Rauchen, Saufen, Prügeln und ein Sonnenuntergang am Meer

Miller Freedoms Child

© Rowohlt

Eine junge, frische Stimme der amerikanischen Kriminalliteratur entlockt mit ihrem Debüt den eigenen Kollegen und der versammelten Presse ekstatische Jubelschreie. Ihr Name: Jax Miller. Naja, eigentlich Aine O’Dohmnaill, aber in einem Genre, in dem die Konkurrenz Karin Slaughter heißt, muss man sich eben was einfallen lassen. Eine Sensation, so hört man, die man zwar noch nicht mit Preisen, dafür aber mit jeder Menge Geld überhäuft hat. Wenn dann die Konkurrenz, die Karin Slaughter heißt, noch einen markigen Spruch ablässt, den der Piper-Verlag auf das deutsche Cover zu „Freedom’s Child“ drucken kann, dann ist der Hype perfekt und hohe Verkaufszahlen eigentlich vorprogrammiert. Also nimmt man das Buch zur Hand um dem Phänomen auf den Grund zu gehen – und nach etwa 350 Seiten fragt man sich, ob der Rest der Welt wirklich den gleichen Roman gelesen hat. Weiterlesen

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Schrottplatz der Scheintoten

crews florida fever

© Metrolit

Mit sechsundfünfzig, einem der hässlichsten Stümpfe, die er je gesehen hatte, und obendrein einem über beide Arschbacken laufenden Tattoo, das ihm peinlich war, seit er in Korea aus seinem Heroin-Koma erwacht war und gesehen hatte, was er angerichtet hatte, hatte Stump mit Sex mehr oder weniger abgeschlossen.

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Als man Actionfilme noch auf VHS an der Tanke kaufte

Cold in July Screenshot 3

© Backup Media/Bullet Pictures

Als ich vor einiger Zeit las, dass Joe R. LansdalesCold In July“ verfilmt werden soll, war ich spontan begeistert. Auch wenn ich das Buch noch gar nicht kannte. Der texanische Schriftsteller zählt zu meinen Lieblingsautoren und hat mit „Bubba Ho-Tep“ bereits eine gelungene Filmadaption im Portfolio. Bis dato hatte ich zwar weder von dem Regisseur Jim Mickle, noch von  dem Drehbuchautor Nick Damici, mit dem er das Skript verfasste, je etwas gehört, der Trailer sah aber viel zu gut aus, um sich nicht darauf zu freuen. Weiterlesen

Das Böse kommt auf leisen Sohlen

Lansdale Kälte im Juli

© Heyne

Wo bekommen Schriftsteller eigentlich ihre Ideen her? Als der texanische Autor und Genre-Grenzgänger Joe R. Lansdale mit seiner Familie ein Haus besichtigt, bemerkt er  ein Einschussloch. Der Makler versichert ihm, dass es dem keine Schießerei oder gar einen Mord zugrunde liegt, aber Lansdales Fantasie hat sich zu diesem Zeitpunkt schon längst selbstständig gemacht. Er kauft das Haus zwar nicht, aber das Einschussloch bleibt ihm erhalten. Es verfolgt ihn bis in den Schlaf. Innerhalb einer Nacht will er die komplette Geschichte von „Die Kälte im Juli“ (Hierzulande erstmals 1997 unter dem Titel „Kalt brennt die Sonne über Texas“ bei Rowohlt erschienen) geträumt haben – inklusiver aller Nebenfiguren. Das muss ein Alptraum gewesen sein. Weiterlesen

Der ewige Kampf

thompson die verdammten

© Heyne

Tom Lord ist der Marshall von Pardee, einer texanischen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt. Eigentlich hatte er Arzt werden wollen, wie sein Vater vor ihm, aber das sollte nicht sein. Ironischerweise wurde sein Vater nämlich schwer krank. Tom, der sich bereits mitten im Medizin-Studium befand, musste abbrechen, um ihn zu Hause pflegen zu können. Die Geschichte, die uns Pulp-Großmeister Jim Thompson in „Die Verdammten“ erzählt, setzt ein, als Tom Lord zusammen mit seiner Freundin, einer ehemaligen Prostituierten, einen Ausflug macht. Irgendetwas scheint mit dem Wagen nicht zu stimmen. Er entscheidet, an einem Ölbohrturm Halt zu machen, um nach dem Wagen zu sehen und ihn gegebenenfalls zu reparieren. Angeblich. Weiterlesen