ZVW-Krimi des Monats: Kerkerkind

Bohnet Kerkerkind

© Knaur

Auch im Februar habe ich für den Zeitungsverlag Waiblingen wieder einen „Krimi des Monats“ gekürt. Diesmal hat es „Kerkerkind“ von Katja Bohnet erwischt. Zur Feier des Tages hat mir die Autorin ein paar Fragen zum zweiten Auftritt von Rosa Lopez un Viktor Saizew beantwortet – und nebenbei auch etwas über den nächsten verraten.

Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit in Skandinavien: Nach dem Tod des schwedischen Journalisten und Schriftstellers Stieg Larsson wurden posthum drei seiner Kriminalromane veröffentlicht. Die ‚Millenium‘-Trilogie war ein weltweiter Bestseller, und die Welt wollte nach dem dritten Band noch lange nicht aufhören zu lesen. Die Welt verlangte nach mehr. Jahr um Jahr schwemmen die Verlage seitdem massenhaft Psychothriller in die Buchhandlungen, größtenteils generisches Gemetzel in minimal variierender Verpackung. Auch Katja Bohnets neuer Roman wirkt auf den ersten Blick, als könnte er Teil dieser Schwemme sein …

Den Rest der Rezension (und natürlich das Interview) findet ihr hier.

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Der Kriminalroman im Zeitalter der Remix-Kultur

Fox Hades

© Suhrkamp

Die junge Australierin Candice Fox wurde für ihr Debüt „Hades“ nicht nur in ihrer Heimat preisgekrönt, sie hat auch hierzulande etwas gewinnen können, das man nicht unterschätzen sollte: Prominente Fürsprecher. Angefangen bei Thomas Wörtche, der das Buch bei Suhrkamp herausgegeben hat, über Sonja Hartl, Alf Mayer und Ulrich Noller liest sich die Mitgliederliste ihres Fanclubs wie ein who is who des deutschen Krimijournalismus. Und die dazugehörigen Lobeshymnen erst! Man hatte zwischenzeitlich das Gefühl, mit „Hades“ stünde uns eine kleine Genre-Revolution ins Haus. Umso ratloser war ich nach 341 Seiten, denn das Kartenhaus meiner Erwartungen war nach und nach in sich zusammengefallen und die Autorin zog bis zum Schluss kein Ass aus dem Ärmel, um es wieder zu stabilisieren. Ob sie es sich für die zwei Folgebände aufgehoben hat? Oder ist ihr gar der ganz große Bluff gelungen? Während ich noch grübelte, was ich übersehen hatte, hätte ich beinahe etwas übersehen: Wie viel Spaß ich mit diesem Buch hatte. Vollends verwirrt schlug ich es auf der ersten Seite wieder auf und verabschiedete mich von jedem Gedanken an Schlaf. Weiterlesen

Die beklemmende Enge der Erinnerung

Dazieri - In die Finsternis

© Piper

„Die Welt ist eine gewölbte Wand aus grauem Beton. Die Welt ist von gedämpften Geräuschen und Echos erfüllt. Die Welt ist ein Kreis, den er mit ausgebreiteten Armen halb ausmessen kann.“

Zu Beginn werden wir Zeuge einer ungeheuerlichen Szene. Ein Junge, der in einem engen Raum völlig isoliert vor sich hinvegetiert, entdeckt einen Riss in der Wand. In der Wand, die bisher die Grenze seiner Welt darstellte. Er weiß, dass es falsch ist, durch dieses provisorische Fenster zu schauen, tut es aber trotzdem. Der Vater wird ihn hinterher wieder „Vieh“ nennen, weil er sich nicht an die Regeln hält. Doch die Die Bestrafung bleibt aus. Ist der Vater etwa doch nicht der allwissende Gott, für den er ihn die ganze Zeit gehalten hat? In seinem Inneren keimt ein Zweifel. Weiterlesen

Von Menschen und anderen Tieren

millar bestien belfast

© Atrium

Auf den irischen Autor Sam Millar bin ich vor etwa einem halben Jahr aufmerksam geworden, als das, was heute meine Radiosendung ist, langsam begann Form anzunehmen. Damals hatte ich schon den Wunsch, im Zuge meines Projekts eine Sondersendung zum Thema Irland zu machen. Auf der Suche nach geeigneten Büchern stieß ich auf die Reihe um Privatdetektiv Karl Kane. Viel interessanter als der Klappentext schien mir damals das, was dort über den Autor zu lesen war: Weiterlesen

Eine Poetik des Todes

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© Knaur

Was für ein Buch. Ich gebe zu, es hatte mich nicht von Anfang an, aber Seite um Seite wurde ich mehr zum Gefangenen von Kim Zupans Roman mit dem furchtbaren, nichtssagenden deutschen Titel „Die rechte Hand des Teufels“. Dabei wollte ich doch nur mal kurz was Schnelles für zwischendurch, bevor ich mich an „Regengötter“ mache, den heißesten Anwärter für den Krimi des Jahres. Aber wie das eben manchmal so ist, kommt gerade dann ein Underdog um die Ecke und schnappt sich den Titel. Mal schauen, ob James Lee Burke da noch einen drauflegen kann. Schwer wird es allemal. Weiterlesen