„Dies ist kein Albtraum, dies ist ein Todeskampf.“

Strunk Der goldene Handschuh

© Rowohlt

In meinem Heimatort gibt es eine Kneipe, deren Besitzer den gleichen Nachnamen wie ich trägt. Sie befindet sich im ansonsten leer stehenden, abgeriegelten Bahnhofsgebäude und bietet Leuten eine Zuflucht, denen man auf der Straße nur selten begegnet – entweder, weil sie sich dort nicht aufhalten, oder, weil man ihnen aus dem Weg geht. Sie sitzen tagtäglich am Tresen, schwitzen, poltern, saufen und inhalieren dabei Kippenschachteln. Bis vor ein paar Jahren gab es einen, der blaugraue Rauchkringel aus einem Loch im Hals pusten konnte, an das er sonst eine elektronische Sprechhilfe hielt. „Warum soll ich jetzt noch aufhören?“, sagte er mit seiner Roboterstimme, wenn man ihn darauf ansprach. „Der Kehlkopf ist doch sowieso schon futsch.“ Sonst redete er nicht viel. Ich weiß nur, dass er kaltes Bier nicht ausstehen konnte und niemanden mehr hatte. Jetzt ist er schon ein paar Jahre unter der Erde, und alle, die noch regelmäßig an ihn denken, sitzen in versifften Jogginganzügen in der kleinen Bahnhofskneipe und folgen ihm Glas um Glas, Zigarette um Zigarette nach. Ohne dass es jemanden mitbekommt.    Weiterlesen

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Vorschau 2015: Teil 12

 Ani Der namenlose Tag    Sternbergh Feindesland    Waite Keine Zeit für Gnade    Strunk Der goldene Handschuh

Gute deutschsprachige Krimis sind ja so eine Sache. In den Jahresvorschauen finden sich meistens nur eine handvoll, die meinem Geschmack entsprechen. Trotzdem entdecken auch kritische Leser wie ich ab und zu Vielversprechendes. Zwei der vier Krimis, die ich euch heute vorstellen möchte, kommen aus Deutschland. Mehr konnte ich bei meiner Vorschauen-Odyssee bisher nicht entdecken, aber ich habe ja hier eine kundige Community, die mir bestimmt noch den ein oder anderen Roman empfehlen kann. Weiterlesen