„Die Nacht ist ein Typ mit Kapuze auf dem Kopf“

Kecmanovic Sibiren

© Matthes & Seitz

Die Nacht ist ein Typ mit einer Kapuze auf dem Kopf.“ So beginnt „Sibiren“ von Vladimir Kecmanovic. Dann folgt erstmal eine Leerzeile. Danach wieder ein Satz. Eine Leerzeile. Nächster Satz. Leerzeile. Geht das jetzt immer so weiter? Nein, nicht ganz, manchmal teilen sich auch zwei oder drei Sätze einen Zwischenraum. Aber im Prinzip: Ja, der ganze Roman ist nach diesem Muster gesetzt. Das erinnert an Jennifer Egans Twitter-Agententhriller „Black Box“, der aus 140-Zeichen-Schnipseln, wie sie über den Kurznachrichtendienst versendet werden, zusammengeklebt wurde. Nur dass man bei der Pulitzer-Preisträgerin Egan wusste, warum das Endergebnis so aussah, wie es aussah. Der Matthes & Seitz Verlag, bei dem dieses kleine Büchlein mit dem Untertitel „Ein serbischer Liebesthriller, in den sich Kroaten eingemischt haben“ erschienen ist, schweigt sich über den Grund für das ungewöhnliche Erscheinungsbild aus. Auch das Nachwort von Übersetzerin Mirjana Wittmann lüftet das Geheimnis nicht. Dem Leser bleibt nichts anderes übrig, als sich schulterzuckend in die Szenerie zu stürzen. Weiterlesen

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Kulturterrorismus und Zwangsprostitution

Popovic Spieler

© btb

1987 gehörte die Sozialistische Republik Kroatien noch zu Jugoslawien. In diesem Jahr erschien der Roman „Mitternachtsboogie“ eines gewissen Edo Popović, der, dem Titel angemessen, über Nacht zum Kultbuch avancierte. Dann kam der Zerfall der Sowjetunion – und damit das Referendum vom Mai 1991, bei dem sich über 90 Prozent der Kroaten für eine Loslösung vom jugoslawischen Staatenbund aussprachen. Der Beginn des kroatischen Unabhängigkeitskampfes, eines von vielen Konflikten, die man heute unter dem Begriff „Jugoslawienkrieg“ zusammenfasst. Er dauerte bis 1995 an und endete mit der Eingliederung der umkämpften Gebiete in die unabhängige Republika Hrvatska. Ein Mann verfolgte diesen Krieg von seinen blutigen Anfängen bis zum Abkommen von Erdut aus nächster Nähe, und machte sich als ebenso furchtloser wie unbestechlicher Berichterstatter einen Namen: Ein gewisser Edo Popović. Underground-Literat, Journalist und Kriegsreporter. Heute gilt er als wichtigster Schriftsteller des Landes, wenn nicht gar des ganzen Balkans, und gibt jenen eine Stimme, die vom gesellschaftspolitischen Wandel in Osteuropa nicht profitiert konnten. Weiterlesen