Fight Club

Bill Geschmack der Gewalt

© Suhrkamp

Selten haben Cover und Titel so gut zu einem Roman gepasst wie bei Frank BillsDer Geschmack der Gewalt“. Man möchte fast sagen: Wie die Faust aufs Auge. Denn die blutige Ansammlung charakteristisch verschränkter Finger, die dem Leser von der Frontseite entgegenschlägt, weckt Erinnerungen, die sich wie warmes Eisen auf die Zunge legen. Und auch der Autor selbst versteht sehr viel vom Spiel mit den Sinneseindrücken. „Donnybrook“, so der ebenfalls passende, wenn auch etwas unspektakuläre Originaltitel, riecht auf jeder Seite nach Ammoniak, nach Schwefel, nach Rauch, Alkohol und menschlichen Ausdünstungen. Man spürt jeden Satz in den Zähnen, man schmeckt Blut, Säure und, nun ja, Gewalt eben. Gute Arbeit, Suhrkamp, der von euch gewählte Titel macht eine ausführliche Rezension beinahe überflüssig. Doch auch wenn die ästhetische Aufmachung durchaus zu überzeugen weiß – ein „schönes“ Buch ist „Der Geschmack der Gewalt“ ganz sicher nicht. Weiterlesen

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Was für eine Entdeckung!

Zownir Umnactung

© Mox & Maritz

In der Sendung vom Juli habe ich mein erstes Interview geführt. Um das nicht zu versauen, wollte ich mich im Vorfeld gründlich über die Person informieren, um die es in dem Gespräch letztendlich gehen sollte: Harry Crews. Dabei stieß ich auf den Bremer Mox & Maritz Verlag, der bereits drei Romane von Crews auf Deutsch veröffentlichte, lange bevor mir dessen Name erstmals begegnen sollte. Ehrlich gesagt hatte ich vorher auch noch nie etwas von diesem Verlag gehört. Also nichts wie ab auf die Homepage. Der aktuellste Titel, „Umnachtung“ von Miron Zownir aus dem letzten Jahr, zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich mochte, was dort darüber zu lesen war. Außerdem war ich gerade dabei, Titel für das Osteuropa-Spezial zu sammeln, und der Name des Autors klang, als könnte das Buch dort durchaus reinpassen. Dass es sich dabei um einen Deutschen handelt, fiel mir erst während der Lektüre auf, und diese Tatsache verwirrte mich: Wie kann es sein, dass allerorts die mangelnde Qualität des deutschen Krimis bemängelt wird, wenn wir es uns leisten, solche Autoren zu ignorieren? Weiterlesen

Mind your Manners!

bruen kaliber

© Polar

Der Mörder in mir“ von Jim Thompson zählt wahrscheinlich zu meinen Top Five of All Time was Kriminalliteratur angeht. Die Geschichte über den Kleinstadtsheriff Lou Ford, einem Marke tragenden Psychopathen und Killer, ist an Abgründigkeit kaum zu überbieten. Der irische Autor Ken Bruen, den die meisten sicherlich durch seine Jack Taylor Reihe kennen, hat diesem Meisterwerk nun ein Denkmal gesetzt. Und was für eins! Es hört auf den Namen „Kaliber“ und ist neben James Ellroys Epos „Perfidia“ vielleicht der dreckigste Polizeiroman, den man dieses Jahr zu Lesen kriegen wird. Als hätte Ed McBains fieser Zwillingsbruder den Versuch gestartet, das legendäre 87. Polizeirevier ins größtmögliche Unheil zu stürzen. Weiterlesen

Hochliterarischer Edeltrash

Maia Krieg der Bastarde

© Droemer

Eigentlich will der Pornodarsteller Amadeu nur kurz bei seinem Chef Salvatore vorbeischauen, um ihm mal die Meinung zu sagen. Und zu kündigen. Er will sich mit seiner Freundin Gina, einer rothaarigen Boxerin, irgendwo eine neue Existenz aufbauen. An der Tür zu dessen Büro wird er dann aber Zeuge, wie Salvatore jemanden erschießt und all sein zusammengenommener Mut ist dahin. Unschlüssig steht er herum, bis er einen kurzen, erstickten Schrei hört. Etwas fällt zu Boden. Salvatore. Herzinfarkt. Wie ein Schlafwandler betritt Amadeu das Büro und schnappt sich das Wertvollste, was er auf die Schnelle finden kann: Eine riesige rote Sporttasche voller Kokain. Weiterlesen

Der ewige Kampf

thompson die verdammten

© Heyne

Tom Lord ist der Marshall von Pardee, einer texanischen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt. Eigentlich hatte er Arzt werden wollen, wie sein Vater vor ihm, aber das sollte nicht sein. Ironischerweise wurde sein Vater nämlich schwer krank. Tom, der sich bereits mitten im Medizin-Studium befand, musste abbrechen, um ihn zu Hause pflegen zu können. Die Geschichte, die uns Pulp-Großmeister Jim Thompson in „Die Verdammten“ erzählt, setzt ein, als Tom Lord zusammen mit seiner Freundin, einer ehemaligen Prostituierten, einen Ausflug macht. Irgendetwas scheint mit dem Wagen nicht zu stimmen. Er entscheidet, an einem Ölbohrturm Halt zu machen, um nach dem Wagen zu sehen und ihn gegebenenfalls zu reparieren. Angeblich. Weiterlesen

Die hässliche Fratze des Kapitalismus

nightcrawler 2Noch nie hat mir ein Film über einen längeren Zeitraum körperliche Schmerzen bereitet. Heute aber, in einem riesigen, annähernd leeren Kinosaal, war es so weit. Während der Rest der Kinogänger sich wahrscheinlich gegenseitig für die Entscheidung beglückwünschte, den neuen Nolan anzusehen („Diese Bilder!“), durchlitt ich mit meiner Freundin und einer Hand voll weiterer Menschen eine zweistündigeTortur. Der neue Film von Dan Gilroy („The Fall“, „Das Bourne Vermächtnis“) ist Szene für Szene ein einziger, sich immer weiter steigernder Alptraum.

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