ZVW-Krimi des Monats: Gravesend

Boyle Gravesend

© Polar Verlag

Wie sicherlich schon einige von euch bereits mitbekommen haben, arbeite ich seit drei Monaten als Crossmedia-Volontär beim Zeitungsverlag Waiblingen. Dort werde ich ab sofort jeden letzten Mittwoch im Monat den „Krimi des Monats“ küren. Den Anfang macht im Januar William Boyles „Gravesend“.

„Am Anfang steht, wie so oft, ein Verbrechen: Ray Boy Calabrese und seine Freunde lauern ihrem homosexuellen Mitschüler Duncan auf. Sie treten und schlagen auf den Jungen ein, er reißt sich los, rennt auf die Straße und wird von einem Auto überrollt. Er stirbt.“

Den Rest der Rezension findet ihr hier.

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Zwei Morde und der unterkühlte Wahnsinn der Welt

McNamee Blau ist die Nacht

© dtv

Letztes Jahr traf ich Sonja Hartl auf der Frankfurter Buchmesse. Wir sprachen kurz über irische Krimis, und irgendwann – ich weiß nicht mehr, ob ich sie nach einem Geheimtipp gefragt habe, oder sie mir einfach einen Gefallen tun wollte – kam der Name Eoin McNamee ins Spiel. Nie gehört, dachte ich mir damals, klingt aber spannend. Und ehe ich mich versah, war mir der Geheimtipp auch schon in der allgemeinen Informationsüberflutung eines typischen Messetags aus dem Gedächtnis gerutscht. Habe ich zumindest angenommen. Als ich dann vor einigen Wochen vor meinem ehemaligen Arbeitsplatz (also einigen Regalmetern alphabetisch sortierter Krimis) stand, fiel mir „Blau ist die Nacht“ ins Auge. Der Klappentext klang gut, die ersten Seiten klangen besser, der Scanner vertraut und das Geräusch, als mein Geldbeutel sich in die eigens dafür aufgesprungene Kassenschublade entleerte, verdächtig nach Monatsende. Weder Buch noch Wechselgeld hielten solange. Die Erkenntnis aber, dass ich den Autorennamen schon mal irgendwo gehört hatte, und die Überraschung, dass es sich bei „Blau ist die Nacht“ um den letzten Band einer Trilogie handelt, die kamen erst mit dem nächsten Kalenderblatt. In Gestalt eines Artikels von Sonja Hartl. Weiterlesen

Gründung einer kriminellen Vereinigung

Liebe Leserinnen und Leser,

während ich online mit vielen von euch in Kontakt stehe und mich regelmäßig über Kriminalliteratur austauschen kann, fehlen mir im Leben fernab des Bildschirms dazu leider die nötigen Strukturen. Also schaffe ich sie mir gezwungenermaßen selbst: Ich möchte in Tübingen einen monatlich stattfindenden Krimi-Stammtisch etablieren. Drei (oder sogar vier?) Leute haben bereits ihr Interesse bekundet und ich hoffe, dass es durch diesen Beitrag noch ein paar mehr werden.

Krimi-Stammtisch

© Robert Carner

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Ungebändigtes Talent

atkins stadt der ertrinknenden

© Polar

In den meisten Fällen ist es keine gute Idee, mit 15 Jahren die Arbeit an einem Roman zu beginnen. Der Neuseeländer Ben Atkins hat es trotzdem getan. Sein geschichtliches Interesse, genau genmmen die Erkenntnis, dass Geschichte immer zyklisch verläuft, ließ ihn 2009 zum Stift greifen. In der Stille nach dem Knall, mit der ein Jahr zuvor die globale Finanzblase platzte, setzte er zu einer Erzählung über die Weltwirtschaftskrise von 1929 an, über die Zeit der Prohibition und die „Große Depression“, die darauf folgte. Herausgekommen ist „Stadt der Ertrinkenden“, ein hierzulande zwar bisher viel zu wenig beachtetes, aber von den Kritikern dennoch hochgelobtes Debüt. Dass wir überhaupt in den Genuss dieses Buches kommen, verdanken wir dem Hamburger Polar Verlag, der sich mit Autoren wie Atkins – oder etwa dem Franzosen Jérémie Guez – gerade in erheblichem Maße um den Krimi-Nachwuchs verdient macht. Und nach der Lektüre dieses „Mid-Century-Noir“ bleibt nur zu sagen: Es handelt sich dabei um ein lohnendes Engagement. Weiterlesen

Wie ein Spaziergang auf der Autobahn

Thornburg Cutter und Bone

© Polar

Es gibt Bücher, auf deren Seiten das Gewicht der Welt lastet. Die sie in all ihrer Dunkelheit, ihrem Wahnwitz, aber auch ihrer nie wirklich fassbaren Schönheit abbilden. Viele davon tragen große Namen und finden sich in jedem Literaturkanon und jeder gut sortierten Buchhandlung wieder. Aber was geschieht mit denen, die vergessen werden? Im Idealfall, und das muss man so zynisch sagen, stirbt der Autor. „Don’t forget Newton Thornburg hieß es 2011 nach dem Tod des amerikanischen Noir-Autors im Guardian – ein Aufruf, dem hier in Deutschland kaum jemand Aufmerksamkeit schenkte. Abgesehen von Wolfgang Franßen und seinem Polar Verlag, die gerade Thornburgs bekanntestes Werk exhumiert haben: „Cutter und Bone“. Wer an dieses Buch unbedarft rangeht, wird überrollt. Ich spreche aus Erfahrung. Weiterlesen

Dem Eiffelturm so fern

Guez Paris die Nacht

© Polar

Eigentlich sind Abraham und Goran nur aus dem Haus gegangen, um zu feiern. Ein Bier trinken zu gehen, Freunde zu treffen, Drogen zu kaufen. Doch dann bemerken sie, dass in der Kneipe, in der sie sitzen, irgendetwas vorgeht. Ein ziemlich breiter Typ bewacht die Tür zum Hinterzimmer, durch die immer wieder Männer nach hinten verschwinden. Männer in teuren Klamotten. Die beiden Jungs wittern illegales Glücksspiel, also eine ganze Menge Geld. Zwischen ihnen und einer glorreichen Zukunft scheint nur dieser Türsteher zu stehen. Also tüfteln sie einen Plan aus, wie sie den Laden überfallen können. Doch der Traum vom schnellen Geld lässt sie leichtsinnig werden. Weiterlesen

Guinness und Galgenhumor

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© dtv

Weil er dem Innenminister auf die Schnauze haut, muss Jack Taylor Marke und Dienstwaffe abgeben. Das stellt ihn vor ein Dilemma: Wie soll er seinen Alkoholismus finanzieren? Bitte nicht schon wieder ein saufender Privatdetektiv. Wenigstens ist Jack Taylor so konsequent und richtet sein Büro direkt in seinem Lieblingspub ein. Also dem einzigen, in dem er noch kein Hausverbot hat. Weiterlesen

Neuer Trailer zu „The Gunman“

gunman posterDie von mir bereits vor ein paar Wochen besprochene Manchette-Verfilmung „The Gunman“ hat nun einen offiziellen Trailer. Dieser wurde heute von Studio Canal veröffentlicht. Zu sehen ist, was keinen verwundern dürfte, ein rasantes Action-Feuerwerk in Hochglanzbildern. Das sieht soweit ganz gut aus. Gefreut habe ich mich aber vor allem darüber, dass die politische Dimension, die dem Autor zu Lebzeiten so wichtig war, nicht vollends aus dem Skript gestrichen wurde. Zumindest hat es auf den Bildern, die ich euch nun nicht länger vorenthalten möchte, den Anschein. Und Javier Bardem ist mal wieder in Topform. Weiterlesen