Sheriff’s back in town

James Lee Burke

© James Lee Burke

Wir befinden uns kurz vor dem Ende des texanischen Unabhängigkeitskrieges: Am 27. März 1836 statuiert der mexikanische General Santa Ana an 342 Gefangenen aus Texas ein Exempel. Nur wenige können dieser Hinrichtung entkommen, die später als das „Massaker von Goliad“ in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Einer von ihnen ist William Burke. Dem Ur-Ur-Großvater des Autors James Lee Burke gelingt mit der Hilfe einer mexikanischen Prostituierten die Flucht zurück zu den eigenen Truppen. Die Texaner gewinnen die entscheidende Schlacht und General Santa Ana findet den Tod. William Burke überlebt auch diesmal. Weiterlesen

Waldsterben

Percy Wölfe der Nacht

© btb

Country Noir hat seine Wurzeln ohne Frage in den Südstaaten. Doch auch in anderen ländlichen Gegenden der USA werden Bücher geschrieben, die sich diesem Subgenre zurechnen lassen. „Wölfe der Nacht“ von Benjamin Percy ist eines davon. In den kleinen Städten und riesigen Wäldern Oregons angesiedelt, erzählt der junge Autor in seinem Romandebüt von Vätern und Söhnen und dem Verhältnis von Zivilisation und Natur. Er schickt seine Figuren auf eine folgenschwere Jagd und ist dabei auf eine ganz bestimmte Art von Beute aus: Den Leser. Mit einer einfachen, poetischen Sprache und einem gnadenlosen Spannungsbogen bewaffnet stellt er uns eine Falle, aus der wir nicht mehr entkommen können. Weiterlesen

Wie ein Spaziergang auf der Autobahn

Thornburg Cutter und Bone

© Polar

Es gibt Bücher, auf deren Seiten das Gewicht der Welt lastet. Die sie in all ihrer Dunkelheit, ihrem Wahnwitz, aber auch ihrer nie wirklich fassbaren Schönheit abbilden. Viele davon tragen große Namen und finden sich in jedem Literaturkanon und jeder gut sortierten Buchhandlung wieder. Aber was geschieht mit denen, die vergessen werden? Im Idealfall, und das muss man so zynisch sagen, stirbt der Autor. „Don’t forget Newton Thornburg hieß es 2011 nach dem Tod des amerikanischen Noir-Autors im Guardian – ein Aufruf, dem hier in Deutschland kaum jemand Aufmerksamkeit schenkte. Abgesehen von Wolfgang Franßen und seinem Polar Verlag, die gerade Thornburgs bekanntestes Werk exhumiert haben: „Cutter und Bone“. Wer an dieses Buch unbedarft rangeht, wird überrollt. Ich spreche aus Erfahrung. Weiterlesen

Jenseits der Grenze

winslow das kartell

© Droemer

Schon als die ersten Gerüchte darüber durchs Netz geisterten, gab es in der Krimigemeinde kein Halten mehr: Don Winslows Meisterwerk „Tage der Toten“ soll einen Nachfolger erhalten. Unnötig zu erwähnen, dass die Erwartungen dafür von Anfang an astronomisch hoch waren. Nein, sein mussten. „Das Kartell“ erzählt nun, wie schon der Vorgänger, vom amerikanischen War on Drugs und dessen Auswirkungen auf das Nachbarland Mexiko. Die Geschichte um den DEA-Agenten Art Keller und seien ganz eigenen Krieg gegen den Drogenboss Adán Barrera geht in die zweite Runde und Winslow setzt auf sein bereits bewährtes Rezept: Stakkato-Sätze, Perspektivwechsel und ein durch Fakten und Recherche unterfütterter Bezug zur realen politischen wie sozialen Situation. Ein perfekter Nachfolger also, der die Fans durchaus überzeugen sollte. Trotzdem steht „Das Kartell“ im Schatten des Buches, das maßgeblich für Don Winslows Ruf als herausragender Krimiautor verantwortlich ist – und das nicht zu knapp. Weiterlesen

Rauchen, Saufen, Prügeln und ein Sonnenuntergang am Meer

Miller Freedoms Child

© Rowohlt

Eine junge, frische Stimme der amerikanischen Kriminalliteratur entlockt mit ihrem Debüt den eigenen Kollegen und der versammelten Presse ekstatische Jubelschreie. Ihr Name: Jax Miller. Naja, eigentlich Aine O’Dohmnaill, aber in einem Genre, in dem die Konkurrenz Karin Slaughter heißt, muss man sich eben was einfallen lassen. Eine Sensation, so hört man, die man zwar noch nicht mit Preisen, dafür aber mit jeder Menge Geld überhäuft hat. Wenn dann die Konkurrenz, die Karin Slaughter heißt, noch einen markigen Spruch ablässt, den der Piper-Verlag auf das deutsche Cover zu „Freedom’s Child“ drucken kann, dann ist der Hype perfekt und hohe Verkaufszahlen eigentlich vorprogrammiert. Also nimmt man das Buch zur Hand um dem Phänomen auf den Grund zu gehen – und nach etwa 350 Seiten fragt man sich, ob der Rest der Welt wirklich den gleichen Roman gelesen hat. Weiterlesen

Irgendein Krieg ist immer

Winslow Tage der Toten

© Suhrkamp

Im Jahr 2005 veröffentlichte Don Winslow mit „Tage der Toten“ einen Meilenstein der jüngeren Kriminalliteratur. Sein Buch ist ein Epos über den amerikanischen „War on Drugs“, den „Krieg gegen Drogen“, der bis heute vor allem im direkten Nachbarland Mexiko ausgetragen wird. Seit  2010 ist der über 500 Seiten umfassende Wälzer dank dem Suhrkamp Verlag auch für ein deutschsprachiges Publikum zugänglich. Chris Hirthe, der für die Übersetzung verantwortlich war, änderte den Originaltitel „The Power oft he Dog“ – eine Anspielung auf den Höllenhund Kerberos, der in der griechischen Mythologie den Eingang zur Unterwelt bewacht – in „Tage der Toten“. Auch hierbei handelt es sich um eine Anspielung, die sich auf den „dia de los muertos“, den mexikanischen Gedenktag für die Verstorbenen bezieht. Die Fortsetzung des Drogenthrillers, „Das Kartell“ ist gerade bei Droemer erschienen. Weiterlesen

Kiss Your Ass Good-Bye

Charles Willeford

© Vice

Charles Willeford wird am 2. Januar 1919 als Charles Ray Willeford III in Little Rock, Arkansas geboren. Bereits drei Jahre nach der Geburt stirbt sein Vater an Tuberkulose, Charles‘ Mutter folgt ihrem Ehemann nur fünf Jahre später mit der gleichen Diagnose nach. Die Großmutter, die im Süden von Los Angeles wohnt, nimmt den Waisenjungen bei sich auf. Doch angesichts der Wirtschaftskrise, der sogenannten „Großen Depression“, fällt es ihr zusehends schwer, für ihn zu sorgen. Bis er 1932, im Alter von gerade mal dreizehn Jahren, Los Angeles verlässt und in einen Zug steigt, um sich entlang der mexikanischen Grenze als jugendlicher Landstreicher mit gefälschter Identität durchzuschlagen. Weiterlesen

Kollaps einer Millionenstadt

burke sturm new orleans

© Pendragon

Mit einem Gruß an seine deutschen Leser beginnt die deutsche Ausgabe von James Lee Burkes Roman „Sturm über New Orleans“ (im Original: „The Tin Roof Blowdown“). Nach dem großartigen „Regengötter“, für das er erst kürzlich den Deutschen Krimipreis in der Kategorie International erhielt, dürfte Burkes Fangemeinde hierzulande ordentlich gewachsen sein. Der richtige Zeitpunkt also, um die Reihe wieder zu etablieren, mit der er damals in den USA bekannt wurde. Zwölf Jahre sind seine Dave-Robicheaux-Romane nicht mehr ins Deutsche übersetzt worden, und so freut sich der Autor umso mehr darüber, dass der Pendragon-Verlag ausgerechnet diesen Roman für einen Neustart ausgewählt hat. Es sei sein wütendstes Buch, sagt er im Vorwort, und dass es ihm ganz besonders am Herzen liege. Genau wie sein Protagonist. Weiterlesen

Als man Actionfilme noch auf VHS an der Tanke kaufte

Cold in July Screenshot 3

© Backup Media/Bullet Pictures

Als ich vor einiger Zeit las, dass Joe R. LansdalesCold In July“ verfilmt werden soll, war ich spontan begeistert. Auch wenn ich das Buch noch gar nicht kannte. Der texanische Schriftsteller zählt zu meinen Lieblingsautoren und hat mit „Bubba Ho-Tep“ bereits eine gelungene Filmadaption im Portfolio. Bis dato hatte ich zwar weder von dem Regisseur Jim Mickle, noch von  dem Drehbuchautor Nick Damici, mit dem er das Skript verfasste, je etwas gehört, der Trailer sah aber viel zu gut aus, um sich nicht darauf zu freuen. Weiterlesen