„Ha! Ha! Said the Clown“

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© Suhrkamp

Dass hinter der gestriegelten Fassade amerikanischer Kleinstädte und Dörfer das Böse lauert, wissen wir alle. Stephen King hat es uns erzählt. Jim Thompson. Carsten Stroud. David Lynch hat auf dieser Erkenntnis aufbauend gar das Medium Fernsehserie revolutioniert. Und in Deutschland? Friede, Freude, Eierkuchen. Hier haben wir Regionalkrimis, die den Status Quo glasieren, damit die Fassade umso schöner glänzt. In diesen Büchern sind die Menschen nicht böse, nur ein bisschen eigen, und das auf so eine harmlos-liebenswürdige Art, dass man sie am liebsten mit der NS-Vergangenheit ihrer (Groß-)Eltern konfrontieren möchte, nur um eine authentische Gefühlsregung zu provozieren. So realitätsfern diese Art von Literatur auf den ersten Blick auch wirken mag, so realitätsnah erscheint sie auf den zweiten. Dort wo jeder jeden kennt und man sich ständig über den Weg läuft, ist man irgendwann zu der stillen Übereinkunft gekommen, Kuschel- statt Konfrontationskurs zu fahren. Was hinter verschlossenen Türen und an abgelegenen Plätzen passiert, geht niemanden etwas an. Friedrich Ani zerrt es in „Nackter Mann, der brennt“ ans Tageslicht. Weiterlesen

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Schneemann goes #fbm16: Der Donnerstag

Erster Termin des Tages: Elmar Krekeler interveiwt Friedrich Ani am Stand der WELT. Es geht um sein neues Buch „Der nackte Mann, der brennt„. Ein Wasserglas taucht vor dem Autor im Bob Dylan T-Shirt auf, er schaut es irritiert an und meint süffisant zu seinem Gastgeber: „Wenn ich solange stehen muss, hätte ich eigentlich lieber ein Bier.“ Der sagt natürlich: „Kein Problem„, aber plötzlich will der Autor doch keines mehr, und so ähnlich läuft dann auch der Rest des Gespräches ab. Elmar Krekeler fragt, Friedrich Ani tänzelt um die Fragen herum, weicht den allzu persönlichen aus und lässt dabei Sätze vom Stapel, die das Publikum aufhorchen lassen. „Ich wollte den Dörfern in Oberbayern ein Denkmal setzen„, beschreibt er zum Beispiel die Arbeit an seinem Roman, nur um kurz darauf zu spezifizieren, was für ihn so ein oberbayrisches Dorf ausmacht: „Kirche, Fußball, Kindesmissbrauch.“ Den Titel habe er dem Song „Naked Man Burning“ entnommen. „Kann man nicht googlen, weil der ist von mir und ich hab ihn nicht veröffentlicht – zurecht.“ Weiterlesen

Deutscher Krimi Preis 2016

Ich hatte gar nicht auf dem Schirm, dass die Preisträger des 32. Deutschen Krimpreises heute bekanntgegeben werden. Umso erfreulicher, dass die Auswahl äußerst gelungen ist. Im nationalen Bereich trumpfen Krimis zu aktuellen politischen Themen auf, im internationalen die großen Namen. Lediglich mit Sara Gran auf dem Treppchen kann ich mich noch nicht so recht anfreunden, da mir aus dem Stegreif ein Dutzend bessere Kriminalromane einfallen, die dieses Jahr erschienen sind. Aber das ist einerseits Geschmackssache und andererseits Jammern auf hohem Niveau. Weiterlesen

Vorschau 2016: Teil 2

Mike Nicol Power Play     Zahler Die Toten der North Ganson Street     Chloe Hopper Der große Mann     Ani Der einsame Engel

Während ich immer noch verzweifelt versuche, die letzten Spitzentitel aus 2015 zu lesen, geht die Vorschau-Welle unaufhörlich weiter. Neues Material wird schließlich immer gebraucht. Diesmal bekommt ihr es mit zwei Autoren zu tun, die in dieser Rubrik eigentlich immer gesetzt sind, sowie zwei Titeln, die ich zwar noch nicht so ganz einschätzen kann, von denen ich mir aber viel erhoffe. Weiterlesen

Vorschau: Sendung vom 01.11.2015

IMG_8456Auf den letzten Metern ein Novum: Im November gibt es gleich zwei Sendungen auf die Ohren, eine davon am kommenden Sonntag von 19-20 Uhr, wie immer bei der Wüsten Welle – im Radio auf der 96,6 oder für alle Ortsfremden per Livestream. Ich habe diesen Monat aufgrund einer Krankheit so viel gelesen wie lange nicht mehr, ihr dürft euch also auf eine prall gefüllte Stunde voller spannender Krimis freuen. Blindgänger waren nämlich ausnahmslos keine dabei. Außerdem wird es unmittelbar vor der Sendung noch eine Überraschung geben, die ich selbst noch nicht so richtig glauben kann. Abwarten. Jetzt verrate ich euch erst einmal, worum es am Sonntag gehen soll: Weiterlesen

Auf eine Wurst mit Handke

Ani Der namenlose Tag

© Suhrkamp

Ludwig Winther will nicht glauben, dass sich seine siebzehnjährige Tochter einfach so umgebracht haben soll. Auch zwanzig Jahre danach nicht. Deshalb klingelt er bei Jakob Franck, dem Beamten, der seiner mittlerweile ebenfalls verstorbenen Frau damals die traurige Nachricht vom Tod ihres Kindes überbrachte. Franck ist zwar mittlerweile in Rente, verspricht aber bei einem langen Gespräch und ein paar Schnäpsen sich die Sache noch einmal genauer anzuschauen. Und während der pensionierte Polizist in die Vergangenheit aufbricht, vernimmt der aufmerksame Leser noch eine weitere, kindliche Stimme. Ein kleiner Junge schildert wie ein Streit zwischen seinen Eltern eskaliert und seine Mutter leblos zu Boden sackt, erschlagen vom eigenen Mann. Wie er zusammengekauert hinter der Couch sitzt und lauscht, mucksmäuschenstill, als wäre er gar nicht wirklich dort.  Man ahnt es schon: Diese beiden Fälle stehen auf irgendeine Weise in Verbindung. Nur auf welche? Weiterlesen

Vorschau 2015: Teil 12

 Ani Der namenlose Tag    Sternbergh Feindesland    Waite Keine Zeit für Gnade    Strunk Der goldene Handschuh

Gute deutschsprachige Krimis sind ja so eine Sache. In den Jahresvorschauen finden sich meistens nur eine handvoll, die meinem Geschmack entsprechen. Trotzdem entdecken auch kritische Leser wie ich ab und zu Vielversprechendes. Zwei der vier Krimis, die ich euch heute vorstellen möchte, kommen aus Deutschland. Mehr konnte ich bei meiner Vorschauen-Odyssee bisher nicht entdecken, aber ich habe ja hier eine kundige Community, die mir bestimmt noch den ein oder anderen Roman empfehlen kann. Weiterlesen