ihr euch bestimmt schon anderweitig informiert, weshalb ich direkt mit dem Februar einsteigen werde – gerade noch rechtzeitig. Dafür gibt es am Ende etwas Musik.  Weiterlesen