Midlife-Crisis am Mittelmeer

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© Goldmann

Es scheint Konsens zu sein, dass Gianrico Carofiglio ein großartiger Autor ist. Das mag stimmen. Ich persönlich habe vor „Am Abgrund aller Dinge“ nie ein Buch von ihm in der Hand gehabt. Die Geschichte und das gelungene Cover haben mich aber förmlich angezogen, ich habe den Roman daher auch in meiner Jahresvorschau erwähnt. Kaum hatte ich ihn endlich zuhause und die erste Seite aufgeschlagen, war ich gepackt. Völlig von der Außenwelt isoliert. Sogwirkung? Strudel! Trotzdem, irgendwie bin ich mit dem Roman nicht warmgeworden. Und das hat Gründe. Weiterlesen

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Aufstieg und Fall eines Imperiums

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© Aufbau

Rom, Ende der 70er Jahre: Eine neue Bande macht sich in der Stadt breit. Man weiß nicht viel über sie, nur, dass sie nichts mit den Camorra zu tun haben. Dandi gehört dazu, ein intelligenter Typ, der von dem Drang getrieben wird, etwas darstellen zu wollen. Freddo gehört dazu, ein Straßenköter, ein loyaler, trauriger Typ, der eher ein Macher ist als einer, der große Reden schwingt. Und natürlich Libanese, Kopf und Herz er Organisation. Der Stratege. Gemeinsam sind sie dabei, Rom zu erobern. Um den Laden übernehmen zu können, müssen sie sich aber erst einmal um die Vorbesitzer kümmern. Der Beginn eines blutigen Machtkampfes. Weiterlesen

Drastische Denkanstöße

Carrino Der Verstoß

© Pulp Master

Giovanni ist der Sohn des Mafia-Bosses Don Antonio und lernt dementsprechend früh, sich auf den Straßen Neapels durchzusetzen. Als die Polizei ihn das erste Mal festnimmt ist er gerade mal sechzehn Jahre alt. Er landet im Jugendknast. Dort sieht er zu, wie drei seiner Kollegen einen Mitgefangenen vergewaltigen. Als er „an der Reihe“ ist, bringt er den Jungen kurzerhand um. Nicht wegen des trotzigen Blicks, der ihn zugegebenermaßen richtig wütend macht. Nein, diese grausame Tat hat einen anderen Ursprung: Giovanni hat soeben festgestellt, dass er möglicherweise homosexuell ist. Weiterlesen

Die beklemmende Enge der Erinnerung

Dazieri - In die Finsternis

© Piper

„Die Welt ist eine gewölbte Wand aus grauem Beton. Die Welt ist von gedämpften Geräuschen und Echos erfüllt. Die Welt ist ein Kreis, den er mit ausgebreiteten Armen halb ausmessen kann.“

Zu Beginn werden wir Zeuge einer ungeheuerlichen Szene. Ein Junge, der in einem engen Raum völlig isoliert vor sich hinvegetiert, entdeckt einen Riss in der Wand. In der Wand, die bisher die Grenze seiner Welt darstellte. Er weiß, dass es falsch ist, durch dieses provisorische Fenster zu schauen, tut es aber trotzdem. Der Vater wird ihn hinterher wieder „Vieh“ nennen, weil er sich nicht an die Regeln hält. Doch die Die Bestrafung bleibt aus. Ist der Vater etwa doch nicht der allwissende Gott, für den er ihn die ganze Zeit gehalten hat? In seinem Inneren keimt ein Zweifel. Weiterlesen