„I wish I was in Carrickfergus“

mckinty-rain-dogs

© Suhrkamp

Wenn man von Belfast aus auf dem M5 Richtung Norden fährt, und die Irische See zur Rechten irgendwann von einer Tankstelle, einer Autowerkstatt und einem Brautmodengeschäft abgelöst wird, dann hat man nur noch einige hundert Meter vor sich, bis es in Sichtweite kommt: Carrickfergus Castle. Grauer Stein, runde Türme, über achthundert Jahre irische Geschichte vor der schäumenden Gischt des Belfast Lough. Hätte ich im März letzten Jahres schon gewusst, dass der Mann, wegen dem ich in die Stadt gekommen war, bald ein Buch schreiben würde, das teilweise innerhalb dieser Mauern spielt, hätte ich vielleicht die fünf Pfund für den Eintritt locker gemacht. Hätte das massive Fallgitter begutachtet. Hätte mir das Mörderloch etwas genauer angesehen. Hätte nach dem Kerker gefragt. Und ganz sicher hätte ich überlegt, ob es einen Möglichkeit gibt bei geschlossenem Tor aus dieser Festung zu entkommen. Wie heißt es so schön: Hätte, hätte, Beweismittelkette. Weiterlesen

Zwei Morde und der unterkühlte Wahnsinn der Welt

McNamee Blau ist die Nacht

© dtv

Letztes Jahr traf ich Sonja Hartl auf der Frankfurter Buchmesse. Wir sprachen kurz über irische Krimis, und irgendwann – ich weiß nicht mehr, ob ich sie nach einem Geheimtipp gefragt habe, oder sie mir einfach einen Gefallen tun wollte – kam der Name Eoin McNamee ins Spiel. Nie gehört, dachte ich mir damals, klingt aber spannend. Und ehe ich mich versah, war mir der Geheimtipp auch schon in der allgemeinen Informationsüberflutung eines typischen Messetags aus dem Gedächtnis gerutscht. Habe ich zumindest angenommen. Als ich dann vor einigen Wochen vor meinem ehemaligen Arbeitsplatz (also einigen Regalmetern alphabetisch sortierter Krimis) stand, fiel mir „Blau ist die Nacht“ ins Auge. Der Klappentext klang gut, die ersten Seiten klangen besser, der Scanner vertraut und das Geräusch, als mein Geldbeutel sich in die eigens dafür aufgesprungene Kassenschublade entleerte, verdächtig nach Monatsende. Weder Buch noch Wechselgeld hielten solange. Die Erkenntnis aber, dass ich den Autorennamen schon mal irgendwo gehört hatte, und die Überraschung, dass es sich bei „Blau ist die Nacht“ um den letzten Band einer Trilogie handelt, die kamen erst mit dem nächsten Kalenderblatt. In Gestalt eines Artikels von Sonja Hartl. Weiterlesen

Auf den Spuren von Bruen, McKinty & Co.

2016-03-12-13h02m24

Was habe ich mir nicht alles vorgenommen. Drei Bücher wollte ich während meines dreiwöchigen Aufenthalts in Irland lesen, weil ich davon ausging, dass mindestens die Hälfte aller Tage dem Regen zum Opfer fallen würden. „Jack Taylor liegt falsch“ von Ken Bruen, „In der Sackgasse“ von Gene Kerrigan und „The Big O“ von Declan Burke. Alle schön auf den neuen E-Reader geladen, dass ich nicht so schwer tragen muss. Die Erfindung des Rollkoffers habe ich bis heute eher unbeeindruckt zur Kenntnis genommen. Auf dem Hinflug benutzte ich das mir immer noch etwas fremde Gerät zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum, Jungfernflug sozusagen, allerdings um ein bisschen in „Cops in the City“ zu schmökern. Noch waren wir ja nicht in Irland.  Weiterlesen

An den Plattentellern: Sean Duffy, Carrickfergus RUC

mckinty sirenen von belfast

© Suhrkamp

Es ist immer schwierig, den zweiten Teil einer Krimireihe zu besprechen. Normalerweise ändert sich nämlich nicht viel, außer dass die Qualität von Band zu Band vielleicht ein bisschen schwankt. Auch beim zweiten Sean Duffy Roman von Adrian McKinty ist das so. „Die Sirenen von Belfast“ (Im Original: I Hear the Sirens in the Street) ist erstklassige Unterhaltung und basiert auf dem gleichen Rezept wie schon „Der katholische Bulle„. Duffy soll den Mord an einem Mann aufklären, dessen Torso in einem Reisekoffer verpackt aufgefunden wird. Mal wieder versucht Gott und die Welt ihn davon abzuhalten, etwas über den Tathergang in Erfahrung zu bringen. Dazu kommen noch witzigere Dialoge als im ersten Teil und natürlich extrem viel Atmosphäre. Ganz klare Kaufempfehlung, auch für Leute, die den Vorgänger nicht kennen. Weiterlesen

Freizeitklamotten statt Kampfmontur

mckinty katholische bulle

© Suhrkamp

Wer sein Buch nach einem Tom Waits Song benennt, der hat meine Sympathie. „Cold Cold Ground“ ist gemeint, der erste Band der Sean-Duffy-Reihe von Adrian McKinty. Hierzulande nennt sich das Buch „Der katholische Bulle“, was einerseits sehr gut passt, andererseits verdächtig nach einer alten Heimatkrimi-Serie mit Ottfried Fischer klingt. Von ländlicher Idylle ist gottseidank nicht viel zu spüren in diesem düsteren Meisterwerk. Weiterlesen

„Die Welt ist verrückter, als wir glauben“

millar true crime

© Atrium

In Amerika sollte Geschichte geschrieben werden, und ich war der Mann mit dem Füllfederhalter …

Dass die Autobiographie von Sam Millar hierzulande überhaupt erscheint, ist dem Atrium-Verlag hoch anzurechnen. Schon in seiner Heimat Nordirland war es schwer, überhaupt einen Verlag dafür zu zu finden. Als dann aber ein kleiner Verlag seine Lebenserzählung publizierte, wurde das Buch zum großen Erfolg. Zwischenzeitlich war sogar davon die Rede, Sam Millars Leben zu verfilmen. Aber daraus wurde am Ende doch nichts. Weiterlesen