Auf ein Getränk mit … Ulf Torreck

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© Eric Weiss

Frankfurter Buchmesse 2016. Freitag. Ich treffe Ulf Torreck (vielen besser bekannt als David Gray) am Stand vom Pendragon Verlag. Wir versuchen dem Messegedrängel auszuweichen und pflanzen uns draußen in der Kälte auf eine Bierbank. Bei einer Cola – wir hatten Bier vereinbart, aber kommen stumm überein, das Thema gar nicht erst anzuschneiden – erzählt er mir vom Leben als Autor und von seinem neuen Roman, Fest der Finsternis. In unserem sehr umfangreichen Gespräch erfahre ich außerdem, wer den Literaturnobelpreis hätte gewinnen sollen, warum man sich besser nicht mit einer Mafiadonna anlegt, und wie Lesen uns vor dem Bösen in der Welt schützen kann. Weiterlesen

Schneemann goes #fbm16: Der Donnerstag

Erster Termin des Tages: Elmar Krekeler interveiwt Friedrich Ani am Stand der WELT. Es geht um sein neues Buch „Der nackte Mann, der brennt„. Ein Wasserglas taucht vor dem Autor im Bob Dylan T-Shirt auf, er schaut es irritiert an und meint süffisant zu seinem Gastgeber: „Wenn ich solange stehen muss, hätte ich eigentlich lieber ein Bier.“ Der sagt natürlich: „Kein Problem„, aber plötzlich will der Autor doch keines mehr, und so ähnlich läuft dann auch der Rest des Gespräches ab. Elmar Krekeler fragt, Friedrich Ani tänzelt um die Fragen herum, weicht den allzu persönlichen aus und lässt dabei Sätze vom Stapel, die das Publikum aufhorchen lassen. „Ich wollte den Dörfern in Oberbayern ein Denkmal setzen„, beschreibt er zum Beispiel die Arbeit an seinem Roman, nur um kurz darauf zu spezifizieren, was für ihn so ein oberbayrisches Dorf ausmacht: „Kirche, Fußball, Kindesmissbrauch.“ Den Titel habe er dem Song „Naked Man Burning“ entnommen. „Kann man nicht googlen, weil der ist von mir und ich hab ihn nicht veröffentlicht – zurecht.“ Weiterlesen

Vorschau 2016: Teil 18

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Irgendwann ist Schluss. Nach bereits siebzehn Ausgaben meiner Jahresvorschau stelle ich heute zum letzten Mal die Titel vor, auf die ich mich in diesem gar nicht mehr so lange andauernden Jahr am meisten freue. 2017 muss ich wohl früher aufstehen, wenn ich mit der Flut an tollen Neuerscheinungen Schritt halten will – sofern sie denn nicht abreißt. Bisher gibt es allerdings keinen Grund zu dieser Annahme, ganz im Gegenteil: Wenn es einen anhaltenden Trend der letzten Jahre gibt, dann den, dass immer mehr Verlage im Krimi-Geschäft mitmischen wollen. Das zeigt sich auch diesmal. Weiterlesen

„Dies ist kein Albtraum, dies ist ein Todeskampf.“

Strunk Der goldene Handschuh

© Rowohlt

In meinem Heimatort gibt es eine Kneipe, deren Besitzer den gleichen Nachnamen wie ich trägt. Sie befindet sich im ansonsten leer stehenden, abgeriegelten Bahnhofsgebäude und bietet Leuten eine Zuflucht, denen man auf der Straße nur selten begegnet – entweder, weil sie sich dort nicht aufhalten, oder, weil man ihnen aus dem Weg geht. Sie sitzen tagtäglich am Tresen, schwitzen, poltern, saufen und inhalieren dabei Kippenschachteln. Bis vor ein paar Jahren gab es einen, der blaugraue Rauchkringel aus einem Loch im Hals pusten konnte, an das er sonst eine elektronische Sprechhilfe hielt. „Warum soll ich jetzt noch aufhören?“, sagte er mit seiner Roboterstimme, wenn man ihn darauf ansprach. „Der Kehlkopf ist doch sowieso schon futsch.“ Sonst redete er nicht viel. Ich weiß nur, dass er kaltes Bier nicht ausstehen konnte und niemanden mehr hatte. Jetzt ist er schon ein paar Jahre unter der Erde, und alle, die noch regelmäßig an ihn denken, sitzen in versifften Jogginganzügen in der kleinen Bahnhofskneipe und folgen ihm Glas um Glas, Zigarette um Zigarette nach. Ohne dass es jemanden mitbekommt.    Weiterlesen

Fight Club

Bill Geschmack der Gewalt

© Suhrkamp

Selten haben Cover und Titel so gut zu einem Roman gepasst wie bei Frank BillsDer Geschmack der Gewalt“. Man möchte fast sagen: Wie die Faust aufs Auge. Denn die blutige Ansammlung charakteristisch verschränkter Finger, die dem Leser von der Frontseite entgegenschlägt, weckt Erinnerungen, die sich wie warmes Eisen auf die Zunge legen. Und auch der Autor selbst versteht sehr viel vom Spiel mit den Sinneseindrücken. „Donnybrook“, so der ebenfalls passende, wenn auch etwas unspektakuläre Originaltitel, riecht auf jeder Seite nach Ammoniak, nach Schwefel, nach Rauch, Alkohol und menschlichen Ausdünstungen. Man spürt jeden Satz in den Zähnen, man schmeckt Blut, Säure und, nun ja, Gewalt eben. Gute Arbeit, Suhrkamp, der von euch gewählte Titel macht eine ausführliche Rezension beinahe überflüssig. Doch auch wenn die ästhetische Aufmachung durchaus zu überzeugen weiß – ein „schönes“ Buch ist „Der Geschmack der Gewalt“ ganz sicher nicht. Weiterlesen

Verlosung zum Osteuropa-Spezial

Das Team von Kaliber.17 verlost „21:37 von Mariusz Czubaj.

Kaliber.17 | Krimirezensionen

Vorgreifend auf die morgige Radiosendung von Der Schneemann auf der Wüsten Welle darf ich euch schon verraten, dass Alex in seinen Sendungen üblicherweise einen Roman verlost. Wir schmeißen dieses Mal noch einen weiteren in den Topf, und zwar 21:37, den ersten Band der Reihe um Kommissar Rudolf Heinz des Autors Mariusz Czubaj.

Die Rezension zu diesem Krimi erschien gesten: klick

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Mariusz Czubaj | 21:37

Monika von Kaliber.17 hat sich ebenfalls einen polnischen Krimi vorgenommen.

Kaliber.17 | Krimirezensionen

In der Nähe des Olympia-Zentrums in Warschau werden die Leichen zweier junger Männer gefunden. Die Opfer waren Schüler eines örtlichen Priesterseminars. Vor ihrem Tod wurden sie grausam gefoltert, der Mörder hat ihnen anschließend die Zahlen 21 und 37 ins Gesicht geschrieben. Beziehen sich diese auf den Todeszeitpunkt von Johannes Paul II.? In welchem Zusammenhang stehen diese Morde zum Tod des Papstes?

Der Autor Mariusz Czubaj hat seinen Plot im Bereich eines polnischen Priesterseminars angesiedelt; die ersten Opfer sind zwei Seminaristen, deren Leichen so hergerichtet sind, dass alles auf einen Racheakt gegen Schwule hindeutet.

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Vorschau 2015: Teil 14

einzlkind Billy     Stroud Der Aufbruch     Colize Back Up     Ortuno Die Verbrannten

Jetzt ist tatsächlich schon wieder ein Monat vergangen seit Teil 13 meiner Jahresvorschau. Dabei gibt es immer noch einige Bücher, die ich noch nicht erwähnt habe, bei denen ich aber beim Durchblättern der Verlagsvorschauen hängen geblieben bin. Trotzdem, irgendwann muss Schluss sein. Diese Rubrik wird heute mit einem letzten Post geschlossen. Bei der Fülle an qualitativem Material kommt man mit dem Lesen ohnehin nicht hinterher. Weiterlesen

Heimlichtuerei im Hinterzimmer

lehane bargeld

© Diogenes

Es ist noch nicht so lange her, da hat der Münchner Kunstmann-Verlag einen der ganz großen amerikanischen Krimiautor exhumiert: George Vincent Higgins. Ein fantastischer Erzähler, der uns mitnimmt in die Hinterzimmer der Bostoner Unterwelt, wo die Kleinganoven unter sich sind, und die Waffen Worten weichen müssen. Seitdem ich das Dialogfeuerwerk „Die Freunde des Eddie Coyle“ gelesen habe, ist „Reservoir Dogs“ von Tarantino für mich nur noch eine Hommage. Wenn auch eine großartige. So ging es mir über einige Seiten auch mit „The Drop – Bargeld“, dem neuen Roman von Dennis Lehane.   Weiterlesen