Kulturterrorismus und Zwangsprostitution

Popovic Spieler

© btb

1987 gehörte die Sozialistische Republik Kroatien noch zu Jugoslawien. In diesem Jahr erschien der Roman „Mitternachtsboogie“ eines gewissen Edo Popović, der, dem Titel angemessen, über Nacht zum Kultbuch avancierte. Dann kam der Zerfall der Sowjetunion – und damit das Referendum vom Mai 1991, bei dem sich über 90 Prozent der Kroaten für eine Loslösung vom jugoslawischen Staatenbund aussprachen. Der Beginn des kroatischen Unabhängigkeitskampfes, eines von vielen Konflikten, die man heute unter dem Begriff „Jugoslawienkrieg“ zusammenfasst. Er dauerte bis 1995 an und endete mit der Eingliederung der umkämpften Gebiete in die unabhängige Republika Hrvatska. Ein Mann verfolgte diesen Krieg von seinen blutigen Anfängen bis zum Abkommen von Erdut aus nächster Nähe, und machte sich als ebenso furchtloser wie unbestechlicher Berichterstatter einen Namen: Ein gewisser Edo Popović. Underground-Literat, Journalist und Kriegsreporter. Heute gilt er als wichtigster Schriftsteller des Landes, wenn nicht gar des ganzen Balkans, und gibt jenen eine Stimme, die vom gesellschaftspolitischen Wandel in Osteuropa nicht profitiert konnten. Weiterlesen

Vorschau: Sendung vom 09.08.2015

IMG_8249Die Sendung zu meiner Osteuropa-Reise mit Kaliber.17 läuft am Sonntag um 19 Uhr auf der Wüsten Welle – für die Tübinger auf der Frequenz 96,6, für den Rest der Welt im Livestream. Wer, wie ich, zu dieser Zeit schon im Urlaub ist (ihr hört mich quasi aus der Konserve), kann das Ganze entweder in Form von Podcasts auf meinem Soundcloud-Profil nachhören, oder, und das war bisher nicht möglich, die komplette, einstündige Sendung in der nagelneuen Mediathek der Wüsten Welle anhören und sogar herunterladen. Allerdings nur für 7 Tage, also haltet euch ran. Denn das gibt es zu verpassen: Weiterlesen

Izabela Szolc | Ein stiller Mörder

Auch Kurt von Kaliber.17 hat für das Osteuropa-Spezial „Ein stiller Mörder“ von Izabela Szolc gelesen.

Kaliber.17 | Krimirezensionen

Ein stiller Mörder ist ein recht schmales Buch von nur rund 200 Seiten, aber die Autorin Izabela Szolc packt einiges hinein an spannender Handlung, interessanten Hintergründen, an dichter Atmosphäre und klugen Reflexionen, auch über die vordergründige Handlung hinaus. Sie beschreibt den schwierigen Alltag einer jungen Frau in ihrem Beruf als Kriminalkommissarin in einer von Männern geprägten Arbeitswelt und in ihrem Privatleben als alleinerziehende Mutter eines Jungen am Beginn der Pubertät. In beiden Rollen ist die Hauptfigur des Romans stark gefordert und sie erlebt hier wie dort auch Momente des Scheiterns, schließlich aber erweist sie sich als ungewöhnlich starke Frau, die sich bei aller Verletzlichkeit durchsetzt und allen Widrigkeiten und auch allen Zweifeln zum Trotz ihren Weg geht.

Die parallelen Ermittlungen in zwei Mordfällen erfordern Annas volle Aufmerksamkeit und bringen zuletzt nicht nur sie, sondern auch ihren Sohn in Lebensgefahr. Ein verrückter Geigenvirtuose, ein selbstmordgefährdeter, vermeintlicher Sexualstraftäter oder ein bislang unerkannter Dritter…

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Warsaw by Night

Szolc Ein Stiller Mörder

© Prospero

Ein 17-jähriger Junge ist seit Tagen nicht mehr Zuhause aufgetaucht und seine Eltern machen sich langsam Sorgen. Kommissarin Anna Hwierut und ihr Kollege Szelig wollen gerade die Ermittlungen aufnehmen, als die Weichsel die Leiche eines alten Mannes anspült. Nun haben die beiden Ermittler einen Vermissten, dessen Aufenthaltsort sie nicht kennen, von dem sie aber wissen, von welchen Ort er weggelaufen ist, und einen Toten, der in der Gerichtsmedizin liegt, bei dem aber unklar ist, wo er überhaupt herkommt. Wenn das keine guten Voraussetzungen sind. Nebenbei kämpft Anna mit ihrem pubertierenden Sohn, der sich ebenso nach ihrem Ex-Mann sehnt, wie er ihn als Vater ablehnt, und den Großeltern, die darum werben, den Jungen über die Ferien bei sich aufnehmen zu dürfen. Einen psychopathischen Killer, der sie aus irgendeinem Grund unbedingt sprechen möchte, hätte es da wirklich nicht auch noch gebraucht. Weiterlesen