ZVW-Krimi des Monats: Gravesend

Boyle Gravesend

© Polar Verlag

Wie sicherlich schon einige von euch bereits mitbekommen haben, arbeite ich seit drei Monaten als Crossmedia-Volontär beim Zeitungsverlag Waiblingen. Dort werde ich ab sofort jeden letzten Mittwoch im Monat den „Krimi des Monats“ küren. Den Anfang macht im Januar William Boyles „Gravesend“.

„Am Anfang steht, wie so oft, ein Verbrechen: Ray Boy Calabrese und seine Freunde lauern ihrem homosexuellen Mitschüler Duncan auf. Sie treten und schlagen auf den Jungen ein, er reißt sich los, rennt auf die Straße und wird von einem Auto überrollt. Er stirbt.“

Den Rest der Rezension findet ihr hier.

Schnemann goes #fbm16: Der Mittwoch

Messe ist, wenn alle an einem vorbeilaufen. Schon in meiner ersten Stunde auf dem Gelände, die ich traditionell bei den Kleinverlagen in Halle 4.1 verbringe, konnte ich nur knapp Kollisionen mit Friedrich Ani, Melanie Raabe, Thomas Wörtche und Zoë Beck vermeiden. Da ich von Letzterer bereits im Vorjahr für einen Messe-Mitarbeiter gehalten wurde, ging ich kurz darauf erst einmal zum Stand von CulturBooks, um zu schauen, ob sie sich noch an mich erinnert. In bester Besucher-Manier stand ich also vor den Neuerscheinungen herum und blätterte. Hatte zum ersten Mal die gedruckte Version von „Cops in the City“ in der Hand. Grinste bei Sätzen von Carlo Schäfer. Entweder wurde es Zoë dann zu eng am kleinen Stand, oder sie wollte mich nur als potentiellen Leser nicht verlieren, jedenfalls drückte sie mir ein Verlagsprogramm in die Hand. Es war der Beginn eines Spiels ohne RegelnWeiterlesen

Vorschau 2016: Teil 10

Wangersky Walt    Blank book cover w clipping path    Ken Bruen Füchsin    Iles Die Toten von Natchez

Noch eine letztes Mal Vorschau, dann heißt es ran ans Regel und her mit den heiß ersehenten Büchern! Wie jedes Jahr wird es auch 2016 wieder darauf hinauslaufen, dass ich nur einen Bruchteil der Bücher schaffen werde, die ich hier Woche für Woche so vorstelle. Doch zum Glück bin ich ja nicht alleine auf der Welt – und wenn ich durch meine (auf gefährlichem Halbwissend basierenden) Prognosen euch, meinen Leserinnen und Lesern, ein paar schöne Stunden beschere, dann ist doch auch schon viel gewonnen. Jeder verbessert die Welt eben so, wie er kann.  Weiterlesen

Ungebändigtes Talent

atkins stadt der ertrinknenden

© Polar

In den meisten Fällen ist es keine gute Idee, mit 15 Jahren die Arbeit an einem Roman zu beginnen. Der Neuseeländer Ben Atkins hat es trotzdem getan. Sein geschichtliches Interesse, genau genmmen die Erkenntnis, dass Geschichte immer zyklisch verläuft, ließ ihn 2009 zum Stift greifen. In der Stille nach dem Knall, mit der ein Jahr zuvor die globale Finanzblase platzte, setzte er zu einer Erzählung über die Weltwirtschaftskrise von 1929 an, über die Zeit der Prohibition und die „Große Depression“, die darauf folgte. Herausgekommen ist „Stadt der Ertrinkenden“, ein hierzulande zwar bisher viel zu wenig beachtetes, aber von den Kritikern dennoch hochgelobtes Debüt. Dass wir überhaupt in den Genuss dieses Buches kommen, verdanken wir dem Hamburger Polar Verlag, der sich mit Autoren wie Atkins – oder etwa dem Franzosen Jérémie Guez – gerade in erheblichem Maße um den Krimi-Nachwuchs verdient macht. Und nach der Lektüre dieses „Mid-Century-Noir“ bleibt nur zu sagen: Es handelt sich dabei um ein lohnendes Engagement. Weiterlesen

Ein Anti-Bond mit Taktgefühl

Moody Spion Jazz

© Polar

1968. Eben hämmert Jazzmusiker Gene Williams noch in einem Londoner Clubs auf die Drums ein, im nächsten Moment steht er schon mit einem Bein in einem der geschichtsträchtigsten Konflikte der Nachkriegszeit. Die CIA kassiert ihn ein. Man hat davon Wind bekommen, dass er zum Prager Jazz Festival eingeladen wurde und möchte, dass er sich dort nützlich macht. Genauer gesagt soll er einen Kontaktmann der Amerikaner treffen, der angeblich über Informationen bezüglich eines geplanten Einmarschs der Russen in die tschechoslowakische Hauptstadt verfügt. Der Geheimdienst erpresst ihn und ringt ihm so eine Zusage ab. In Prag angekommen verzweifelt Gene am Spagat zwischen Musik und Heimlichtuerei. Er wird verfolgt, bedroht, verhört, rennt von der Bandprobe zur Kneipe, von der Kneipe zu wechselnden Treffpunkten und wacht regelmäßig mit Kopfschmerzen auf. Als wäre er damit nicht schon bedient, verliert er sich auch noch in den schönen Augen von Lena, der Enkelin des Mannes, wegen dem er ursprünglich gekommen war.

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Wie ein Spaziergang auf der Autobahn

Thornburg Cutter und Bone

© Polar

Es gibt Bücher, auf deren Seiten das Gewicht der Welt lastet. Die sie in all ihrer Dunkelheit, ihrem Wahnwitz, aber auch ihrer nie wirklich fassbaren Schönheit abbilden. Viele davon tragen große Namen und finden sich in jedem Literaturkanon und jeder gut sortierten Buchhandlung wieder. Aber was geschieht mit denen, die vergessen werden? Im Idealfall, und das muss man so zynisch sagen, stirbt der Autor. „Don’t forget Newton Thornburg hieß es 2011 nach dem Tod des amerikanischen Noir-Autors im Guardian – ein Aufruf, dem hier in Deutschland kaum jemand Aufmerksamkeit schenkte. Abgesehen von Wolfgang Franßen und seinem Polar Verlag, die gerade Thornburgs bekanntestes Werk exhumiert haben: „Cutter und Bone“. Wer an dieses Buch unbedarft rangeht, wird überrollt. Ich spreche aus Erfahrung. Weiterlesen