Die Bielefeld Connection

Es gibt immer noch Leute da draußen, die ernsthaft glauben, dass Bielefeld nicht existiert. Gut, dass das nicht stimmt. In Bielefeld ist nämlich der Pendragon-Verlag beheimatet, der Anfang der Achtziger als One-Man-Show des Verlegers Günter Butkus seinen Anfang nahm. Der gelernte Erzieher und damalige Literaturwissenschaftsstudent wagte den Sprung ins kalte Wasser, ausgestattet mit wenig Vorwissen, aber vielen Kontakten in die Verlagswelt und, was noch wichtiger ist, jeder Menge Spaß am Buch. Angefangen hat alles mit Lyrik. Heute kennt und liebt man Pendragon vor allem für das Krimiprogramm. Weiterlesen

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„Wie malt man die Finsternis?“

Gary Victor Soro

© litradukt

Es beginnt mit einer der denkwürdigsten Szenen dieses Buchjahres: Inspektor Dieuswalwe Azémar kommt in einem Hotelbett zu sich, die Sinne noch völlig vom Soro vernebelt, als er bemerkt, dass er anscheinend gerade mit der Frau seines Vorgesetzten schläft. Ihm bleibt kaum Zeit, diese Information zu verdauen, denn auf einmal bebt der ganze Raum. Haiti wird von einem der schlimmsten Erdbeben in der Geschichte des Landes heimgesucht. Ein Stück Zimmerdecke bricht heraus und erschlägt die arme Frau, die den verwirrten Polizisten mit ihrem massigen Körper vor dem sicheren Tod bewahrt. Er kriecht unter ihr hervor und flüchtet sich nach draußen. Als er sich am nächsten Tag durch die zerstörte Stadt zur Arbeit schleppt, ahnt er noch nicht, dass sein Chef, Kommissar Solon, längst über den Seitensprung seiner Frau Bescheid weiß. Und über ihren Tod. Inspektor Azémar wird damit beauftragt, den Mann zu finden und auszuliefern, mit dem Solons Frau bis zuletzt das Bett geteilt hat: Sich selbst. Weiterlesen

Im Zoo

Lehmann Affen von Cannstatt

© Argument

Camilla Feh ist bei Pflegeeltern aufgewachsen, weil ihre Mutter eine mit internationalem Haftbefehl gesuchte Kindsmörderin ist. Eine mehrfache Kindsmörderin, die vier ihrer eigenen Kinder getötet und beim örtlichen Friedhof verscharrt hat. Die Tat ihrer Mutter lastet wie ein Fluch auf der mittlerweile erwachsenen Frau, die als einziges Kind weiterleben durfte. Jetzt sitzt Camilla im Gefängnis. Sie soll ihren Ex-Freund und Chef Till Deutschbein ermordet haben. Er wurde im Stuttgarter Zoo von Bonobo-Affen getötet, nachdem ihn jemand dort nachts im Gehege zurückgelassen hat. Camilla hatte diese Tiere vor einigen Jahren für längere Zeit beobachtet und erforscht. Und nicht nur das: Sie war wahrscheinlich auch die letzte Person, die ihren ebenfalls verstorbenen Soziologieprofessor lebend gesehen hat – den Professor, der ihre Arbeit über die Bonobos nicht annehmen wollte. Weiterlesen

Sicher durch das Krimi-Labyrinth

Schwarze Krimis, die in jede Tasche passen. Explosive Stoffe, die das bestehende Weltbild in Frage stellen. Immer wieder aufs Neue, immer am Puls der Zeit, seit über fünfundzwanzig Jahren. Die Rede ist natürlich von der Reihe „Ariadne Krimis“, die die Soziologin Frigga Haug im Jahr 1988 ins Leben rief. Sie erscheint bis heute im Argument Verlag, den sie zusammen mit ihrem zukünftigen Ehemann, dem Philosophen Wolfgang Fritz Haug, Ende der 50er gegründet hatte. Einem Verlag, der eigentlich für seine linken Wissenschafts- und wissenschaftskritischen Bücher bekannt ist. Doch es handelt sich ja auch nicht um irgendeine dahergelaufene Krimireihe. Nein, das würde nicht ins Verlagsprofil passen. Es handelt sich vielmehr um die logische Weiterentwicklung eines der wichtigsten Verlagssegmente, den Büchern zur feministischen Theorie. Bei Ariadne schreiben ausschließlich Frauen. Weiterlesen

Hamburg Hardboiled

gray kanaken blues

© Pendragon

Hamburg, 2000: Der Sohn des Polizeichefs wird ermordet, nur ein paar Meter von seinem Zuhause entfernt. Kaum wird der frisch zum Hauptkommissar ernannte Boyle mit dem Fall beauftragt, gibt es auch schon die nächste Leiche. Zusammen mit seinem Kollegen Tommy versucht Boyle herauszufinden, ob zwischen den Morden ein Zusammenhang besteht und wer für diese Blutspur, die sich durch die nächtliche Stadt zieht, verantwortlich ist. Dabei stößt er auf allerlei Widerstand, vor allem aus den eigenen Reihen. Denn der homosexuelle Tommy und der dunkelhäutige Boyle sind nicht gerade die beliebtesten Polizisten Hamburgs. Weiterlesen

Wenn Welten kollidieren

Kröger Havarie

© Argument

Wir alle kennen die Bilder. Verängstigte Flüchtlinge in überfüllten Booten, die über das Mittelmeer schippern. Grenzschützer, Polizisten, Aktivisten, die ihnen die Hand reichen. In Decken gewickelte Frauen, Männer, Jungen und Mädchen. Die trostlosen Lager, in den sie meist vergeblich auf Asyl warten. Unerbittlich zeigen uns die Kameras der Nachrichtenreporter das Elend der Welt. Das Leid anderer ist Teil unseres Medienalltags, wir werden täglich damit konfrontiert und haben längst die Grenzen unserer Empathiefähigkeit erreicht. Dass es sich bei den zweidimensionalen Gestalten auf dem Bildschirm um echte Menschen handelt, Menschen mit einer Geschichte, können wir nicht ohne weiteres verdauen. Es isst sich einfach nicht so gut vor dem Fernseher, wenn Menschen ertrinken. Merle Kröger geht in „Havarie“ auf Kollisionskurs mit unserer Wegschau-MentalitätWeiterlesen

Vorschau: Sendung vom 21.06.2015

IMG_8169Fragt mich nicht, was diesmal passiert ist. Ich weiß es nämlich nicht. Im Januar habe ich mir die Sendetermine aufgeschrieben und ich habe einmal den Fehler gemacht, mir die nicht richtig anzuschauen. Nun habe ich sie mir natürlich drei bis vier Mal angeschaut, um ganz sicher zu sein, dass ich keine Sendung mehr verpasse. Und dann das: Ich hab mir einen Termin entweder von Anfang an falsch abgeschrieben, oder, was ich für unwahrscheinlicher halte, er wurde zwischenzeitlich ohne mein Wissen geändert. So oder so heißt das, dass die Juni-Sendung wieder nur in Form von Podcasts in den Äther gelangen wird. Sorry an alle, die letzte Woche das Radio eingeschaltet haben. Ich kann euch nicht sagen, wie peinlich mir das alles ist. Wieder etwas, woran ich unbedingt arbeiten muss. Die kommenden Termine werden jedenfalls doppelt und dreifach überprüft. Weiterlesen

Kollaps einer Millionenstadt

burke sturm new orleans

© Pendragon

Mit einem Gruß an seine deutschen Leser beginnt die deutsche Ausgabe von James Lee Burkes Roman „Sturm über New Orleans“ (im Original: „The Tin Roof Blowdown“). Nach dem großartigen „Regengötter“, für das er erst kürzlich den Deutschen Krimipreis in der Kategorie International erhielt, dürfte Burkes Fangemeinde hierzulande ordentlich gewachsen sein. Der richtige Zeitpunkt also, um die Reihe wieder zu etablieren, mit der er damals in den USA bekannt wurde. Zwölf Jahre sind seine Dave-Robicheaux-Romane nicht mehr ins Deutsche übersetzt worden, und so freut sich der Autor umso mehr darüber, dass der Pendragon-Verlag ausgerechnet diesen Roman für einen Neustart ausgewählt hat. Es sei sein wütendstes Buch, sagt er im Vorwort, und dass es ihm ganz besonders am Herzen liege. Genau wie sein Protagonist. Weiterlesen