Radikaler Augenöffner

Ortuno Die Verbrannten

© Kunstmann

Die Verbrannten“ von Antonio Ortuño hat mich voll erwischt. Ich weiß auch nicht, was ich erwartet habe – jedenfalls nicht das. Der mir bis dato unbekannte mexikanische Autor ist nicht nur haarsträubend talentiert, er versteht es auch meisterhaft, den Finger in der offenen Wunde zu drehen. Sein Roman ist ein eindrücklicher, drastischer Wutschrei und könnte aktueller nicht sein. Es geht darin zwar um die Scharen von zentralamerikanischen Flüchtlingen, die jedes Jahr nach Mexiko kommen, weil sie hoffen, von dort ins gelobte Land, in die USA weiterziehen zu können – doch die Geschichte, die der Autor erzählt, ist eine universelle. Egal ob Santa Rita oder Freital, das unfassbare Leid, dass die Asylsuchenden erlitten haben, die Fassungslosigkeit, die Angst, aber auch das Mitgefühl der Einheimischen sind die Konstanten einer Welt, die immer mehr aus dem Gleichgewicht gerät. Antonio Ortuño nimmt uns mit an einen Ort, an dem die Apokalypse jeden Tag aufs Neue stattfindet. Weiterlesen

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