Unwahrscheinlich (gut)

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© Nautilus

Declan Burke hat es nicht so mit einfachen Plots. Schon die Handlung von „Absolute Zero Cool“ war derart wirr, dass selbst seine Protagonisten ab und an den Überblick verloren, aber was er sich mit „The Big O“ geleistet hat, dürfte als Albtraum aller Klappentexter durchgehen. Und zwar deshalb: Der Schönheitschirurg Frank hat Geldsorgen. Er will seine Ex-Frau Madge entführen lassen, um bei der Versicherung Lösegeld kassieren zu können, und heuert Ray für die Drecksarbeit an. Ray wiederum streicht hauptberuflich Kinderzimmer, wenn er nicht gerade Ex-Frauen entführt – oder in einen Überfall gerät. Hinter besagtem Überfall steckt Karen. Ray verliebt sich sofort in die junge Frau, die, was für ein Zufall, die Sprechstundenhilfe von Frank und zudem die beste Freundin von Madge ist. Das führt bei Ray natürlich zu einem Interessenkonflikt. Als wäre das nicht Chaos genug, steckt Burke noch einem kleinen, von Egoproblemen geplagten Italiener namens Rossi die „Du kommst aus dem Gefängnis frei“-Karte zu. Und der hat nichts anderes im Kopf, als sich an seiner Ex zu rächen: Karen.  Weiterlesen

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Vorschau 2016: Teil 7

Westlake Fünf schräge Vögel    pb    Greene Der dritte Mann    Ambler Die Maske des Dimitrios

Wenn es einen Trend in den letzten Jahren gab, dann den, Klassiker neu zu entdecken„, schrieb ich letztes Jahr in meiner Vorschau. Daran hat sich auch 2016 nicht viel geändert und erfreulicherweise wird ein immer breiteres Spektrum an Autoren neu übersetzt. Ich bin überzeugt davon, dass man als (Krimi-)Verlag auf diese Art langfristig Leserinnen und Leser binden kann, weil man sie durch die pure Auswahl und die damit verbundene Kontextualisierung für mehr als nur den Text eines Werkes, sondern für die Materie selbst, den großen, vielfältigen Krimi-Kosmos, begeistern kann. Die Betonung liegt natürlich auf „kann“. Von elementarer Bedeutung ist daher das Vorwort – eine der unterschätztesten literarischen Gattungen überhaupt. Weiterlesen

Dr. Faust

Stark_The Hunter_231014.indd

© Zsolnay

Diesen Anfang vergisst man nicht. Ein Mann wimmelt rüde eine Mitfahrgelegenheit ab, steckt sich eine Kippe in  den Mund und spaziert über die George Washington Bridge Richtung Stadt. Sein Name ist Parker. Parker hat etwas an sich, das vorbeifahrende Frauen erzittern lässt, etwas, das Unheil verspricht. Er ist ein skrupelloser Berufsverbrecher, der von seiner eigenen Ehefrau verraten wurde, die letzten Jahre in Gefangenschaft verbrachte und der sich nun an denen rächen will, die dafür verantwortlich sind. Mit allen Mitteln. Ein kurvenreicher, mit gebrochenen Gliedmaßen und leeren Patronenhülsen gepflasterter Weg liegt vor ihm, doch Parker geht ihn mit einer Geradlinigkeit, die dem Leser Magenschmerzen bereitet. Wenn man bemerkt, in was für eine brutale, kompromisslose Geschichte man da hineingeraten ist, ist es längst zu spät. Es gibt kein Entkommen. Weiterlesen