Müder Abklatsch

Heuchert Dunkels Gesetz

© Ullstein

Ein Country Noir. Auf Deutsch. Als ich „Dunkels Gesetz“ von Sven Heuchert in der Buchhandlung meines Vertrauens liegen sah, war ich erstmal platt. Seit einiger Zeit denke ich bereits darüber nach, wie so etwas funktionieren könnte, wie man die formalen und inhaltlichen Kriterien dieses Subgenres den Gegebenheiten hierzulande anpassen müsste, und dann versucht sich ausgerechnet ein Autor daran, dessen Kurzgeschichten mir in der Vergangenheit viel Freude bereitet haben. Eigentlich konnte nichts mehr schiefgehen. Doch der Konjunktiv ist des Hoffnungsvollen größter Feind und am Ende quälte ich mich gelangweilt dem großen Finale entgegen. Eines muss man Heuchert und den ihn feiernden Kritikerinnen und Kritikern lassen: Der Impuls, der war wichtig. Leider ist „Dunkels Gesetz“ keine Adaption amerikanischer Vorbilder, ja nicht mal eine gut gemachte Hommage. Es ist schlicht eine uninspirierte Kopie. Weiterlesen

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„I wish I was in Carrickfergus“

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© Suhrkamp

Wenn man von Belfast aus auf dem M5 Richtung Norden fährt, und die Irische See zur Rechten irgendwann von einer Tankstelle, einer Autowerkstatt und einem Brautmodengeschäft abgelöst wird, dann hat man nur noch einige hundert Meter vor sich, bis es in Sichtweite kommt: Carrickfergus Castle. Grauer Stein, runde Türme, über achthundert Jahre irische Geschichte vor der schäumenden Gischt des Belfast Lough. Hätte ich im März letzten Jahres schon gewusst, dass der Mann, wegen dem ich in die Stadt gekommen war, bald ein Buch schreiben würde, das teilweise innerhalb dieser Mauern spielt, hätte ich vielleicht die fünf Pfund für den Eintritt locker gemacht. Hätte das massive Fallgitter begutachtet. Hätte mir das Mörderloch etwas genauer angesehen. Hätte nach dem Kerker gefragt. Und ganz sicher hätte ich überlegt, ob es einen Möglichkeit gibt bei geschlossenem Tor aus dieser Festung zu entkommen. Wie heißt es so schön: Hätte, hätte, Beweismittelkette. Weiterlesen

„Der Mensch ist ein schönes, böses Tier“

Fest der Finsternis von Ulf Torreck

© Heyne

Paris im Jahre 1805: Die Französische Revolution ist vorüber, der Blutdurst der Guillotinen scheint gestillt, die Ordnung wiederhergestellt. Da tauchen in den stinkenden Gassen der Weltmetropole nach und nach die Leichen junger Frauen auf. Inspektor Marais, der hunderte Kilometer weiter westlich, in der pestgeplagten Bretagne den Verlust seiner Frau und seines Sohnes beklagt, wird vom Polizeipräfekten persönlich in die Hauptstadt bestellt,  um sich der mysteriösen Mordfälle anzunehmen. Doch es gibt Dinge, die auch einen erfahrenen Mann wie Marais überfordern. Unterstützung sucht er sich ausgerechnet in der Nervenheilanstalt von Charenton, wo der vielleicht berühmteste, mit Sicherheit aber berüchtigste Schriftsteller Frankreichs festgehalten wird: Der Marquis de Sade. Gemeinsam nehmen die beiden ungleichen Partner die Ermittlungen auf, und es dauert nicht lange, bis sie sich einem Netz aus ungeheuerlichen Geschichten um okkulte Riten und einen geheimen Satanistenorden verfangen haben, das vom Hinterzimmer eines Bordells bis in die höchsten Kreise der Macht reicht. Weiterlesen

Vorschau 2017: Teil 2

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Ein alter Bekannter, ein Preisträger, ein Debüt und der Start einer Krimireihe – so sieht die Auswahl meiner zweiten Vorschau für diese Jahr aus. Es geht vom zerrütten Port-au-Prince ins brandgefährliche Kingston, von einem Dubliner Waisenhaus in den Knast von Chicago und wieder hinaus. Dabei geben sich ein ständig betrunkener Inspektor, Bob Marley, ein Dreamteam aus Hippie und Schauspielerin sowie – im weitesten Sinne – eine Putzkraft, die auf Kugeln als Putzmittel schwört und bei dem Wort „Mob“ nicht zuerst ans Wischen denkt, die Ehre. Das kann ja heiter werden. Weiterlesen