Der Kriminalroman im Zeitalter der Remix-Kultur

Fox Hades

© Suhrkamp

Die junge Australierin Candice Fox wurde für ihr Debüt „Hades“ nicht nur in ihrer Heimat preisgekrönt, sie hat auch hierzulande etwas gewinnen können, das man nicht unterschätzen sollte: Prominente Fürsprecher. Angefangen bei Thomas Wörtche, der das Buch bei Suhrkamp herausgegeben hat, über Sonja Hartl, Alf Mayer und Ulrich Noller liest sich die Mitgliederliste ihres Fanclubs wie ein who is who des deutschen Krimijournalismus. Und die dazugehörigen Lobeshymnen erst! Man hatte zwischenzeitlich das Gefühl, mit „Hades“ stünde uns eine kleine Genre-Revolution ins Haus. Umso ratloser war ich nach 341 Seiten, denn das Kartenhaus meiner Erwartungen war nach und nach in sich zusammengefallen und die Autorin zog bis zum Schluss kein Ass aus dem Ärmel, um es wieder zu stabilisieren. Ob sie es sich für die zwei Folgebände aufgehoben hat? Oder ist ihr gar der ganz große Bluff gelungen? Während ich noch grübelte, was ich übersehen hatte, hätte ich beinahe etwas übersehen: Wie viel Spaß ich mit diesem Buch hatte. Vollends verwirrt schlug ich es auf der ersten Seite wieder auf und verabschiedete mich von jedem Gedanken an Schlaf. Weiterlesen

Armdrücken mit den Meistern

stroby kalter schuss herz

© Pendragon

Ihr letzter Auftrag lief nicht wie versprochen, weshalb die Diebin Crissa Stone zunehmend in Geldnot gerät. Sie hat vor, ihren Ehemann Wayne aus seiner Zelle in Texas zu holen, doch die benötigten Anwaltskosten übersteigen alles, was sich in New York und Umgebung mit den üblichen Jobs an Gewinn machen lässt. Zeit, ein Risiko einzugehen. Crissa soll mit zwei alten Bekannten eine Pokerrunde in Fort Lauderdale überfallen und erklärt sich aller Zweifel zum Trotz damit einverstanden. Im Spiel befinden sich laut ihrem Informanten rund eine Million Dollar, Sicherheitsvorkehrungen gibt es so gut wie keine, ein Kinderspiel also. Na klar. Als dann alles schiefgeht und einer ihrer Kollegen die Nerven verliert, muss Crissa plötzlich um ihr Leben bangen. Der Schwiegersohn von Gangsterboss Tino Conte liegt in seinem eigenen Blut und der Ruf nach Vergeltung ist selbst in New York noch zu hören. Conte lässt den frisch aus dem Knast entlassenen, völlig durchgeknallten Eddie Santiago von der Leine. Dieser beschließt, gleich das ganze Trio in die Mangel zu nehmen, um sich die bei dem Überfall erbeutete Kohle unter den Nagel reißen zu können. Weiterlesen

Dr. Faust

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© Zsolnay

Diesen Anfang vergisst man nicht. Ein Mann wimmelt rüde eine Mitfahrgelegenheit ab, steckt sich eine Kippe in  den Mund und spaziert über die George Washington Bridge Richtung Stadt. Sein Name ist Parker. Parker hat etwas an sich, das vorbeifahrende Frauen erzittern lässt, etwas, das Unheil verspricht. Er ist ein skrupelloser Berufsverbrecher, der von seiner eigenen Ehefrau verraten wurde, die letzten Jahre in Gefangenschaft verbrachte und der sich nun an denen rächen will, die dafür verantwortlich sind. Mit allen Mitteln. Ein kurvenreicher, mit gebrochenen Gliedmaßen und leeren Patronenhülsen gepflasterter Weg liegt vor ihm, doch Parker geht ihn mit einer Geradlinigkeit, die dem Leser Magenschmerzen bereitet. Wenn man bemerkt, in was für eine brutale, kompromisslose Geschichte man da hineingeraten ist, ist es längst zu spät. Es gibt kein Entkommen. Weiterlesen

Was für eine Entdeckung!

Zownir Umnactung

© Mox & Maritz

In der Sendung vom Juli habe ich mein erstes Interview geführt. Um das nicht zu versauen, wollte ich mich im Vorfeld gründlich über die Person informieren, um die es in dem Gespräch letztendlich gehen sollte: Harry Crews. Dabei stieß ich auf den Bremer Mox & Maritz Verlag, der bereits drei Romane von Crews auf Deutsch veröffentlichte, lange bevor mir dessen Name erstmals begegnen sollte. Ehrlich gesagt hatte ich vorher auch noch nie etwas von diesem Verlag gehört. Also nichts wie ab auf die Homepage. Der aktuellste Titel, „Umnachtung“ von Miron Zownir aus dem letzten Jahr, zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich mochte, was dort darüber zu lesen war. Außerdem war ich gerade dabei, Titel für das Osteuropa-Spezial zu sammeln, und der Name des Autors klang, als könnte das Buch dort durchaus reinpassen. Dass es sich dabei um einen Deutschen handelt, fiel mir erst während der Lektüre auf, und diese Tatsache verwirrte mich: Wie kann es sein, dass allerorts die mangelnde Qualität des deutschen Krimis bemängelt wird, wenn wir es uns leisten, solche Autoren zu ignorieren? Weiterlesen

Mind your Manners!

bruen kaliber

© Polar

Der Mörder in mir“ von Jim Thompson zählt wahrscheinlich zu meinen Top Five of All Time was Kriminalliteratur angeht. Die Geschichte über den Kleinstadtsheriff Lou Ford, einem Marke tragenden Psychopathen und Killer, ist an Abgründigkeit kaum zu überbieten. Der irische Autor Ken Bruen, den die meisten sicherlich durch seine Jack Taylor Reihe kennen, hat diesem Meisterwerk nun ein Denkmal gesetzt. Und was für eins! Es hört auf den Namen „Kaliber“ und ist neben James Ellroys Epos „Perfidia“ vielleicht der dreckigste Polizeiroman, den man dieses Jahr zu Lesen kriegen wird. Als hätte Ed McBains fieser Zwillingsbruder den Versuch gestartet, das legendäre 87. Polizeirevier ins größtmögliche Unheil zu stürzen. Weiterlesen

Es ist was faul im Sunshine State

wileford miami blues

© Alexander Verlag

Der Anfang von Charles WillefordsMiami Blues“ ist mittlerweile schon legendär: Der frisch aus der Haft entlassene Kleinganove Frederick J. Frenger Junior, genannt Junior, bricht einem bettelnden Hare Krishna am Flughafen von Miami ein paar Finger. Der Mann stirbt noch an Ort und Stelle an den Folgen des Schocks. Hoke Moseley vom Miami Police Department, ein Cop mit falschen Zähnen und einer Vorliebe für Cognac, den er meistens aus einem Zahnputzbecher trinkt, soll sich der Sache annehmen. Währenddessen spaziert Junior nichtsahnend ins nächstbeste Hotel, wo er sich vom zwielichtigen Hotelpagen Pablo ein Mädchen aufs Zimmer schicken lässt. „Pepper“ – oder Susan, wie sie im echten Leben heißt – ist ebenso hübsch wie unterbelichtet. Und ganz nebenbei ist ihr Bruder auch noch ein Hare Krishna. Oder besser gesagt: War es. Weiterlesen

Von Menschen und anderen Tieren

millar bestien belfast

© Atrium

Auf den irischen Autor Sam Millar bin ich vor etwa einem halben Jahr aufmerksam geworden, als das, was heute meine Radiosendung ist, langsam begann Form anzunehmen. Damals hatte ich schon den Wunsch, im Zuge meines Projekts eine Sondersendung zum Thema Irland zu machen. Auf der Suche nach geeigneten Büchern stieß ich auf die Reihe um Privatdetektiv Karl Kane. Viel interessanter als der Klappentext schien mir damals das, was dort über den Autor zu lesen war: Weiterlesen