Zoë Beck in Cannstatt: Zehn Fakten

Beck in Cannstatt

Als letztes Jahr Franz Dobler für die „Stuttgarter Kriminächte“ zu einer Lesung vorbeikam, habe ich die Location folgendermaßen beschrieben:

„Die Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt versprüht diesen gewissen Tennissocken-Charme: Regale in der Farbe von billigem Zahnersatz, Licht, bei dem man froh ist, dass nirgendwo Spiegel hängen und ein Teppichboden, dessen Borsten man selbst durch die dickste Schuhsohle zu spüren glaubt. Die warme Weinschorle für einen Euro rundet den Gesamteindruck ab und macht ihn geschmacklich erfahrbar.“

Daran hat sich auch 2018 nichts geändert. Weiterlesen

„I wish I was in Carrickfergus“

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© Suhrkamp

Wenn man von Belfast aus auf dem M5 Richtung Norden fährt, und die Irische See zur Rechten irgendwann von einer Tankstelle, einer Autowerkstatt und einem Brautmodengeschäft abgelöst wird, dann hat man nur noch einige hundert Meter vor sich, bis es in Sichtweite kommt: Carrickfergus Castle. Grauer Stein, runde Türme, über achthundert Jahre irische Geschichte vor der schäumenden Gischt des Belfast Lough. Hätte ich im März letzten Jahres schon gewusst, dass der Mann, wegen dem ich in die Stadt gekommen war, bald ein Buch schreiben würde, das teilweise innerhalb dieser Mauern spielt, hätte ich vielleicht die fünf Pfund für den Eintritt locker gemacht. Hätte das massive Fallgitter begutachtet. Hätte mir das Mörderloch etwas genauer angesehen. Hätte nach dem Kerker gefragt. Und ganz sicher hätte ich überlegt, ob es einen Möglichkeit gibt bei geschlossenem Tor aus dieser Festung zu entkommen. Wie heißt es so schön: Hätte, hätte, Beweismittelkette. Weiterlesen

Vorschau 2017: Teil 1

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Den ersten Monat des neuen Jahres habe ich irgendwie verpasst. Zu viel zu tun. Über die vielen guten Bücher, die im Januar erschienen sind, habt ihr euch bestimmt schon anderweitig informiert, weshalb ich direkt mit dem Februar einsteigen werde – gerade noch rechtzeitig. Dafür gibt es am Ende etwas Musik.  Weiterlesen

Der Kriminalroman im Zeitalter der Remix-Kultur

Fox Hades

© Suhrkamp

Die junge Australierin Candice Fox wurde für ihr Debüt „Hades“ nicht nur in ihrer Heimat preisgekrönt, sie hat auch hierzulande etwas gewinnen können, das man nicht unterschätzen sollte: Prominente Fürsprecher. Angefangen bei Thomas Wörtche, der das Buch bei Suhrkamp herausgegeben hat, über Sonja Hartl, Alf Mayer und Ulrich Noller liest sich die Mitgliederliste ihres Fanclubs wie ein who is who des deutschen Krimijournalismus. Und die dazugehörigen Lobeshymnen erst! Man hatte zwischenzeitlich das Gefühl, mit „Hades“ stünde uns eine kleine Genre-Revolution ins Haus. Umso ratloser war ich nach 341 Seiten, denn das Kartenhaus meiner Erwartungen war nach und nach in sich zusammengefallen und die Autorin zog bis zum Schluss kein Ass aus dem Ärmel, um es wieder zu stabilisieren. Ob sie es sich für die zwei Folgebände aufgehoben hat? Oder ist ihr gar der ganz große Bluff gelungen? Während ich noch grübelte, was ich übersehen hatte, hätte ich beinahe etwas übersehen: Wie viel Spaß ich mit diesem Buch hatte. Vollends verwirrt schlug ich es auf der ersten Seite wieder auf und verabschiedete mich von jedem Gedanken an Schlaf. Weiterlesen

Vorschau 2016: Teil 11

Strukul Mila    Fox Eden    Ide IQ    Seymour Vagabond

Normalerweise mische ich an dieser Stelle die Titel bunt durch, packe Pulp Master neben Diogenes, Heinz Strunk neben Stephen Hunter, Klassiker neben Edeltrash. Aber diesmal mache ich eine Ausnahme. „Was können Verlage, was will das Lesepublikum?“, fragte Thomas Wörtche unlängst in der Polar Gazette. Seiner Meinung nach „kann man im Bezugsrahmen einer ‚kritischen Kriminalliteratur‘ nur alles richtigmachen, wenn man genau das Widerständige, Widerborstige, Chaotische und Irre so klug in den Kreislauf pumpt, dass die Maschinerie es unbewusst als Konterbande mitnimmt“. Sprich: Man jubelt dem Publikum den guten Stoff einfach unter. Wörtche selbst geht als Herausgeber unter der Flagge von Suhrkamp mit gutem Beispiel voran: Weiterlesen

CrimeMag 4/2016

Der Vollständigkeit halber möchte ich knapp zwei Wochen vor Erscheinen des neuen CrimeMag nochmal darauf aufmerksam machen, dass ich auch im April wieder mit zwei Texten vertreten war. Mein Blogbeitrag zur französischen Cop-Serie „Braquo“ hat dort ebenso Platz gefunden, wie eine kurze Besprechung zu dem country noir Familiendrama „Bull Mountain“ von Brian Panowich. Und die klingt so: Weiterlesen

Vorschau 2016: Teil 9

James Lee Burke Fremdes Land    Thor Kunkel Und Gott    Bernd Cailloux Surabaya Gold    Charlie Stella Johnny Porno

Heute fallen vier Namen. Den einen hat man in letzter Zeit so oft gehört, dass sich bei dem ein oder anderen von euch bestimmt schon Übersättigung eingestellt hat. Die anderen zwei hatte ich zwar auf dem Schirm, aber von dem einen hat man lange nichts mehr gehört, und vom anderen habe ich nicht erwartet, ihm mal in genrenahen Themengebieten wildern zu sehen. Und, last but not least, der vierte Name. Der ist mir ehrlich gesagt noch nie im Leben begegnet. Das Buch, auf dem er steht, weckt allerdings mein Interesse – und das nicht nur, weil da noch ein fünfter Name eine gewisse Rolle spielt… Mist, verzählt. Weiterlesen