Abschluss des Osteuropa-Spezials

Der Abschluss des Osteuropa-Spezials. Dankeschön an das Team von Kaliber.17, ich hoffe es hat nicht nur uns Beteiligten eine Menge Spaß gemacht.

Kaliber.17 | Krimirezensionen

First things first: An unserem Osteuropa-Spezial hatte ich sehr viel Freude. Ich bedanke mich bei allen Rezensenten für die Unterstützung, insbesondere bei Gunnar für die Idee, bei Alex von Der Schneemann dafür, das er das Wagnis dieser Kooperative eingegangen ist, den Verlagen für das positive Feedback und natürlich bei euch, den Lesern. Denn ohne Leser wäre alles sinn- und witzlos!

Ursprünglichen Post anzeigen 322 weitere Wörter

Werbeanzeigen

Findet Thomas Cavar

Bottini Der kalte Traum

© Dumont

Im schwäbischen Rottweil fragt ein Mann vom Balkan nach einem gewissen Thomas Cavar. Die Einwohner erinnern sich – Thomas war dort aufgewachsen, hatte dort gewohnt, bis er, so heißt es, 1995 in Bosnien ums Leben kam. Er soll im Krieg um die kroatische Unabhängigkeit gefallen und seine Leiche in einem Massengrab gelandet sein. Der Fremde hakt nicht weiter nach. Nur drei Tage später bittet der Ex-Politiker Richard Ehringer, ehemals ein hohes Tier in der Bonner Republik, seinen Neffen, den Kripobeamten Lorenz Adamek, einen ganz bestimmten Namen durch die Datenbank der Polizei zu jagen: Thomas Cavar. Währenddessen durchstreift die deutsche Journalistin Yvonne Ahrens die kroatische Hauptstadt Zagreb mit einem alten Foto in der Tasche. Es zeigt einen jungen Soldat, der einem alten Mann eine Pistole an den Kopf hält und stammt aus der Zeit des Unabhängigkeitskriegs. Sie glaubt, ein Indiz für ein Kriegsverbrechen in den Händen zu halten. Um an Beweise zu kommen, herauszufinden, was damals wirklich geschehen ist, muss sie aber erst einmal herausfinden, wer die beiden Männer auf dem Foto sind. Weiterlesen

Michal Viewegh | Die Mafia in Prag

Gunnar war in Prag unterwegs und wurde überrascht.

Kaliber.17 | Krimirezensionen

Der Oberst dachte nach.
„In einem amerikanischen Film“, sagte er nach einer kurzen Pause, „kommt zu den sympathischen Detektiven, die in einem Mord ermitteln, ein unsympathischer Idiot vom FBI und nimmt ihnen den Fall weg. Die Detektive ermitteln dann entweder ohne ihn weiter, womit seine Beschränktheit noch deutlicher wird, oder es stellt sich heraus, dass er doch kein Idiot war, und sie lösen den Fall gemeinsam.“
Er machte eine Pause. Saša wartete.
„Hierzulande werden uns die Ermittlungen von irgendwelchen Affen aus dem Ministerium entzogen – und der Minister weist uns für alle Fälle neue Untersuchungsbereiche zu, gestohlene Autos oder Antiquitäten. Keiner löst was, und wir stehen alle als Idioten da.“ (Auszug Seite 81-82)

Der Lobbyist Darek Balík ist in einem Zeugenschutzprogramm untergebracht, um dort der Justiz seine Mafiaverbindungen aufzudecken. Doch seine gesammelten Beweise können nicht nur dem einheimischen Paten und der Russenmafia, sondern auch zahlreichen hochrangigen Politikern gefährlich werden. Da…

Ursprünglichen Post anzeigen 369 weitere Wörter

„Die Nacht ist ein Typ mit Kapuze auf dem Kopf“

Kecmanovic Sibiren

© Matthes & Seitz

Die Nacht ist ein Typ mit einer Kapuze auf dem Kopf.“ So beginnt „Sibiren“ von Vladimir Kecmanovic. Dann folgt erstmal eine Leerzeile. Danach wieder ein Satz. Eine Leerzeile. Nächster Satz. Leerzeile. Geht das jetzt immer so weiter? Nein, nicht ganz, manchmal teilen sich auch zwei oder drei Sätze einen Zwischenraum. Aber im Prinzip: Ja, der ganze Roman ist nach diesem Muster gesetzt. Das erinnert an Jennifer Egans Twitter-Agententhriller „Black Box“, der aus 140-Zeichen-Schnipseln, wie sie über den Kurznachrichtendienst versendet werden, zusammengeklebt wurde. Nur dass man bei der Pulitzer-Preisträgerin Egan wusste, warum das Endergebnis so aussah, wie es aussah. Der Matthes & Seitz Verlag, bei dem dieses kleine Büchlein mit dem Untertitel „Ein serbischer Liebesthriller, in den sich Kroaten eingemischt haben“ erschienen ist, schweigt sich über den Grund für das ungewöhnliche Erscheinungsbild aus. Auch das Nachwort von Übersetzerin Mirjana Wittmann lüftet das Geheimnis nicht. Dem Leser bleibt nichts anderes übrig, als sich schulterzuckend in die Szenerie zu stürzen. Weiterlesen

Izabel Szolc | So dunkel die Nacht

Kurt hat auch den Nachfolgeband von „Ein stiller Mörder“ gelesen.

Kaliber.17 | Krimirezensionen

Ein Serienmörder treibt sein Unwesen in Warschau und verübt grausame Ritualmorde an jungen Frauen: Er schneidet seinen Opfern die Kehle durch und lässt sie qualvoll ausbluten. Während die ersten Toten aus dem Rotlichtmilieu stammen, ist das dritte Opfer ein Mädchen aus gutem Hause. Anna Hwierut, die noch mit den traumatischen Folgen ihres letzten Falls zu kämpfen hat, sucht fieberhaft nach einer Verbindung zwischen den Mädchen, doch die Ermittlungen führen zusehends ins Nichts … Bis unverhofft eine neue Spur auftaucht – ist ein Polizist in die Morde verwickelt?

Warschau hat Anna Hwierut wieder. Zu Beginn des Romans So dunkel die Nacht kehrt die Protagonistin aus dem dienstlich befohlenen Genesungsurlaub zurück in ihr Kriminalkommissariat, immer noch schwer traumatisiert von den grausamen Erlebnissen am Schluss des ersten Teils der Trilogie von Izabela Szolc, Ein stiller Mörder. Ihr Vorgesetzter hält sie für noch nicht wieder diensttauglich und verordnet ihr psychologischen Beistand, den…

Ursprünglichen Post anzeigen 613 weitere Wörter

Die Zukunft steht in den Sternen

Olga Tokarczuk Gesang Fledermäuse

© Schöffling

Mir nach, Leser!“ heißt es am Ende des ersten Teils von Michail Bulgakows fantastischer Farce „Der Meister und Margarita“, einem der bedeutendsten Werke moderner russischer Literatur. Ich gehe davon aus, dass die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk sich dessen bewusst war, als sie den Titel für das Eröffnungskapitels ihres Romans festlegte: „Und jetzt aufgepasst!“, ermahnt sie uns direkt zu Beginn der Lektüre. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass wir es hier mit einer Hommage an den großen Satiriker Bulgakow zu tun haben – die Autorin stellt gleich auf der ersten Seite klar, in welcher Tradition ihr Roman steht. Denn auch wenn „Der Gesang der Fledermäuse“ keineswegs den Zynismus des viel zu jung verstorbenen Regimegegners und Ausnahmeschriftstellers versprüht, ist Olga Tokarczuk ein überaus skurriler, witziger und hintersinniger Krimi voll gesellschaftskritischer Untertöne gelungen. In jeder Zeile spürt man die Auflehnung gegen bestehende Normen und Werte und das stumpfe Verfolgen traditionsreicher Verhaltensmuster, die derart in die Köpfe der Menschen eingewachsen sind, dass sie niemand mehr in Frage stellt. Unser Blick auf die Welt wird ordentlich durchgeschüttelt. Weiterlesen

Eberhard Nembach | Gypsy Blues

Gunnar hat sich „Gypsy Blues“ von Eberhard Nembach zur Brust genommen.

Kaliber.17 | Krimirezensionen

Während er hinter Marija auf allen Vieren aus dem Karton wieder herauskroch, hörte er vor sich einen spitzen Schrei. Ein größerer Junge mit schmutzigen Händen hatte sich vor dem kleinen Mädchen aufgebaut und zog ihr farbloses Kleidchen nach oben. Markus drängelte sich an den beiden vorbei und sah jetzt ihren blassen und knochigen Mädchenkörper. Wortlos starrte Markus auf das Kind, dessen Kleid der Junge immer noch am Saum festhielt, Marijas helles Schimpfen und Schluchzen ignorierend. […]
„Look!“, Ionel zeigte auf eine Stelle oberhalb der Hüfte, die spitz aus dem Mädchenkörper hervorstach.
Eine feuerrote Narbe, lang und gerade, verlief senkrecht an ihrer Seite. (Auszug Seite 57)

Journalist Markus Kampmann reist nach Belgrad, um dort über die Ermordung des Ministerpräsidenten Zoran Djindjic zu berichten. Dort erfährt er von einer Organmafia, die Romakinder als Organlager missbrauchen und sogar lebenswichtige Organe entnehmen. Zusammen mit der dänischen NGO-Mitarbeiterin Greta begibt er sich auf die Spur…

Ursprünglichen Post anzeigen 366 weitere Wörter

Sam Eastland | Roter Schmetterling

Nora von Kaliber.17 hat sich nach Russland getraut.

Kaliber.17 | Krimirezensionen

Sommer 1941: Hitlers Truppen marschieren scheinbar unaufhaltsam voran, über Russland wird ein deutsches Aufklärungsflugzeug abgeschossen. Darin findet sich ein Gemälde, das auf den ersten Blick einen großen Nachtfalter darstellt. Doch Inspektor Pekkala erkennt in dem Gemälde einen getarnten Grundriss der Zarenresidenz im ehemaligen St. Petersburg. Daraufhin argwöhnt Stalin, dass es die Deutschen auf das legendäre Bernsteinzimmer abgesehen haben, und schickt Pekkala in die belagerte Stadt.

Roter Schmetterling (Original The Red Moth) ist inzwischen schon der vierte Teil von Sam Eastlands Krimireihe um seinen Sonderermittler mit Schattenpass Inspektor Pekkala. Diejenigen, die unserem Blog folgen, wissen, dass ich nicht nur Fan von seinen Romanen bin, sondern mich auch sehr für die Rahmenthemen Russland, Ukraine und Osteuropa begeistern kann. Insofern dürfte es nicht überraschen, dass ich auch vom vierten Teil der Serie, der auf gleichbleibendem sprachlichem Niveau geschrieben wurde, angetan war.

Ursprünglichen Post anzeigen 666 weitere Wörter