Westerngroteske? Wundertüte!

Smonk

© Pulp Master

„Smonk“ ist so ein Buch, über das man wahnsinnig viel schreiben könnte. Darüber, dass Tom Franklins Roman dermaßen southern gothic ist, dass Kommentare wie „… also gelesen hab‘ ich das jetzt nicht, ist mir zu persönlich zu abgedreht, aber soll ja sehr gut sein“ schon beim bloßen Anfassen durch den Gehörgang geistern. Darüber, dass sich das liest, als hätte Cormac McCarthy „Die Morgenröte im Westen“ bis in die Haarspitzen zugekokst in einem Pornokino geschrieben. Darüber, was uns ein Autor mitteilen möchte, der das Tier im Menschen auf das amerikanischste aller Genres loslässt und damit einen Körperflüssigkeiten-Tsunami entfesselt. Muss aber alles gar nicht sein. Auch ohne jede Form der Einordnung ist Smonk ein Höllenspaß. Ach was – das Wort „Höllenspaß“ wurde eigens für diesen Roman erfunden. Weiterlesen

Das Evangelium der Schlange

Cash Fürchtet Euch

© Fischer

Ein kleines Bergdorf in North Carolina: Der dreizehnjährige Christopher, der in seinem ganzen Leben noch nie ein Wort gesprochen hat, soll während eines Gottesdienstes in der Kirche von Prediger Carson Chambliss „geheilt“ werden. Sein jüngerer Bruder Jess, dem der Zugang zur Kirche verwehrt wurde, beobachtet das Geschehen durch einen Spalt in der Außenwand des abgedunkelten Gebäudes. Als sich während der Zeremonie plötzlich immer mehr Mitglieder der Gemeinde auf Christopher stürzen und ihn unter sich begraben, ruft Jess lauthals nach seiner Mutter, die scheinbar tatenlos zusieht. Ein folgenschwerer Schrei – denn alle Anwesenden gehen davon aus, gerade die ersten Worte eines vormals stummen Kindes vernommen zu haben. Voll Optimismus und religiösem Eifer unterzieht die Gemeinde den Jungen nochmal einer ähnlichen Prozedur. Nur dass er diese nicht überlebt. Und während das ganze Dorf in Sprachlosigkeit verfällt ist es an Jess, der erneut alles mitangesehen hat, der überhaupt mehr sieht, als er sollte, das Schweigen zu brechen. Weiterlesen

Country Noir – Versuch einer Annäherung

Alles begann mit einem Missverständnis. Um der Einordnung in bestehende Genre-Schubladen zu entgehen, veröffentlichte Daniel Woodrell 1996 seinen Roman „Give Us A Kiss“ („Stoff ohne Ende“) mit dem Zusatz „A Country Noir“. Einer Bezeichnung, von der er sich später distanzierte, als ihm bewusst wurde, was er da losgetreten hatte. Doch wie es in einem alten schottischen Sprichwort so schön heißt: „Du bist Herr deiner Worte, doch einmal ausgesprochen beherrschen sie dich.“ Woodrell drückte nicht nur seinem eigenen, sondern gleich einer Vielzahl von Büchern verschiedenster Autoren einen Stempel auf, der bis heute ein ganzes Subgenre bezeichnet. Country Noir wurde zum geflügelten Wort, später sogar zum Verkaufsargument. Grund genug also sich zu fragen, was es damit auf sich hat. Weiterlesen