Westerngroteske? Wundertüte!

Smonk

© Pulp Master

„Smonk“ ist so ein Buch, über das man wahnsinnig viel schreiben könnte. Darüber, dass Tom Franklins Roman dermaßen southern gothic ist, dass Kommentare wie „… also gelesen hab‘ ich das jetzt nicht, ist mir zu persönlich zu abgedreht, aber soll ja sehr gut sein“ schon beim bloßen Anfassen durch den Gehörgang geistern. Darüber, dass sich das liest, als hätte Cormac McCarthy „Die Morgenröte im Westen“ bis in die Haarspitzen zugekokst in einem Pornokino geschrieben. Darüber, was uns ein Autor mitteilen möchte, der das Tier im Menschen auf das amerikanischste aller Genres loslässt und damit einen Körperflüssigkeiten-Tsunami entfesselt. Muss aber alles gar nicht sein. Auch ohne jede Form der Einordnung ist Smonk ein Höllenspaß. Ach was – das Wort „Höllenspaß“ wurde eigens für diesen Roman erfunden. Weiterlesen

Schneemann goes #fbm16: Der Donnerstag

Erster Termin des Tages: Elmar Krekeler interveiwt Friedrich Ani am Stand der WELT. Es geht um sein neues Buch „Der nackte Mann, der brennt„. Ein Wasserglas taucht vor dem Autor im Bob Dylan T-Shirt auf, er schaut es irritiert an und meint süffisant zu seinem Gastgeber: „Wenn ich solange stehen muss, hätte ich eigentlich lieber ein Bier.“ Der sagt natürlich: „Kein Problem„, aber plötzlich will der Autor doch keines mehr, und so ähnlich läuft dann auch der Rest des Gespräches ab. Elmar Krekeler fragt, Friedrich Ani tänzelt um die Fragen herum, weicht den allzu persönlichen aus und lässt dabei Sätze vom Stapel, die das Publikum aufhorchen lassen. „Ich wollte den Dörfern in Oberbayern ein Denkmal setzen„, beschreibt er zum Beispiel die Arbeit an seinem Roman, nur um kurz darauf zu spezifizieren, was für ihn so ein oberbayrisches Dorf ausmacht: „Kirche, Fußball, Kindesmissbrauch.“ Den Titel habe er dem Song „Naked Man Burning“ entnommen. „Kann man nicht googlen, weil der ist von mir und ich hab ihn nicht veröffentlicht – zurecht.“ Weiterlesen

Schnemann goes #fbm16: Der Mittwoch

Messe ist, wenn alle an einem vorbeilaufen. Schon in meiner ersten Stunde auf dem Gelände, die ich traditionell bei den Kleinverlagen in Halle 4.1 verbringe, konnte ich nur knapp Kollisionen mit Friedrich Ani, Melanie Raabe, Thomas Wörtche und Zoë Beck vermeiden. Da ich von Letzterer bereits im Vorjahr für einen Messe-Mitarbeiter gehalten wurde, ging ich kurz darauf erst einmal zum Stand von CulturBooks, um zu schauen, ob sie sich noch an mich erinnert. In bester Besucher-Manier stand ich also vor den Neuerscheinungen herum und blätterte. Hatte zum ersten Mal die gedruckte Version von „Cops in the City“ in der Hand. Grinste bei Sätzen von Carlo Schäfer. Entweder wurde es Zoë dann zu eng am kleinen Stand, oder sie wollte mich nur als potentiellen Leser nicht verlieren, jedenfalls drückte sie mir ein Verlagsprogramm in die Hand. Es war der Beginn eines Spiels ohne RegelnWeiterlesen

Vorschau 2016: Teil 9

James Lee Burke Fremdes Land    Thor Kunkel Und Gott    Bernd Cailloux Surabaya Gold    Charlie Stella Johnny Porno

Heute fallen vier Namen. Den einen hat man in letzter Zeit so oft gehört, dass sich bei dem ein oder anderen von euch bestimmt schon Übersättigung eingestellt hat. Die anderen zwei hatte ich zwar auf dem Schirm, aber von dem einen hat man lange nichts mehr gehört, und vom anderen habe ich nicht erwartet, ihm mal in genrenahen Themengebieten wildern zu sehen. Und, last but not least, der vierte Name. Der ist mir ehrlich gesagt noch nie im Leben begegnet. Das Buch, auf dem er steht, weckt allerdings mein Interesse – und das nicht nur, weil da noch ein fünfter Name eine gewisse Rolle spielt… Mist, verzählt. Weiterlesen

Vorschau 2016: Teil 3

Larson Zero One Dewey    Mackay Der Killer hat genug    Platzgumer Am Rand    Criaco Schwarze Seelen

Die abschließenden Bände einer Reihe üben immer schon eine ganz besondere Magie auf mich aus, entscheiden sie doch zu einem erheblichen Teil darüber, ob man die sich über Jahre angelesene Geschichte in guter oder schlechter Erinnerung behalten wird. Umso gespannter bin ich auf die zwei ersten Bücher, die ich heute vorstellen möchte. Und damit es für jene, welche die ersten zwei Teile verpasst haben nicht zu langweilig wird, schiebe ich noch zwei Stand-Alones hinterher.  Weiterlesen

Kiss Your Ass Good-Bye

Charles Willeford

© Vice

Charles Willeford wird am 2. Januar 1919 als Charles Ray Willeford III in Little Rock, Arkansas geboren. Bereits drei Jahre nach der Geburt stirbt sein Vater an Tuberkulose, Charles‘ Mutter folgt ihrem Ehemann nur fünf Jahre später mit der gleichen Diagnose nach. Die Großmutter, die im Süden von Los Angeles wohnt, nimmt den Waisenjungen bei sich auf. Doch angesichts der Wirtschaftskrise, der sogenannten „Großen Depression“, fällt es ihr zusehends schwer, für ihn zu sorgen. Bis er 1932, im Alter von gerade mal dreizehn Jahren, Los Angeles verlässt und in einen Zug steigt, um sich entlang der mexikanischen Grenze als jugendlicher Landstreicher mit gefälschter Identität durchzuschlagen. Weiterlesen

Drastische Denkanstöße

Carrino Der Verstoß

© Pulp Master

Giovanni ist der Sohn des Mafia-Bosses Don Antonio und lernt dementsprechend früh, sich auf den Straßen Neapels durchzusetzen. Als die Polizei ihn das erste Mal festnimmt ist er gerade mal sechzehn Jahre alt. Er landet im Jugendknast. Dort sieht er zu, wie drei seiner Kollegen einen Mitgefangenen vergewaltigen. Als er „an der Reihe“ ist, bringt er den Jungen kurzerhand um. Nicht wegen des trotzigen Blicks, der ihn zugegebenermaßen richtig wütend macht. Nein, diese grausame Tat hat einen anderen Ursprung: Giovanni hat soeben festgestellt, dass er möglicherweise homosexuell ist. Weiterlesen