Zoë Beck in Cannstatt: Zehn Fakten

Beck in Cannstatt

Als letztes Jahr Franz Dobler für die „Stuttgarter Kriminächte“ zu einer Lesung vorbeikam, habe ich die Location folgendermaßen beschrieben:

„Die Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt versprüht diesen gewissen Tennissocken-Charme: Regale in der Farbe von billigem Zahnersatz, Licht, bei dem man froh ist, dass nirgendwo Spiegel hängen und ein Teppichboden, dessen Borsten man selbst durch die dickste Schuhsohle zu spüren glaubt. Die warme Weinschorle für einen Euro rundet den Gesamteindruck ab und macht ihn geschmacklich erfahrbar.“

Daran hat sich auch 2018 nichts geändert. Weiterlesen

ZVW-Krimi des Monats: Kerkerkind

Bohnet Kerkerkind

© Knaur

Auch im Februar habe ich für den Zeitungsverlag Waiblingen wieder einen „Krimi des Monats“ gekürt. Diesmal hat es „Kerkerkind“ von Katja Bohnet erwischt. Zur Feier des Tages hat mir die Autorin ein paar Fragen zum zweiten Auftritt von Rosa Lopez un Viktor Saizew beantwortet – und nebenbei auch etwas über den nächsten verraten.

Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit in Skandinavien: Nach dem Tod des schwedischen Journalisten und Schriftstellers Stieg Larsson wurden posthum drei seiner Kriminalromane veröffentlicht. Die ‚Millenium‘-Trilogie war ein weltweiter Bestseller, und die Welt wollte nach dem dritten Band noch lange nicht aufhören zu lesen. Die Welt verlangte nach mehr. Jahr um Jahr schwemmen die Verlage seitdem massenhaft Psychothriller in die Buchhandlungen, größtenteils generisches Gemetzel in minimal variierender Verpackung. Auch Katja Bohnets neuer Roman wirkt auf den ersten Blick, als könnte er Teil dieser Schwemme sein …

Den Rest der Rezension (und natürlich das Interview) findet ihr hier.

Als wäre man dabei gewesen

Colize Back Up

© Nautilus

Wir schreiben das Jahr 1967. Kurz nach der Aufnahme eines neuen Songs kommen alle vier Mitglieder der Band „Pearl Harbor“ auf tragische Weise ums Leben: Drogenüberdosis, Selbstmord, ertrunken im Hotelpool, am eigenen Erbrochenen erstickt – Rockstars eben. Ein irischer Journalist will nicht an einen Zufall glauben und stürzt sich in die Recherchearbeit. Zeitsprung. 2010. Ein vermeintlicher Obdachloser liegt nach einem schweren Verkehrsunfall im Bett eines Brüsseler Krankenhauses und schweigt sich aus. Er leidet unter dem sogenannten „Locked-In-Syndrom“. Erst als ein motivierter Pfleger sich des Patienten annimmt, beginnt dieser sich langsam und auf kryptische Art und Weise mitzuteilen – mithilfe seiner Augen. Während das Krankenhauspersonal daraufhin fieberhaft versucht, seine wirren Nachrichten zu entschlüsseln, erinnert der zur Bewegungslosigkeit verdammte Mann sich an ein bewegtes Leben als Musiker in den schäbigsten Clubs und gigantischsten Hallen von London, Paris, New York und Berlin. Weiterlesen

Knochentrockene Kälte

Truc 40 Tage Nacht

© Droemer

Es war der großartigste Tag des Jahres, der Tag, der alle Hoffnung der Menschheit trug. Morgen würde die Sonne wiedergeboren.

Das Ende der Polarnacht ist gekommen. Langsam aber stetig wird es wieder heller in Lappland, dem dünn besiedelten Gebiet im Norden Europas, dass man hierzulande vor allem mit einem in Verbindung bringt: Kälte. Im Schutz des letzten dunklen Tages wird eine uralte Trommel aus dem Bestand eines Museums entwendet, die einst von den Sami, den Ureinwohnern Nordeuropas, angefertigt wurde. Ein Skandal! Die Trommel war nämlich nicht einfach nur ein wertvoller alter Gegenstand, sie war vor allem ein kulturelles Wahrzeichen, und die Sami fühlen sich angesichts des Diebstahls in ihrem Stolz verletzt. Es kommt zu Protesten und die Polizei wird von allen Seiten unter Druck gesetzt. Immerhin sind es nur noch ein paar Tage bis zu einer wichtigen UN-Konferenz zum Thema indigene Völker, auf der man sich auf keinen Fall blamieren möchte. Ergebnisse müssen her – und zwar schnell. Weiterlesen

Bald im Kino: Kind 44

kind 44Eigentlich ist Tom Rob Smith nicht so mein Fall. Sein Thriller „Kind 44„, der in der Sowjetunion der 50er Jahre spielt, wird nun aber sehr prominent verfilmt: Richard Price („The Wire“ !) schrieb das Drehbuch, auf der Leinwand zu sehen sind Hochkaräter wie Gary Oldman (wo soll man da anfangen?), Vincent Cassel („Die purpurnen Flüsse“, „Black Swan“), Noomi Rapace (aka Lisbeth Salander) und ihr „The Drop“-Kollege Tom Hardy. Weiterlesen

Bald im Kino: Kidnapping Mr. Heineken

kidnapping_mr_heineken_posterHeineken… Moment mal? Ist das nicht dieses sogenannte „Bier“, dass es überall auf der Welt zu geben scheint, dieser riesige Konzern, der sich immer mehr Brauereien aneignet? Ja, genau. Und irgendwie geht es auch darum. Also nicht speziell darum. „Kidnapping Mr. Heineken“ erzählt die wahre Geschichte der Entführung von Alfred Heineken, der in dein 80ern von einer Diebesbande entführt wurde. Weiterlesen

A Country for Old Men

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© Heyne

Jetzt haben ja wirklich schon alle diesen Roman besprochen. Die Kritiker überschlagen sich quasi seit Erscheinen und versichern sich gegenseitig, schon lange auf die Übersetzung eines neuen James Lee Burke gewartet zu haben. Was stimmen mag. Ich persönlich gehöre nicht dazu. Vielleicht weil ich bei Erscheinen des letzten Burke in unserer Sprache noch gar keine Krimis gelesen habe, vielleicht aber auch weil ich noch nicht lange genug in diesem Genre unterwegs bin. Trotzdem, das ganze Lob macht natürlich neugierig, und nachdem ich „Regengötter“ nun endlich beendet habe, kann ich mich der Euphorie nur anschließen. Aber der Reihe nach. Weiterlesen

Bald im Kino: Inherent Vice – Natürliche Mängel

578193.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxMan hat ja momentan das Gefühl, in Hollywood hat keiner mehr eigene Ideen. Das Kinoprogramm besteht entweder aus Literaturverfilmungen (Gone Girl, The Drop, Der Hobbit, Tribute von Panem etc. etc.), Comic-Adaptionen oder irgendwelchen Remakes/Reboots bekannter Filme. Das meiste davon lässt mich ehrlich gesagt kalt. Jetzt verfilmt aber ausgerechnet der großartige Paul Thomas Anderson (Magnolia, There Will Be Blood) den nicht minder großartigen Vollzeitneurotiker Thomas PynchonWeiterlesen

Die hässliche Fratze des Kapitalismus

nightcrawler 2Noch nie hat mir ein Film über einen längeren Zeitraum körperliche Schmerzen bereitet. Heute aber, in einem riesigen, annähernd leeren Kinosaal, war es so weit. Während der Rest der Kinogänger sich wahrscheinlich gegenseitig für die Entscheidung beglückwünschte, den neuen Nolan anzusehen („Diese Bilder!“), durchlitt ich mit meiner Freundin und einer Hand voll weiterer Menschen eine zweistündigeTortur. Der neue Film von Dan Gilroy („The Fall“, „Das Bourne Vermächtnis“) ist Szene für Szene ein einziger, sich immer weiter steigernder Alptraum.

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