Unwahrscheinlich (gut)

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© Nautilus

Declan Burke hat es nicht so mit einfachen Plots. Schon die Handlung von „Absolute Zero Cool“ war derart wirr, dass selbst seine Protagonisten ab und an den Überblick verloren, aber was er sich mit „The Big O“ geleistet hat, dürfte als Albtraum aller Klappentexter durchgehen. Und zwar deshalb: Der Schönheitschirurg Frank hat Geldsorgen. Er will seine Ex-Frau Madge entführen lassen, um bei der Versicherung Lösegeld kassieren zu können, und heuert Ray für die Drecksarbeit an. Ray wiederum streicht hauptberuflich Kinderzimmer, wenn er nicht gerade Ex-Frauen entführt – oder in einen Überfall gerät. Hinter besagtem Überfall steckt Karen. Ray verliebt sich sofort in die junge Frau, die, was für ein Zufall, die Sprechstundenhilfe von Frank und zudem die beste Freundin von Madge ist. Das führt bei Ray natürlich zu einem Interessenkonflikt. Als wäre das nicht Chaos genug, steckt Burke noch einem kleinen, von Egoproblemen geplagten Italiener namens Rossi die „Du kommst aus dem Gefängnis frei“-Karte zu. Und der hat nichts anderes im Kopf, als sich an seiner Ex zu rächen: Karen.  Weiterlesen

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Auf den Spuren von Bruen, McKinty & Co.

2016-03-12-13h02m24

Was habe ich mir nicht alles vorgenommen. Drei Bücher wollte ich während meines dreiwöchigen Aufenthalts in Irland lesen, weil ich davon ausging, dass mindestens die Hälfte aller Tage dem Regen zum Opfer fallen würden. „Jack Taylor liegt falsch“ von Ken Bruen, „In der Sackgasse“ von Gene Kerrigan und „The Big O“ von Declan Burke. Alle schön auf den neuen E-Reader geladen, dass ich nicht so schwer tragen muss. Die Erfindung des Rollkoffers habe ich bis heute eher unbeeindruckt zur Kenntnis genommen. Auf dem Hinflug benutzte ich das mir immer noch etwas fremde Gerät zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum, Jungfernflug sozusagen, allerdings um ein bisschen in „Cops in the City“ zu schmökern. Noch waren wir ja nicht in Irland.  Weiterlesen

Apocalypso Now

Barry Stadt Bohane

© Tropen/Klett-Cotta

Irland im Jahre 2053: Die Stadt Bohane (man spricht es Bo-haan!) wird von der Hartnett Fancy regiert. Der Boss, Logan Hartnett, auch „Mr. Aitsch“, „Der lange Lulatsch“, „Albino“ oder einfach nur „Bino“ genannt, kontrolliert den kompletten Handel und die Prostitution im berüchtigten Viertel Smoketown. Er lebt mit seiner hübschen Frau Immaculata, auch „Macu“ genannt, in einem wunderschönen Haus am anderen Ende der Stadt und genießt das Leben. Doch seine Neider wetzen schon die Messer. „Eyes“ Cusack von den Hängen der Northside Rises will einen Teil vom Kuchen ab, egal, ob er dafür einen Krieg riskieren muss. Außerdem geht das Gerücht um, dass Gant Broderick, auch „Der Gant“ genannt, nach 25 Jahren in die Stadt zurückgekehrt sein soll. Der Gant war quasi sowas wie Hartnetts Vorgänger, sowohl was die Fancy, als auch seine Frau betrifft. Grund genug, sich Sorgen zu machen, da bräuchte er nicht noch intrigante Leute in den eigenen Reihen. Leute wie die unkontrollierbare Jenni Ching. Weiterlesen

An den Plattentellern: Sean Duffy, Carrickfergus RUC

mckinty sirenen von belfast

© Suhrkamp

Es ist immer schwierig, den zweiten Teil einer Krimireihe zu besprechen. Normalerweise ändert sich nämlich nicht viel, außer dass die Qualität von Band zu Band vielleicht ein bisschen schwankt. Auch beim zweiten Sean Duffy Roman von Adrian McKinty ist das so. „Die Sirenen von Belfast“ (Im Original: I Hear the Sirens in the Street) ist erstklassige Unterhaltung und basiert auf dem gleichen Rezept wie schon „Der katholische Bulle„. Duffy soll den Mord an einem Mann aufklären, dessen Torso in einem Reisekoffer verpackt aufgefunden wird. Mal wieder versucht Gott und die Welt ihn davon abzuhalten, etwas über den Tathergang in Erfahrung zu bringen. Dazu kommen noch witzigere Dialoge als im ersten Teil und natürlich extrem viel Atmosphäre. Ganz klare Kaufempfehlung, auch für Leute, die den Vorgänger nicht kennen. Weiterlesen

Die Geister, die ich rief

neville schatten belfast

© Aufbau

Man denkt ja immer, man hat alles schon einmal gelesen. Dann gibt es aber Bücher, die, dieser Annahme zum Trotz, mit einem überraschend unverbrauchten Konzept aufwarten. So zum Beispiel „Die Schatten von Belfast“ von Stuart Neville. Dabei ist die Grundidee so simpel wie packend: Ex-IRA-Mitglied Gerry Fegan hat im Namen des Freiheitskampfes ein dutzend Mal gemordet – immer im Auftrag seiner Bosse. Jahre später suchen ihn Schuldgefühle heim, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn seine zwölf Opfer begleiten ihn in geisterhafter Form auf Schritt und Tritt. Als er dem Auftraggeber eines dieser Morde wiederbegegnet, tritt einer der Geister vor und hält dem Mann die Finger wie eine Knarre an den Kopf. Fegan dämmert, was das bedeuten könnte. Er macht sich auf, die restlichen Auftraggeber zu finden. Weiterlesen

Freizeitklamotten statt Kampfmontur

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© Suhrkamp

Wer sein Buch nach einem Tom Waits Song benennt, der hat meine Sympathie. „Cold Cold Ground“ ist gemeint, der erste Band der Sean-Duffy-Reihe von Adrian McKinty. Hierzulande nennt sich das Buch „Der katholische Bulle“, was einerseits sehr gut passt, andererseits verdächtig nach einer alten Heimatkrimi-Serie mit Ottfried Fischer klingt. Von ländlicher Idylle ist gottseidank nicht viel zu spüren in diesem düsteren Meisterwerk. Weiterlesen

Die unbeugsame Kraft des menschlichen Willens

Sam MillarSam Millar wird 1955 in der nordirischen Hauptstadt Belfast geboren. Sein Vater, ein Protestant, verliebt sich in eine Katholikin, die darauf besteht, die gemeinsamen Kinder im katholischen Glauben zu erziehen. Als er acht Jahre alt ist, verschwindet sie, und lässt ihren Mann mit Sam und dessen Bruder zurück. Davor hatte sie bereits mehrmals versucht sich umzubringen. Mit fünfzehn Jahren schließt Sam die Schule ab und beginnt kurz darauf in einem Schlachthof zu arbeiten. Währenddessen probt im ganzen Land die irisch-stämmige, katholische Bevölkerung den Aufstand gegen die britische Regierung. Weiterlesen

Guinness und Galgenhumor

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© dtv

Weil er dem Innenminister auf die Schnauze haut, muss Jack Taylor Marke und Dienstwaffe abgeben. Das stellt ihn vor ein Dilemma: Wie soll er seinen Alkoholismus finanzieren? Bitte nicht schon wieder ein saufender Privatdetektiv. Wenigstens ist Jack Taylor so konsequent und richtet sein Büro direkt in seinem Lieblingspub ein. Also dem einzigen, in dem er noch kein Hausverbot hat. Weiterlesen