Vorschau 2016: Teil 17

Johnson Die lachenden Ungeheuer    Nunn Zeit der Finsternis    Schulz Onno Viets Hirsch    Trouillot Yanvalou für Charlie

2016 laufe ich immer nur hinterher. Jetzt ist es schon so weit gekommen, dass ich bei meiner Jahresvorschau das Nachsehen habe, denn eines der vier Bücher, die ich euch heute vorstellen möchte, ist bereits vor ein paar Tagen erschienen. Aber was soll man machen? Wenn der siebzehnte (!) Teil immer noch nur so vor Hochkarätern strotzt, dann hat man es eben mit einem ungewöhnlichen Krimijahr zu tun.  Weiterlesen

Stand Your Ground

Max Annas Die Mauer

© Rowohlt

Max Annas ist wieder da und erobert die Kritikerherzen im Sturm. „Mit einer schnörkellosen, atemlosen Schreibe liefert der in Köln geborene Schriftsteller, der mittlerweile in Südafrika lebt, ein unglaublich spannendes Kammerstück ab“, schrieb ich vor etwa eineinhalb Jahren über sein Debüt „Die Farm“. Zu seinem zweiten Streich würde dieser Satz ebenfalls gut passen – mal abgesehen davon, dass der Autor neuerdings (?) in Berlin lebt, unter der Flagge von Rowohlt segelt und sich auch der Schauplatz seines Romans im Vergleich zum letzten Mal deutlich vergrößert hat. Darüber hinaus konzentriert sich Max Annas jedoch auf die Stärken des Vorgängers, perfektioniert sie, und wagt sich in kleinen, bedachten Schritten sogar auf neues Terrain. Sprich: Er entwickelt seine Vision konsequent weiter. „Die Mauer“ nennt sich diese Ausweitung der Kampfzone, und der Name ist natürlich wieder Programm. Weiterlesen

Vorschau 2016: Teil 13

Honda Blutroter Mond    Cody Miss Terry    Ivanov Täuschung    Keller Ende aller Geheimnisse

Eine geschätzte Bloggerkollegin, die sich leider bis auf Weiteres aus dem WordPress-Kosmos verabschiedet hat, stellte vor ein paar Wochen die Frage, wo denn eigentlich die starken, weiblichen Ermittlerinnen in der zeitgenössischen Kriminalliteratur abgeblieben seien. Meine Antwort: Hier. Vielleicht. Um das abschließend beurteilen zu können, werden wir die Bücher nämlich schon lesen müssen – wobei ich bei den zwei Autorinnen ja weniger Bedenken habe, dass das hinhaut… Weiterlesen

„Dies ist kein Albtraum, dies ist ein Todeskampf.“

Strunk Der goldene Handschuh

© Rowohlt

In meinem Heimatort gibt es eine Kneipe, deren Besitzer den gleichen Nachnamen wie ich trägt. Sie befindet sich im ansonsten leer stehenden, abgeriegelten Bahnhofsgebäude und bietet Leuten eine Zuflucht, denen man auf der Straße nur selten begegnet – entweder, weil sie sich dort nicht aufhalten, oder, weil man ihnen aus dem Weg geht. Sie sitzen tagtäglich am Tresen, schwitzen, poltern, saufen und inhalieren dabei Kippenschachteln. Bis vor ein paar Jahren gab es einen, der blaugraue Rauchkringel aus einem Loch im Hals pusten konnte, an das er sonst eine elektronische Sprechhilfe hielt. „Warum soll ich jetzt noch aufhören?“, sagte er mit seiner Roboterstimme, wenn man ihn darauf ansprach. „Der Kehlkopf ist doch sowieso schon futsch.“ Sonst redete er nicht viel. Ich weiß nur, dass er kaltes Bier nicht ausstehen konnte und niemanden mehr hatte. Jetzt ist er schon ein paar Jahre unter der Erde, und alle, die noch regelmäßig an ihn denken, sitzen in versifften Jogginganzügen in der kleinen Bahnhofskneipe und folgen ihm Glas um Glas, Zigarette um Zigarette nach. Ohne dass es jemanden mitbekommt.    Weiterlesen

Be Kind to Your Neighborhood Monsters

Gattis Straßen der Wut

© Rowohlt

Sie sind zu dritt. Sie überfallen ihn von hinten. Sie schlagen auf ihn ein. Ernesto Vera, der bis eben noch friedlich an der Straße Tacos verkaufte, der sich nie etwas hat zu Schulden kommen lassen, weiß nicht, was das vermummte, schwer bewaffnete Trio von ihm will. Aber er kann es ahnen. Sie wollen sich für etwas rächen, dass sein verrückter kleiner Bruder Ray, alias „Lil Mosco“, ihnen angetan hat. Doch ehe er sie danach fragen kann, ist er bereits tot. Als seine Schwester Lupe und die Mitglieder ihrer Gang seinen leblosen Körper kurze Zeit später auf der Straße finden, schwören sie Rache. Während ganz Los Angeles im Chaos versinkt, durchkämmen sie Lynwood, eines der gefährlichsten Viertel der Stadt, mit nichts im Sinn, als den Mördern von Ernesto ein paar Kugeln in den Kopf zu jagen. Doch sie sind bei weitem nicht die einzigen, die den allgegenwärtigen Ausnahmezustand nutzen wollen, um ein paar offene Rechnungen zu begleichen. Weiterlesen

Vorschau 2016: Teil 4

Erik Krieg In The Pines    Max Annas Die Mauer    Garry Disher Bitter Wash Road    Rodrigo Rey Rosa Die Gehörlosen

Es müssen nicht immer Romane sein. Ich weiß gar nicht, wie lange ich letztes Jahr in „meiner“ Buchhandlung um Hans Hillmanns Graphic Novel „Fliegenpapier“ rumgeschlichen bin, bis sie dann irgendein entscheidungsfreudigerer Käufer eingesackt hat. Dieses Jahr soll mir das jedenfalls nicht mehr passieren. Zudem lesen sich die bebilderten Storys deutlich schneller als Romane, was mir momentan gut in den Kram passen würde. Statt die Neuerscheinungen zu lesen verbringe ich meine Zeit nämlich mit Klausurvorbereitungen. Aber bald werde ich mich auf folgende Bücher stürzen: Weiterlesen

Rauchen, Saufen, Prügeln und ein Sonnenuntergang am Meer

Miller Freedoms Child

© Rowohlt

Eine junge, frische Stimme der amerikanischen Kriminalliteratur entlockt mit ihrem Debüt den eigenen Kollegen und der versammelten Presse ekstatische Jubelschreie. Ihr Name: Jax Miller. Naja, eigentlich Aine O’Dohmnaill, aber in einem Genre, in dem die Konkurrenz Karin Slaughter heißt, muss man sich eben was einfallen lassen. Eine Sensation, so hört man, die man zwar noch nicht mit Preisen, dafür aber mit jeder Menge Geld überhäuft hat. Wenn dann die Konkurrenz, die Karin Slaughter heißt, noch einen markigen Spruch ablässt, den der Piper-Verlag auf das deutsche Cover zu „Freedom’s Child“ drucken kann, dann ist der Hype perfekt und hohe Verkaufszahlen eigentlich vorprogrammiert. Also nimmt man das Buch zur Hand um dem Phänomen auf den Grund zu gehen – und nach etwa 350 Seiten fragt man sich, ob der Rest der Welt wirklich den gleichen Roman gelesen hat. Weiterlesen