Auf Verbrecherjagd in NYC

Richard Price Die Unantastbaren

© S. Fischer

Detective Billy Graves, einst Mitglied der glorreichen „Wildgänse“, einer gefürchteten Gruppe von New Yorker Polizisten, muss Nachtschicht schieben. Er hält sich mit Energydrinks, hastig gerauchten Zigaretten und dem Hass auf jenen ganz speziellen Mörder wach, den er nie hatte hinter Gitter bringen können. Seinen ehemaligen Kollegen ergeht es nicht anders. Jeder von ihnen hat seinen eigenen „Unantastbaren“, einen Verbrecher, der ihnen während ihrer gemeinsamen Dienstzeit durch die Lappen ging und den sie unbedingt seiner gerechten Strafe zuführen möchten. Dann wird einer dieser Männer ermordet – und wie Brackwasser aus den Kanaldeckeln überfluteter Straßen werden die alten Geschichten wieder hochgespült. Weiterlesen

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Vorschau 2016: Teil 2

Mike Nicol Power Play     Zahler Die Toten der North Ganson Street     Chloe Hopper Der große Mann     Ani Der einsame Engel

Während ich immer noch verzweifelt versuche, die letzten Spitzentitel aus 2015 zu lesen, geht die Vorschau-Welle unaufhörlich weiter. Neues Material wird schließlich immer gebraucht. Diesmal bekommt ihr es mit zwei Autoren zu tun, die in dieser Rubrik eigentlich immer gesetzt sind, sowie zwei Titeln, die ich zwar noch nicht so ganz einschätzen kann, von denen ich mir aber viel erhoffe. Weiterlesen

Waldsterben

Percy Wölfe der Nacht

© btb

Country Noir hat seine Wurzeln ohne Frage in den Südstaaten. Doch auch in anderen ländlichen Gegenden der USA werden Bücher geschrieben, die sich diesem Subgenre zurechnen lassen. „Wölfe der Nacht“ von Benjamin Percy ist eines davon. In den kleinen Städten und riesigen Wäldern Oregons angesiedelt, erzählt der junge Autor in seinem Romandebüt von Vätern und Söhnen und dem Verhältnis von Zivilisation und Natur. Er schickt seine Figuren auf eine folgenschwere Jagd und ist dabei auf eine ganz bestimmte Art von Beute aus: Den Leser. Mit einer einfachen, poetischen Sprache und einem gnadenlosen Spannungsbogen bewaffnet stellt er uns eine Falle, aus der wir nicht mehr entkommen können. Weiterlesen

Kulturterrorismus und Zwangsprostitution

Popovic Spieler

© btb

1987 gehörte die Sozialistische Republik Kroatien noch zu Jugoslawien. In diesem Jahr erschien der Roman „Mitternachtsboogie“ eines gewissen Edo Popović, der, dem Titel angemessen, über Nacht zum Kultbuch avancierte. Dann kam der Zerfall der Sowjetunion – und damit das Referendum vom Mai 1991, bei dem sich über 90 Prozent der Kroaten für eine Loslösung vom jugoslawischen Staatenbund aussprachen. Der Beginn des kroatischen Unabhängigkeitskampfes, eines von vielen Konflikten, die man heute unter dem Begriff „Jugoslawienkrieg“ zusammenfasst. Er dauerte bis 1995 an und endete mit der Eingliederung der umkämpften Gebiete in die unabhängige Republika Hrvatska. Ein Mann verfolgte diesen Krieg von seinen blutigen Anfängen bis zum Abkommen von Erdut aus nächster Nähe, und machte sich als ebenso furchtloser wie unbestechlicher Berichterstatter einen Namen: Ein gewisser Edo Popović. Underground-Literat, Journalist und Kriegsreporter. Heute gilt er als wichtigster Schriftsteller des Landes, wenn nicht gar des ganzen Balkans, und gibt jenen eine Stimme, die vom gesellschaftspolitischen Wandel in Osteuropa nicht profitiert konnten. Weiterlesen