„Der Mensch ist ein schönes, böses Tier“

Fest der Finsternis von Ulf Torreck

© Heyne

Paris im Jahre 1805: Die Französische Revolution ist vorüber, der Blutdurst der Guillotinen scheint gestillt, die Ordnung wiederhergestellt. Da tauchen in den stinkenden Gassen der Weltmetropole nach und nach die Leichen junger Frauen auf. Inspektor Marais, der hunderte Kilometer weiter westlich, in der pestgeplagten Bretagne den Verlust seiner Frau und seines Sohnes beklagt, wird vom Polizeipräfekten persönlich in die Hauptstadt bestellt,  um sich der mysteriösen Mordfälle anzunehmen. Doch es gibt Dinge, die auch einen erfahrenen Mann wie Marais überfordern. Unterstützung sucht er sich ausgerechnet in der Nervenheilanstalt von Charenton, wo der vielleicht berühmteste, mit Sicherheit aber berüchtigste Schriftsteller Frankreichs festgehalten wird: Der Marquis de Sade. Gemeinsam nehmen die beiden ungleichen Partner die Ermittlungen auf, und es dauert nicht lange, bis sie sich einem Netz aus ungeheuerlichen Geschichten um okkulte Riten und einen geheimen Satanistenorden verfangen haben, das vom Hinterzimmer eines Bordells bis in die höchsten Kreise der Macht reicht. Weiterlesen

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Verlorene Illusionen

Braquo 10

© Canal+

Wer hat sie zuerst gefickt, du oder dein Kumpel?“, fragt Polizist Max den zitternden Mann, der in Unterhose vor ihm im Verhörraum kniet. Es geht um die Vergewaltigung einer schwangeren Frau. Die Frage bleibt in der Luft hängen, unbeantwortet, der Täter zeigt keine Reue, möchte den Komplizen nicht nennen und verhöhnt sein Gegenüber. Bei Max brennen alle Sicherungen durch. Er steckt sich eine Zigarette an, bläst dem Vergewaltiger den Rauch ins Gesicht – und rammt ihm dann ohne Vorwarnung einen Kugelschreiber durchs Auge. Schnitt. Nächste Szene. Wieder ein halbnackter Typ, diesmal bei SM-Spielchen mit einer Prostituierten. Peitschenhiebe knallen, als das Zimmer von einer Gruppe Maskierter gestürmt wird. Wie sich herausstellt, ist der halbnackte Typ ein hochrangiger Politiker, der kein Interesse daran hat, dass seine sexuellen Vorlieben an die Öffentlichkeit gelangen – und das werden sie, wenn er nicht tut, was die Eindringlinge von ihm verlangen. Schnitt. Nächste Szene. Ein Gebäude, das irgendwie an eine Garage erinnert. Eine alte Fabrikhalle in desolatem Zustand, rote Backsteine, der Geruch von Gewerkschaft. Die Gruppe von eben, eine Frau, drei Männer, immer noch in voller Montur, Lederjacken, Knarren – nur die Sturmhauben, welche die Verbrecher-Garderobe komplettierten, sind nicht mehr da. Weiterlesen

Kultivierte Kriminalbeamte

Das barmherzige Fallbeil von Fred Vargas

© Limes

Man hat mir immer von ihr abgeraten. Zu absurd seien ihre Romane, zu abgehoben, für die meisten Menschen schlicht nicht geeignet. Lange habe ich deshalb einen Bogen um die französische Krimiautorin Fred Vargas gemacht. Sogar dann noch, als ich begann, mich intensiver mit dem Kriminalroman zu beschäftigen und dabei feststellte, dass mir Bücher abseits des Massengeschmacks oft am besten gefallen. Doch dann erschien Thekla Dannenbergs Ode an „Das barmherzige Fallbeil“ im Freitag und es war um mich geschehen: Ich wollte wissen, was sich hinter dem von ihr verwendeten Begriff des polar poétique verbirgt, wissen, was diese Frau für Bücher schreibt, die ich bei unserer allerersten Begegnung am Bücherregal noch für einen Mann gehalten hatte. Jetzt weiß ich es. Fred Vargas schreibt Bücher, die so einzigartig sind, dass man sie eigentlich unter Artenschutz stellen müsste. Weiterlesen

„Ich bin ein unverbesserlicher Intellektueller“

Jean-Patrick Manchette

© Jean-Paul Gratias

Jean Patrick-Manchette wird am 19. Dezember 1942 in Marseille geboren. Es herrscht Krieg. Als die deutschen Truppen Frankreich wenige Jahre später verlassen, zieht er mit seiner Familie nach Malokoff, einer kleine Gemeinden südlich von Paris. Bei seiner Großmutter, einer gebürtigen Schottin,  kommt der junge Manchette zum ersten Mal mit Kriminalliteratur in Kontakt. Es sind vor allem englischsprachige Autoren, die es ihm angetan haben. Während seiner Gymnasialzeit verschlingt er die Série Noire des Verlags Gallimard. 1960 beginnt er ein Anglistik-Studium, um Englischlehrer werden zu können. Ein Beruf, den seine Mutter sich immer schon für ihren Sohn gewünscht hat. Weiterlesen

Die Supernanny

manchette tödliche luftschlösser

© Distel

Wenn ich Sachen wie „Jean-Patrick Manchette ist der bessere Mankell …“ (behauptet „Die Welt“ aka „Die Bild-Zeitung für VERmieter“) lese, dann muss ich mir heftigst an den Kopf fassen. Also schlagen. Dass der Distel-Verlag das auf den Buchrücken von „Tödliche Luftschlösser“ druckt – geschenkt. So ein kleiner Verlag will ja auch was verkaufen. Dass aber ein Journalist so etwas schreibt, zeigt leider mal wieder, dass immer noch zu viele Leute über ein Genre schreiben, mit dem sie wenig bis gar nichts am Hut haben. Was in Ordnung ist, so lange sie sich nicht zu solchen „Analysen“ hinreißen lassen. Oder kurz gesagt: Manchette und Mankell haben, abgesehen von den ersten drei Buchstaben ihres Nachnamens, nichts gemeinsam. Wenn das keine gute Nachricht ist. Weiterlesen

Neuer Trailer zu „The Gunman“

gunman posterDie von mir bereits vor ein paar Wochen besprochene Manchette-Verfilmung „The Gunman“ hat nun einen offiziellen Trailer. Dieser wurde heute von Studio Canal veröffentlicht. Zu sehen ist, was keinen verwundern dürfte, ein rasantes Action-Feuerwerk in Hochglanzbildern. Das sieht soweit ganz gut aus. Gefreut habe ich mich aber vor allem darüber, dass die politische Dimension, die dem Autor zu Lebzeiten so wichtig war, nicht vollends aus dem Skript gestrichen wurde. Zumindest hat es auf den Bildern, die ich euch nun nicht länger vorenthalten möchte, den Anschein. Und Javier Bardem ist mal wieder in Topform. Weiterlesen

Bald im Kino: The Gunman

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Hollywood entdeckt Jean-Patrick Manchette. Der französische Erfolgsregisseur Pierre Morel (96 Hours) nimmt sich, zusammen mit Schauspielgrößen wie Sean Penn, Javier Bardem und Idris Elba, dem letzten noch zu Lebzeiten erschienen Werk des Autors an. Darin geht es um einen Ex-Elite-Agenten, den sein vorheriges Leben wieder einholt. Im Kampf mit seinem ehemaligen Arbeitgeber gibt er alles, um seinen Namen reinzuwaschen und seine alte Liebe zurückzuerobern. Dabei wird er immer wieder von traumatischen Erinnerungen an vergangene Aufträge heimgesucht. Weiterlesen