Der Geschmack von Honig

Hutzulak Tödliches Ende

© Septime

Er hatte seiner Ex-Frau doch alles erklären wollen. Warum er damals ohne ein Wort zu sagen weggehen musste zum Beispiel. Doch jetzt liegt Stance nach einer wilden Nacht tot im schäbigen Hotelzimmer ihrer besten Freundin Tanya, mit jeder Menge Alkohol und einer Überdosis Schmerzmittel im Blut. Tanya, völlig aufgedreht, schwirrt, getrieben von Ekel und Faszination gleichermaßen, ziellos um ihren toten One Night Stand herum. Überfordert von der Situation holt sie sich Hilfe von einem ihrer Liebhaber. Und während die beiden überlegen, wie sie die Leiche am besten verschwinden lassen können, fällt Stance auf, dass er entgegen jeder Wahrscheinlichkeit immer noch bei vollem Bewusstsein ist. Als sein lebloser Körper nach draußen gehievt wird, bleibt er in dem leeren Raum zurück. Nur, dass der gar nicht leer ist. Ein alter Mann sitzt auf einem Stuhl in der Ecke und bittet ihn, in einen weißen Overall zu schlüpfen. Ehe Stance sich versieht sitzt er auf dem Beifahrersitz eines LKWs und ist auf dem Weg … ja, wohin eigentlich? Weiterlesen

50 Shades of Rain

Nakamura Dieb

© Diogenes

Nishimura verdient sich seinen Unterhalt durch Stehlen. Wenn er durch die Einkaufsstraßen Tokios oder eine prall gefüllte U-Bahn streunert, sind seine schlanken Hände nur einen unachtsamen Augenblick davon entfernt, auf artistische Art und Weise in die Hand- oder Manteltaschen seiner Mitmenschen zu gleiten. Dabei ist er jedoch stets darauf bedacht nur diejenigen zu beklauen, die ihm wohlhabend oder sonst irgendwie unsympathisch erscheinen. Auf seinen Streifzügen hält er außerdem nach seinem Freund und ehemaligem Mentor und Partner-in-Crime Ishikawa Ausschau. Vor einigen Jahren hatten sie ein letztes großes Ding gedreht, das sie finanziell absichern sollte. Der Yakuza-Boss Kizaki rekrutierte sie für einen Raubüberfall auf einen Politiker, bei dem in Wahrheit brisante Dokumente erbeutet werden sollten. Am Ende lief alles anders als geplant und Nishimura musste seine Heimat für eine Weile hinter sich lassen. Doch nun ist er wieder in der Stadt und jagt seiner Vergangenheit hinter – nur dass diese ihm schon längst hämisch lachend im Nacken sitzt. Weiterlesen

Sheriff’s back in town

James Lee Burke

© James Lee Burke

Wir befinden uns kurz vor dem Ende des texanischen Unabhängigkeitskrieges: Am 27. März 1836 statuiert der mexikanische General Santa Ana an 342 Gefangenen aus Texas ein Exempel. Nur wenige können dieser Hinrichtung entkommen, die später als das „Massaker von Goliad“ in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Einer von ihnen ist William Burke. Dem Ur-Ur-Großvater des Autors James Lee Burke gelingt mit der Hilfe einer mexikanischen Prostituierten die Flucht zurück zu den eigenen Truppen. Die Texaner gewinnen die entscheidende Schlacht und General Santa Ana findet den Tod. William Burke überlebt auch diesmal. Weiterlesen

Winter in Oslo

Nesbo Der Auftrag

© Ullstein

Leserinnen und Leser, bitte anschnallen, wir begeben uns auf die Meta-Ebene. Der norwegische Erfolgsautor Jo Nesbø, der weltweit bereits Millionen von Büchern absetzen konnte, schreibt neuerdings unter dem Pseudonym Tom Johansen. So weit so unspektakulär. Nun dient dieses Pseudonym aber nicht etwa der Verschleierung seiner wahren Identität, sondern ist lediglich das Produkt eines Identifikationsversuchs des Autors mit einem seiner Charaktere. Man könnte auch sagen: Eines seiner Bücher ist ihm ausgelaufen. Tom Johansen ist nämlich der Protagonist eines bisher unveröffentlichten Romans Nesbøs, ein Schriftsteller, dem nach einer langen Durststrecke und etlichen Gelegenheitsjobs endlich der Durchbruch gelingt. Eine Figur, dessen Schaffen ihren Schöpfer so sehr interessierte, dass ihm scheinbar nur die Metamorphose übrig blieb. Für seinen neuen Zweiteiler wird aus Nesbø daher Johansen, und auch wenn sich in der deutschen Ausgabe von „Blood on Snow: Der Auftrag“ leider kein Hinweis darauf findet, ist das eine verdammt ungewöhnliche Entstehungsgeschichte. Weiterlesen

Vorschau: Sendung vom 01.11.2015

IMG_8456Auf den letzten Metern ein Novum: Im November gibt es gleich zwei Sendungen auf die Ohren, eine davon am kommenden Sonntag von 19-20 Uhr, wie immer bei der Wüsten Welle – im Radio auf der 96,6 oder für alle Ortsfremden per Livestream. Ich habe diesen Monat aufgrund einer Krankheit so viel gelesen wie lange nicht mehr, ihr dürft euch also auf eine prall gefüllte Stunde voller spannender Krimis freuen. Blindgänger waren nämlich ausnahmslos keine dabei. Außerdem wird es unmittelbar vor der Sendung noch eine Überraschung geben, die ich selbst noch nicht so richtig glauben kann. Abwarten. Jetzt verrate ich euch erst einmal, worum es am Sonntag gehen soll: Weiterlesen

Auf eine Wurst mit Handke

Ani Der namenlose Tag

© Suhrkamp

Ludwig Winther will nicht glauben, dass sich seine siebzehnjährige Tochter einfach so umgebracht haben soll. Auch zwanzig Jahre danach nicht. Deshalb klingelt er bei Jakob Franck, dem Beamten, der seiner mittlerweile ebenfalls verstorbenen Frau damals die traurige Nachricht vom Tod ihres Kindes überbrachte. Franck ist zwar mittlerweile in Rente, verspricht aber bei einem langen Gespräch und ein paar Schnäpsen sich die Sache noch einmal genauer anzuschauen. Und während der pensionierte Polizist in die Vergangenheit aufbricht, vernimmt der aufmerksame Leser noch eine weitere, kindliche Stimme. Ein kleiner Junge schildert wie ein Streit zwischen seinen Eltern eskaliert und seine Mutter leblos zu Boden sackt, erschlagen vom eigenen Mann. Wie er zusammengekauert hinter der Couch sitzt und lauscht, mucksmäuschenstill, als wäre er gar nicht wirklich dort.  Man ahnt es schon: Diese beiden Fälle stehen auf irgendeine Weise in Verbindung. Nur auf welche? Weiterlesen